Linker Unionsflügel stimmt der SPD zu
SPD leugnet «Heuschrecken»-Papier

Die SPD will kein «Heuschrecken»-Papier verfasst haben. Eine Liste mit Unternehmen gibt es aber doch. Der linke Flügel der Union schließt sich unterdessen der Kapitalismuskritik von SPD-Chef Müntefering an.

HB BERLIN. Die SPD will von einem «Heuschrecken»-Papier nichts wissen, das angeblich die Namen jener Firmen nennt, denen vorgeworfen wird, zum Schaden der Mitarbeiter nur an kurzfristiger Rendite interessiert zu sein. Jene Medien, die über ein solches Papier berichteten, schrieben lediglich von «Welt», «Stern» sowie von «Berliner Zeitung» und anderen Blättern ab, sagte Fraktionssprecher Matthias Will der Nachrichtenagentur dpa. «Die SPD-Bundetagsfraktion erstellt keine Unternehmenslisten und macht dazu keine eigenen Recherchen», betonte der Sprecher.

Ein Papier gibt es aber doch, räumte Will ein. Dabei handle es sich aber lediglich um eine «sachliche Dokumentation von Beispielen», die bereits in Medien veröffentlicht worden seien. In dem von Medien zitierten Papier sind Finanzinvestoren genannt, die sich mit Eigenkapital an deutschen Firmen beteiligt haben. Die Unternehmen stammen mehrheitlich aus den USA und zerlegten angeblich deutsche Firmen, um anschließend Teile davon mit hohem Gewinn weiterzuverkaufen. SPD-Chef Franz Müntefering hatte jene Investoren mit «Heuschrecken» verglichen und deren Manager als «asozial» und «marktradikal» bezeichnet.

Der linke Flügel der Union pflichtet unterdessen dem SPD-Chef bei. «Die Fragen, die Müntefering stellt, sind ja nicht alle falsch», sagte Gerald Weiß, der Chef des Arbeitnehmerflügels in der Union (CDA), der «Berliner Zeitung» vom Wochenende. «Ein Missstand ist die zu kurzfristige Orientierung von Unternehmensentscheidungen, um Anleger und Spekulanten zu bedienen».

Die kurzfristige Rendite sei zum «goldenen Kalb» geworden, fügte Weiß hinzu und beklagte, dass Manager alles versuchten, um den Börsenkurs kurzfristig zu maximieren. Wichtiger sei es langfristig, «Menschen, die gut ausgebildet sind, im Unternehmen zu halten, sie zu motivieren, innovativ zu sein, auch Investitionen zu tätigen, die sich sofort auszahlen», sagte Weiß weiter.

Der CDU-Politiker schlug vor, Beschäftigte zu Mitunternehmern zu machen und die Beteiligung am Betrieb als Altersvorsorge stärker zu fördern. «Wenn die Arbeitnehmer Mitunternehmer werden (…), führt das dazu, dass sich die Unternehmen längerfristig orientieren».

Ähnlich äußerte sich auch der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler im Interview mit der «Tageszeitung». Langfristig orientierte Anleger müssten ein stärkeres Gewicht auf den Aktionärsversammlungen haben, sagte Geißler. «Momentan gilt: eine Aktie, eine Stimme. Das kommt den Fondsgesellschaften entgegen, die nur die schnelle und hohe Rendite sehen wollen», betonte er.

Geißler schlug die Einführung einer Spekulationssteuer vor und forderte, wie Weiß, die Entkopplung von Managergehältern an den Börsenkurs. Außerdem verlangte er eine antizyklische Konjunkturpolitik. «Wir brauchen eine nachfrageorientierte Politik. Die Menschen (…) müssen mehr Geld in der Tasche haben und wieder Mut bekommen. Wenn die Menschen Angst haben vor der Zukunft geben sie auch kein Geld mehr aus.»

Hubertus Schmoldt, Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie warnte hingegen vor einem Systemwechsel. «Einen so genannten dritten Weg gibt es nicht, den haben wir lange genug vergeblich gesucht», sagte er der «Welt am Sonntag».

Schmoldt appellierte zwar an die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen, zeigte sich dabei aber verständnisvoll: «Natürlich muss jedes Unternehmen wettbewerbsfähig sein, nur so kann es Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen.» Wenn es aber Ziel eines Unternehmens sei, 18 oder 25 Prozent Kapitalrendite zu erzielen, habe das nichts mehr mit Wettbewerbsfähigkeit zu tun. Neue Gesetze, die beispielsweise Managergehälter mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen verknüpft, lehnte er indes ab.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%