Lieferengpässe
Milchstreik kostet Molkereien Millionen

Die seit über einer Woche andauernden Streiks und Proteste von Milchbauern haben bei den betroffenen Molkereien Millionen-Schäden verursacht. Die Proteste der Milchbauern dauern an: In Fürth etwa zog vor einem Supermarkt ein Mahnwache mit Kühen auf.

HB HAMBURG/BERLIN. Nach Angaben der "Bild"-Zeitung bezifferte der Hauptgeschäftsführer des Milchindustrie Verbands (MIV), Eberhard Hetzner, die bisher entstandenen Schäden auf "sicherlich 50 Millionen Euro". Sie wurden unter anderem durch Produktionsausfälle verursacht. Von den Streiks und Blockaden seien fast die Hälfte der rund 110 Molkereien in Deutschland betroffen gewesen.

Der Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) unterstrich, um ein Zeichen für eine verantwortungsvolle Kooperation zu setzen und um die sich zuspitzende Situation auf dem Lande zu entspannen, habe der Verband am Dienstag dazu aufgerufen, dass alle Milcherzeuger vor den Molkereien die Zu- und Abfahrtswege der Molkereien räumen sollten. Dies sei vom Milchindustrie-Verband verantwortungslos - auch gegen die Interessen der Verbraucher - ignoriert worden.

Mittlerweile spüren auch die Verbraucher den Boykott der Milchbauern in den Kühlregalen. In einigen Supermärkten wurde die Milch knapp.

Aber auch den Milchverarbeitern geht langsam die Milch aus. "Für diese Woche ist noch genug Milch vorhanden, um die Produktion sicherzustellen, für nächste Woche nicht mehr", sagte Michael Müller, Geschäftsführer von Rosen Eiskrem, dem "Tagesspiegel". "Wir spüren den Druck der Vorlieferanten." Das Unternehmen ist laut "Tagesspiegel" Marktführer bei Handelsmarken- Eiskrem und beliefert große Discounter wir Aldi.

Die Milchbauern wollen ihre Proteste gegen die nach ihrer Ansicht zu niedrigen Milchpreise unbefristet fortsetzen. Ziel der Aktionen werden nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes und des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter am Mittwoch Zentralen des Lebensmitteleinzelhandels sein.

Beide Organisationen warfen dem Milchindustrieverband vor, sich Verhandlungen zu verweigern. Eine entsprechende Einladung der Milchviehhalter für Dienstag sei nicht angenommen worden, eine 48-Stunden-Frist verstrichen.

Milch- und Bauernverband reagierten umgehend und forderten die Bauern auf, ihre Boykottmaßnahmen fortzusetzen. Ziel des Protest war am Dienstagabend zunächst die REWE-Zentrale in Köln. Vor dem Gebäude des Discounters Norma in Fürth zog ein Mahnwache mit zwei Kühen auf. Nach einer Demonstration vor Aldi Nord in Essen, sollte heute vor der Hauptverwaltung von Aldi Süd in Mülheim demonstriert werden.

Die Bauern wollen mit einem seit einer Woche andauernden Lieferboykott den Handel treffen und so einen Milchpreis von mindestens 40 Cent je Liter erzwingen.

Die große Mehrheit der Deutschen ist bereit, für Milch mehr zu zahlen, wenn der Aufpreis in voller Höhe an die Bauern geht. In einer Forsa-Umfrage für das Magazin "stern" erklärten 88 Prozent der Befragten, sie hätten Verständnis dafür, wenn der Milchpreis um zehn Cent steigen würde.

Diese zehn Cent müssten allerdings den Milchbauern zugutekommen. Neun Prozent der Befragten sagten, sie hätten kein Verständnis für höhere Milchpreise. Drei Prozent antworteten mit "weiß nicht".

Für die repräsentative Studie befragte Forsa am 2. Juni 1001 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger.

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