Linker Politiker
Letta zum italienischen Regierungschef ernannt

Der neue Regierungschef Italiens ist der linke Politiker Enrico Letta. Er ist kein Charismatiker, der Wahlen gewinnen kann. Doch als Pragmatiker kann er bei Parlamentsdebatten punkten.
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MailandUnter den gegebenen Umständen ist Enrico Letta eine gute Wahl. Statt des 75-jährigen Giuliano Amato wird nun der scheidende Vize-Vorsitzende der Mitte-Links-Partei PD der nächste Regierungschef Italiens. Mit dem 46-Jährigen kann auch Silvio Berlusconis Partei PDL leben. Und die PD verbrennt nicht ihren wirklichen Hoffnungsträger: Matteo Renzi.

Staatspräsidenten Giorgio Napolitano beauftragte Letta mit der Bildung einer neuen Regierung. Er muss nun versuchen, den seit der Parlamentswahl vor zwei Monaten andauernden politischen Stillstand im Land zu beenden.

Enrico Letta ist kein Charismatiker, der Wahlen gewinnen kann. Aber Enrico Letta ist ein Pragmatiker, der Parlamentsdebatten für sich entscheiden kann. Der Neffe von Berlusconis rechter Hand Gianni Letta hat die Politik schon mit der Muttermilch aufgesogen. In Fernseh-Talkshows ist er geschult. Das römische Haifischbecken macht ihm keine Angst.

Mit seinen 46 Jahren senkt Letta zwar den Altersdurchschnitt der Entscheidungsträger in Rom. Aber Erfahrung hat der Politiker dennoch aufzuweisen: Unter Romano Prodi war er zwischen 2006 und 2008 Staatssekretär. In der Vergangenheit hat er bereits die Ministerposten für EU-Fragen und für Industrie innegehabt. Wirtschaftlich ist Letta sozial, aber liberal orientiert. Liberalisierungen steht er offen entgegen.

Zu seinen Gesetzesvorschlägen gehört der, die lebenslange Rente für Parlamentarier abzuschaffen. Das hat Letta schon 2008 vorgeschlagen, als der Blogger Beppe Grillo noch weit davon entfernt war, in die Politik gegangen ist.

Mit Letta kann auch Europa leben. Jetzt muss sich zeigen, ob Letta mit Italien und dessen Parlament leben kann. Er muss eine schwierige Koalition aus PD, PDL und Mario Monti zusammenhalten kann. Das hängt vor allem davon ab, wie stark ihm Berlusconi Steine in den Weg legt.

Für die Partei PD ist Letta eine gute Nachricht. Sie hat zwar einen eigenen Kandidaten an der Regierung. Aber sie verbrennt nicht den Hoffnungsträger Matteo Renzi. Der Florentiner Bürgermeister kann dann bei möglichen Neuwahlen als frisches Gesicht kandidieren.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Linker Politiker: Letta zum italienischen Regierungschef ernannt "

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  • Liebe Frau Kort,

    der Artikel liest sich doch etwas rumpelig:

    "Das hat Letta schon 2008 vorgeschlagen, als der Blogger Beppe Grillo noch weit davon entfernt war, in die Politik gegangen ist."

    "Er muss eine schwierige Koalition aus PD, PDL und Mario Monti zusammenhalten kann."

    "Liberalisierungen steht er offen entgegen."
    Das war wohl sicher nicht so gemeint?


    "Er muss eine schwierige Koalition aus PD, PDL und Mario Monti zusammenhalten kann."

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