Linken-Politikerin Agenda 2010 brachte nicht mehr Arbeit

Zum Jahrestag der Agenda 2010 hagelt es Lob und Kritik. Die Linke hat beim Arbeitsministerium nachgefragt: Haben die Arbeitsmarktreformen mehr Beschäftigung gebracht? Die Antwort gibt Anlass zur Kritik.
Update: 14.03.2013 - 02:30 Uhr 13 Kommentare
Wie hat die Agenda 2010 die Zahl der Arbeitsstunden in Deutschland verändert? Quelle: dpa

Wie hat die Agenda 2010 die Zahl der Arbeitsstunden in Deutschland verändert?

(Foto: dpa)

BerlinDie Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 haben nach einem Zeitungsbericht nicht mehr Beschäftigung gebracht. Die Zahl der Arbeitsstunden lag im vergangenen Jahr bei 58,1 Milliarden und damit 0,3 Prozent höher als 2000, wie die „Berliner Zeitung“ aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken zitierte.

Im gleichen Zeitraum habe die Zahl der Erwerbstätigen um 3,3 Millionen auf 39,9 Millionen zugenommen. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann, sieht damit die Kritik ihrer Partei an den Arbeitsmarktreformen bestätigt.

„Das angebliche Jobwunder der Agenda-Politik ist ein Scheinwunder. Es beruht auf der massiven Umverteilung sicherer Vollzeitjobs in viele kleine, prekäre Billigjobs“, sagte Zimmermann der Zeitung.

Mit den Hartz-Reformen im Zuge der „Agenda 2010“ wurde der Arbeitsmarkt flexibilisiert. Arbeitslosen- und Sozialhilfe wurden zusammengelegt. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte die Agenda bei einer Bundestagrede am 14. März 2003 vorgestellt.

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13 Kommentare zu "Linken-Politikerin: „Das angebliche Jobwunder der Agenda-Politik ist ein Scheinwunder“"

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  • (...)
    -> Basta, so ist das! Wenn man die Fakten nicht kapiert oder nicht sehen will, wird man blöd. (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • @paul.banaschak
    Genau auf diesem Niveau bewegen sich viele Bürger in Deutschland. Sie bewerten die Qualität der Botschaft nicht anhand ihres Inhalts, sondern anhand des Überbringers. Und wenn dieser in der Gesellschaft erfolgreich diffamiert wurde, dann denkt man auch nicht über dessen Botschaften nach. Nur mal paar Beispiele:

    Als damals die Deregulierung im Finanzwesen begonnen hat (Aufweichung der Eigenkapitalqoute und Sicherheiten, fragwürdigen Finanzprodukte, usw.) war es Die LINKE, die als Einziges auf die negativen Folgen (welche von unabhängigen Studien aus USA bekannt waren, aber im Mainstream nicht thematisiert wurden) hingewiesen haben und ja dann auch mit dem Platzen der Blasen Recht behielten.

    Als Agenda 2010 gestartet wurde und besonders die Deregulierng des Arbeitsmarktes war es nur Die LINKE, die sofort auf Probleme wie Niedriglohnbereich (und somit geschwächter Binnenmarkt), (Alters-)Armut, prekäre Beschäftigung (Zeit, Leiharbeit), usw. hingewiesen haben und das dies die Gesellschaft auseinander reißebn wird (Schere arm/reich wird grösser).

    Das sind jetzt grad mal zwei von 100 Beispielen (siehe z.B. Nachdenkseiten), wo Die LINKE immer wieder mit ihren Einschätzungen und Thesen in Zukunft recht behalten sollten. Und dennoch, obwohl sie die einzigen sind, die fast immer die richtigen Konsequenzen benennen, wird Ihnen die grösste Inkompetenz zugesprochen.

    ABER, und das möchte ich nicht unerwähnt lassen. Ich finde nur die Analysen der Partei Die LINKE korrekt. Die Lösungsvorschläge sind oft nur "Kapitalismus light" und zögern die Probleme nur hinaus, lösen sie aber nicht.

  • Da sieht man mal wieder, daß LINKE außer Polemik gar nix kann und weiß. Wer geht auch schon zur Links-Partei? Nur einer der für sonst gar nix brauchbar ist.
    Man nehme eine beliebige Zahl, interpretiere sie im eigenen Interesse, und schon hat man sein Thema!
    Wenn die Zahl stimmt, daß die Arbeitsstunden nicht zugenommen haben, diese Arbeit aber auf mehr Personen verteilt wurde, dann ist das doch sozial! Die bisher Überstunden machen mussten, haben mehr Zeit für sich, andere wieder einen Job.Ich finde das sehr in Ordnung.

  • @Der_Meister
    Sie haben meine Zustimmung. Ein Satz zur Ergänzung:
    Es spricht für die gute Lobbyarbeit der Arbeitgeber und deren Vasallen, daß man erst nach Jahren in der Politik darüber spricht.

  • Nehme ich dann mal wieder die 4 Grundrechenarten zur Hilfe.
    Die Zahl der Arbeitsstunden hat sich nicht wirklich erhöht. Es gibt also garnicht mehr Arbeit, deswegen muß(te) die Arbeit auf Diejenigen verteilt werden, die im Land Arbeit zum Leben brauchen. Ein gewerkschaftliche Forderung schon seit Jahrzehnten. Nur wollte diese das bei vollem Lohnausgleich, Maschinensteuer, etc. Also skip it, war wohl nicht mit einer sich selbst nennenden Arbeitnehmerpartei durchzusetzen. Den vollen "Lohnausgleich" haben dann die entstandenen Minijobs durch Aufstockung bekommen, also aus Steuertöpfen.
    Anstatt so ein hirnrissiges Konzept nun auch wenigstens zeitlich begrenzt zu besetzen, wird abgewartet bis auch die bisherige Mittelschicht verarmt und angearbeitetes Vermögen aufgebraucht ist (und diese Regelung war schlicht unnötig, schließlich haben Arbeitnehmer jahrelange Arbeitslosengeld eingezahlt und der Hauptpreis war/ist Altersarmut, da haben viele gewonnen. Hurra!
    Nun kann man ja eigentlich nicht davon ausgehen, das die Arbeitsstunden sich erhöhen, im Gegenteil. Wie soll das bitte in Zukunft aussehen? Wird die Arbeit weiter exportiert?
    Dazu noch, in den anderen EU-Ländern kann man sehen wohin das führt, wenn der Bodensatz erreicht ist und schlicht keine Arbeit mehr da ist oder geschaffen werden kann, weil eine Kaste mit sich selbst beschäftigt ist, lieber Zinssätze manipuliert, kleine Leute in die Konsumfalle treibt, und sich fett und bequem in EU-Hauptstätten mit fast offziellen Lobbybüros und ihre Gesetze bestellt.
    Wer da nicht lieber gleich im Bett bleibt, muß ein Masochist sein, oder ein Rebell.
    Klassenziel verfehlt, 6, setzen!

  • Flexibilisierung heisst nichts anderes als Lohndrückerei bei gleichzeitiger Rund-um-die-Uhr Verfügbarkeit. Das ist ungefähr so absurd wie der Anspruch des Dinosauriers auf flinke Gazellenbeine, damit er schneller flüchten kann.
    Kohls Aussitzphilosophie hat die gesamte Politik erfasst; die eigene Trägheit ist der Markenkern, alt, denkfaul und degeneriert und nun will man es sich auf dem Buckel der Lohnsklaven bequem machen.

    Es werden seit Jahr und Tag keine Probleme gelöst, nur in die Zukunft verschoben. Das gesamte System ist so verkrustet wie eine alte Eiterborke und wird an seiner Last zusammenbrechen wie die Sowjetunion. Oder der Dinosaurier.




  • "Die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 haben nach einem Zeitungsbericht nicht mehr Beschäftigung gebracht. Die Zahl der Arbeitsstunden lag im vergangenen Jahr bei 58,1 Milliarden und damit 0,3 Prozent höher als 2000, wie die „Berliner Zeitung“ aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken zitierte. "

    Hier macht es sich die Linke wohl etwas einfach. Dass die Zahl der in Deutschland geleisteten Arbeitsstunden im Zuge der Globalisierung nicht gesunken ist, wie in anderen Ländern Europas, ist nicht selbstverständlich und kann schon ein Erfolg sein (da das Thema komplex ist, muss es das nicht zwangsläufig). Womit die Linke sicher Recht hat, ist die immer weitere Zunahme von leistungslosen Einkommen aus Eigentum/Kapital auf Kosten der Arbeitseinkommen. Das ist Kapital-Feudalismus und der Geldadel muss aufpassen, dass sein Festhalten an unverdienten Privilegien nicht langfristig in eine Sackgasse führt und es ihm dann ergeht wie dem guten alten z.B. französischen Adel...

  • „Das angebliche Jobwunder der Agenda-Politik ist ein Scheinwunder“
    ________________________

    Die Linke glänzt mit Einsichten, die auch in Oehmichens Augsburger Puppenkiste den Konservativen nicht eben neu sind.
    Je kurzatmiger Märkte wirken, umso eher könnten langfristige Perspektiven, die mit Globalisierung eben auch verbunden sind aus dem Auge geraten: dieser Logik zufolge konkurriert der europäische MA durchaus mit Tagelöhnern in China, Indien und anderswo.
    Weltweit bewegt sich, nur als ein Beispiel, das Lohngefälle dabei zwischen diskutierten 8,00 Euro/Std Mindestlohn hierzulande und 60 Eurocents/Std anderswo.
    Dass ein Großteil hierzulande "vorgefundener" Preisniveaus nichtzuletzt auf Tagelöhnerarbeit in der dritten Welt basiert kann da schonmal in Vergessenheit geraten.
    So etwas wird bei der Ausmachung von "Gerechtigkeitslücken" mit Qualitäten zu Gerechtigkeitsleeren entweder vergessen oder unterschlagen.

    Wie programmatisch schwach viele Linke Positionen bereits beim ersten Überfliegen zwangsläufig wirken müssen liegt auf der Hand: Sich von chinesischen Tagelöhnern die schöne neue Informations-, Kleidungs- und sonstwaswelt zusammenbuckeln lassen, um hernach fast schon im kolonial wirkenden Duktus beim Kleiderdiscounter ansehen zu müssen wie weit es mit der Solidarität von lohnabhängigen weltweit bestellt zu sein scheint: das kann kein Witz sein.

    Natürlich zeugt das "Jobwunder" in Deutschland nachgeradezu von einem common sense, der an Witz grenzt: indes man sucht bei "Die Linke" vergeblich nach einer Perspektive, die mehr zu vermitteln mag als lediglich Hochnäsigkeit in fast schon postkolonial wirkender Manier.

    Zu ernst sind die Probleme, als dass man ihnen mit wohlfeilen Reden und Meinungen etwas entgegenzusetzen hätte.




  • Die Leiharbeit wird wegen niedriger Löhne verteufelt, worüber aber niemand redet ist die Tatsache, das Leiharbeit nicht nur schlecht bezahlt wird, sonder auch keine wirklichen Vollzeitstellen her gibt. In diesem Bereich werden vermehrt 20 Stunden Stellen angeboten, wovon erst recht niemand leben kann. Bei einer 40 Stunden Woche mit 8,19 Euro pro Stunde kann man ja noch irgendwie vor sich hin vegetieren, bei weniger Stunden geht es eben nicht.

    Und zu den Aufstockern: Wie viele Menschen gibt es denn, die gar nicht aufstocken können, weil sie vielleicht irgendwann einmal Wohneigentum erwerben konnten oder einen etwas besser verdienenden Lebensgefährten haben? Beim Zahlen an den Staat ist jeder für sich allein verantwortlich, bei der Berechtigung zum Leistungsempfang werden dritte heran gezogen.

    Und für die Entlohnung unserer "ReGIERungselite" werden alle enteignet!

  • steht seit jahren in den NACHDENKSEITEN.DE

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