Linkspartei
Jetzt macht's Lafontaine wieder selbst

Nach dem NRW-Wahldesaster seiner Partei spricht Oskar Lafontaine öffentlich über eine Rückkehr an die Spitze der Linkspartei. Doch der Rückhalt für den Ex-Chef ist nicht überall stark: Im Osten gibt es Widersacher.
  • 5

BerlinDer frühere Linke-Vorsitzende Oskar Lafontaine hat erstmals öffentlich seine Bereitschaft zu einer Rückkehr an die Parteispitze signalisiert. Ob er tatsächlich seinen Hut in den Ring wirft, macht der 69-jährige Saarländer aber vom Verlauf einer Sitzung des geschäftsführenden Bundesvorstands und der Landesparteichefs an diesem Dienstag abhängig. „Ich werde mir zuerst anhören, was die anderen sagen“, sagte er am Montag nach dem Wahldesaster in Nordrhein-Westfalen im Deutschlandradio Kultur. „Es kann ja auch sein, dass niemand jetzt nach dieser Wahl diese Lösung für richtig hält, sondern andere Lösungen befürwortet werden.“

Linke-Parteichef Klaus Ernst hat sich dafür ausgesprochen, dass Oskar Lafontaine ihn an der Parteispitze ablöst. Ernst sagte am Montag in Berlin, er sei „selbstverständlich“ für eine Kandidatur des saarländischen Fraktionschefs beim Parteitag Anfang Juni in Göttingen.

Zuvor hatte der 69-jährige Lafontaine seine grundsätzliche Bereitschaft zur Rückkehr an die Parteispitze erklärt. Er will aber den Verlauf einer gemeinsamen Sitzung von geschäftsführendem Bundesvorstand und Landeschefs an diesem Dienstag abwarten.

Ernst machte deutlich, dass Lafontaine nur kandidieren wird, wenn sich in dieser Sitzung eine Mehrheit für den Saarländer abzeichnet. Einziger Kandidat für den Parteivorsitz ist bisher der stellvertretende Fraktionschef Dietmar Bartsch. Eine Kandidatur von Ernst kommt jetzt nur noch für den Fall in Frage, dass Lafontaine verzichtet. In einigen ostdeutschen Landesverbänden der Linkspartei gibt es starke Vorbehalte gegen Lafontaine.

Am Montagvormittag kommt zunächst der geschäftsführende Vorstand der Linken zusammen, um über das Wahlergebnis in NRW zu beraten. Anschließend treffen sich die Landesvorsitzenden zu Beratungen.

In der ostdeutschen Linken formiert sich hingegen der Widerstand gegen Lafontaine. Der Landesfraktionschef in Sachsen-Anhalt, Wulf Gallert, sprach sich in der „Mitteldeutschen Zeitung“ offen gegen ein Comeback des Gründungsvaters der Linken aus. Zuvor hatten bereits der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern und thüringische Kommunalpolitiker für den stellvertretenden Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Dietmar Bartsch, als Parteichef plädiert.

Bartsch ist bisher der einzige Kandidat für die Doppelspitze aus einem Mann und einer Frau. Er hatte sich bereits im November vergangenen Jahres bereit erklärt, einen der beiden Führungsposten zu übernehmen. Nach dem Ausscheiden der Linken aus dem Landtag in Nordrhein-Westfalen bekräftigte Bartsch am Sonntagabend: „Meine Kandidatur steht.“ Der derzeitige Parteivorsitzende Klaus Ernst hat sich noch nicht entschieden, ob er erneut antreten wird. Es gilt als sicher, dass er verzichtet, wenn Lafontaine kandidieren sollte.

Seite 1:

Jetzt macht's Lafontaine wieder selbst

Seite 2:

Kritik an der Personaldebatte

Kommentare zu " Linkspartei: Jetzt macht's Lafontaine wieder selbst"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das kann man so sehen. Ich habe den Link auch von anderer Seite übernommen.

    Der Link kommt einem selbst zu den Ohren heraus, aber es sollte dem letzten Wähler klar werden, was hier abgeht. Wenn er nicht verstehen sollte, dann sollte es ihm wenigstens so auf den Nerv gehen, dass er wenigstens davon gehört hat und nicht den Unwissenden spielen kann.

    Verstehe es Sie recht, wenn ich mit dem Ohrwurm aufhören kann und Sie an meiner statt, weiter darauf hinweisen.

    Danke!!!

  • @ Mazi,
    das meiste Wahlvolk schein auch in Bezug auf den Inhalt und der Kosequenz des Links immun zu sein.

  • Lafontaine braucht sich nur dem Thema ESM-Vertrag zu nähern, ist alles gelaufen und er treibt alle Parteien wie eine "Sau durch's Dorf".

    Unerklärlich ist nur, weshalb er bisher so still war. Klar, er wird antworten: "Man muss warten bis die Zeit reif ist." Und jetzt ist sie reif.

    Es gibt keinen anderen Politiker, der es besser könnte, den ESM-Vertrag als Ermächtigungsgesetz zu geiseln. Ich bin heilfroh, dass er auf der Gegenseite statt auf der Seite des ESM-Vertrages auftauchen wird.

    Hier nochmals der Link für die, die sich das Thema noch nicht so richtig angesehen haben:
    http://www.youtube.com/watch?v=r4crr-kX9zc

    10 Minuten und das Thema ist für jedermann durch!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%