Licht am Ende des Tunnels
Bauwirtschaft fordert Auflösung des Investitionsstaus

Die Bauwirtschaft sieht wieder Licht am Ende des Tunnels. "Ich rechne grundsätzlich zwar nicht mit einer wesentlichen Belebung der Baukonjunktur in Deutschland", sagte der Vorstandschef des größten deutschen Baukonzerns Hochtief, Hans-Peter Keitel, dem Handelsblatt. "Die positive Nachricht lautet aber: Wir haben die Talsohle beinahe erreicht."

HB ESSEN. Er forderte eine Trendumkehr. Vor allem benötige die Branche höhere Preise. Dann könne der Baumarkt auch wieder ein Wachstumsmarkt werden. Gleichzeitig mahnte Keitel eine strengere Auslese und ein Qualifizierungsverfahren für Bauunternehmen an. Im Ausland sei dies bereits üblich.

Der Hochtief-Chef machte sich für eine schnelle Auflösung des Investitionsstaus in die öffentliche Infrastruktur durch private Betreibermodelle stark. "Die fehlenden öffentlichen Investitionen lassen sich nur angesichts leerer Kassen nur durch Public Private Partnership (PPP)-Projekte auffangen, die Planung, die Finanzierung, den Bau und Betrieb von zum Beispiel Autobahnen oder Universitäten durch private Unternehmen." Eine schnelle Umsetzung werde nicht von der Politik, sondern von der Verwaltung gebremst. "Wenn wir in Deutschland mit der Privatisierung vorankommen wollen, dürfen wir uns aber nicht mit kleinen Schulprojekten oder dem Bau und Betrieb von Pilotprojekten der Autobahn zufrieden geben."

Keitels Wunschprojekt ist ein großes Autobahnsystem in Deutschland, zum Beispiel das des Ruhrgebiets. Die Refinanzierung müsse dann aber auf neue Füße gestellt werden. "Es ist aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit, wann wir zur Pkw-Maut kommen," sagte Keitel.

Nach der Panne im Risikomanagement bei der australischen Tochter Leighton, die ausgerechnet nach dem Verkauf der RWE-Anteile an neue Eigentümer zu einem Kursrutsch führte, will Hochtief nun das verlorengegangene Vertrauen der Anleger durch strengere Vorsorgemaßnahmen zurückgewinnen. Dazu wurde das Risikomanagement "im Sinne von best practice an die Konzenstandards" angeglichen. Nach den Auswirkungen auf die Ergebnisentwicklung im zweiten Quartal befragt, sagte Keitel: "Wir werden sehr genau darauf achten, dass allen Risiken im vollen Umfang Rechnung getragen ist." Damit Leightons hohe Ertragskraft und exzellente Auftragslage im neuen Geschäftsjahr, das am 1. Juli begonnen habe, ungeschmälert zum Ausdruck komme.

Anfang der Woche finden die Bilanzbesprechungen zum Abschluss des Geschäftsjahres von Leighton statt. Beobachter schließen daher nicht aus, dass höhere Vorsorgeleistungen das Ergebnis im zweiten Quartal belasten werden. Möglicherweise wird der Konzern daher auch seine Prognose für das Gesamtjahr korrigieren. Keitel wollte zur genauen Entwicklung des zweiten Quartals noch keine detaillierten Angaben machen. Hochtief legt am 19. August die Halbjahreszahlen vor.

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