Lindner-Wutrede
„Dämlicher Zwischenruf“ bringt FDP-Chef in Rage

Ab Minute 22 drehte Christian Lindner auf: Der FDP-Parteichef setzte zu einer Wutrede im Düsseldorfer Landtag an. Grund war der Zwischenruf von Landtagsneuling Volker Münchow. Der schwieg erst, verteidigt sich aber nun.
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Bei einer Rede von Christian Lindner vor dem nordrhein-westfälischen Landtag hat der FDP-Parteivorsitzende zu einer wahren Wutrede angesetzt. Anlass war ein Zwischenruf eines SPD-Abgeordneten. Er habe ja wohl „Erfahrung mit der Gründerkultur“ hatte der SPD-Mann Volker Münchow ihm zugerufen, während Lindner am Rednerpult stand. Es war eine hämische Anspielung auf Lindners einstiges Scheitern mit seinem Unternehmen während der New Economy.

Lindner, als guter Redner bekannt, nahm den Zwischenruf auf mit den Worten: „Ah, das ist ja interessant“ und wusch dem SPD-Hinterbänkler gehörig den Kopf. SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hatte zuvor in der Regierungserklärung gesagt, man solle Scheitern von Pionieren nicht ein Leben lang biographisch als Stigma verwenden.

„Da haben Sie einen, Frau Ministerpräsidentin“, sagte Lindner, auf Münchow, Fraktionsgeschäftsführer der SPD und Landtagsneuling, deutend. „Da haben Sie einen in Ihren eigenen Reihen, der nicht zuhört, was Sie machen.“ Genau das sei der Grund, warum junge Menschen heute lieber in den öffentlichen Dienst treten würden, statt sich zu gründen.

„Wenn man Erfolg hat, gerät man in das Visier der sozialdemokratischen Umverteiler und wenn man scheitert, ist man sich Spott und Häme sicher“, schimpfte Lindner. Er redete sich weiter in Rage und teilte ordentlich aus: „Sie haben im Grunde die ganze Regierungserklärung ihrer Ministerpräsidentin durch Ihren dämlichen Zwischenruf zur Makulatur gemacht. Bei dem Kollegen, der jetzt hier im Land zum ersten Mal in Erscheinung tritt, können Sie sich bedanken, Frau Ministerpräsidentin.“

Es seien meistens solche Sozialdemokraten, die solche Kritik äußerten, die das ganze Leben im Staat gearbeitet oder vom Staat selbst gelebt hätten, die anderen unternehmerisches Engagement vorwerfen würden.

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  • Bei Ihrem letzten Absatz gebe ich Ihnen Recht. Ich würde hier auch kein Loblied auf den neuen FDP-Vorsitzenden anstimmen, der aufgrund seiner rhetorischen Fähigkeiten in jeder anderen Partei sicher beste Karriere-Chancen hätte.
    Aber daran, dass er seinerzeit die Fördermittel eingestrichen hat, kann ich nach wie vor nichts Verwerfliches finden. Wenn der Staat nunmal die Spendierhosen anhat, warum sollte man dann nicht beherzt zugreifen?
    Zumal die Beträge, von denen hier die Rede ist, im Vergleich zu anderen staatlichen Wohltaten, wie etwa den "Rettungspaketen" im Verhältnis überhaupt nicht mehr darstellbar sind.

  • Jeder hat eine 2. Chance verdient, nur:
    War der FDP Vorsitzende Lindner tatsächlich ein innovativer, wagemutiger Unternehmensgründer, wie uns der stellvertretene Chefredakteur der Welt, Ulf Poschhardt, weismachen will?

    Im Jahre 2000 gründeten Lindner und seine zwei Partner im Mai 2000 die Internetfirma Moomax, eine GmbH mit einem Haftungskapital von 30.000 € .

    Ein überschaubares Risiko für die drei Firmengründer im Falle einer Insolvenz.

    Die drei Firmengründer betätigten sich als Geschäftsführer der Moomax GmbH.

    Als Anschubfinanzierung nahmen sie Kredite in Höhe von 2 Millionen € von einer Wagnisgesellschaft auf, die wiederum einen öffentlichen Förderkredit in Höhe von 1.400.000 € aus öffentlichen Mitteln der Kreditanstalt für Wiederaufbau erhielt.

    Der Kredit aus öffentlicher Hand i. H. Von 1.400.000 € musste im Fall der Insolvenz nicht zurückgezahlt werden.

    Lindner war von 2000 bis 2001 Geschäftsführer der Moomax und verließ nach einem Jahr das Unternehmen, das kurze Zeit später (!) Insolvenz anmeldete.

    Seine Beteiligung am Unternehmen hatte er zu diesem Zeitpunkt durch die stetig wachsende Beteiligung durch andere Kapitalgeber auf einen Anteil von 8 % reduziert

    Der besonders innovative, wagemutige Jungunternehmer Lindner haftete zum Zeitpunkt der Insolvenz gerade noch mit 2.400 €, (8% von 30.000€).

    Die Recherche der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kommt zu dem Ergebnis, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der 2 Millionen Euro als Gehälter an die drei Moomax-Geschäftsführer – darunter auch der besonders innovative, wagemutige Jungunternehmer Lindner – geflossen sein müsse. (Quelle: Wikipedia).

    Alleine die dummen Steuerzahler verloren 1.400.000 € – dank der ungesicherten Kreditvergabe der KfW via Wagnisgesellschaft an die innovativen, wagemutigen Jungunternehmer Lindner und Konsorten.

    Man fragt sich bei der Sachlage schon, warum Ulf Poschhardt so viel Verständnis für den „wagemutigen“ und „risikobereiten“ Lindner – dem Hoffnungsträger der FDP – zeigt.

  • ..."Genau das sei der Grund, warum junge Menschen heute lieber in den öffentlichen Dienst treten würden, statt sich zu gründen. ..." Wieso unterstellt man etwas einer Klientel (der Jugend) etwas, die sich selber erst gründen muss? Ich unterstelle jetzt mal dem Verleger, dass er Jugendliche Berichte schreiben lässt, die des Deutschen nicht mächtig sind. Ist der Autor und der CvD älter als 35 oder 45, dürfen wir doch alle zustimmen, dass auch ältere Menschen Fehler machen - und ist er / sie jünger, dann entschuldigen wir das natürlich, denn das Handelsblatt ist Öffentlicher Dienst.

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