Linkspartei
Lafontaine will Saar-Chef werden

Für die Partei Die Linke wird Oskar Lafontaine als Spitzenkandidat sowohl in die Landtags- als auch die Bundestagswahl ziehen. Der Chef der Bundespartei und Fraktion möchte etwas werden, was er schon einmal war: Ministerpräsident im Saarland.

HB SAARBRÜCKEN. Die Delegierten wählten Lafontaine am Samstag in Saarbrücken mit großer Mehrheit auf den ersten Platz der Landesliste für die Bundestagswahl. Von 303 abgegebenen Stimmen erhielt er 280 (rund 93 Prozent), teilte eine Sprecherin mit. Zuvor war der frühere SPD-Vorsitzende schon auf den ersten Platz der Liste für die Landtagswahl am 30. August gewählt worden. Hier erhielt er von den 363 abgegebenen Stimmen Lafontaine 341, rund 94 Prozent. Vor wenigen Wochen hatte die Partei Lafontaine bereits auf den ersten Platz der Wahlkreisliste in Saarlouis gewählt.

Der Spitzenkandidat erfreut sich großer Unterstützung in seiner Partei. "Lafontaine ist für mich das Zugpferd. Der setzt sich für soziale Gerechtigkeit ein." Für den Saarbahn-Disponenten Reiner Emrich ist es an der Zeit, dass für die armen Leute im Land etwas getan wird. Die Linken hatten auf ihrem Parteitag in der Sporthalle des ATSV Saarbrücken nahe der deutsch-französischen Grenze alles auf "ihren Oskar" zugeschnitten. Über der Bühne ein riesiges rotes Transparent mit der Aufschrift "Oskar Lafontaine - erfolgreicher und sozialer Ministerpräsident für unser Saarland", auf Plakaten die Aufforderung oskar-waehlen.de. Der Landesvorsitzende der Saar-Linken, Rolf Linsler, tönt: "Er kann's. Das will er noch mal beweisen." Und dann sagt Lafontaine das, worauf die knapp 400 Mitglieder in der Sporthalle gewartet haben. "Wir wollen eine Regierung bilden", erklärt der 65-Jährige, "ich möchte das Amt des Ministerpräsidenten hier an der Saar ohne Wenn und Aber wieder übernehmen".

Lafontaine hat seiner Partei im Saarland in den vergangenen Jahren einen kräftigen Mitgliederzuwachs beschert. Mit 3.320 Personen sind die Linken im Saarland inzwischen drittstärkste Mitgliederpartei. Letztes Jahr kam auch Reiner Emrich mit mehr als 200 Bus- und Bahnfahrern der Saarbrücker Saarbahn dazu. "Wir hatten Angst vor einer möglichen Privatisierung, vor Lohnkürzungen und Sorge um unsere Arbeitsplätze", erläutert der 47-Jährige. Auf die Frage, warum der Verdi-Betriebsrat nicht zur SPD gegangen ist, klagt er: "Die hat im Stadtrat ja auch für Pläne zur Privatisierung unseres Betriebs gestimmt." Emrich gehörte vorher keiner Partei an. In seinem Orts- und Gemeindeverband seien jetzt aber viele Ex-SPDler, die aus Unmut die Partei gewechselt hätten.

Oskar Lafontaine wirbt auf die Parteitag in Saarbrücken dafür, dass Sozialdemokraten und Linke im Saarland eng zusammenarbeiten. In der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik würden sich die Parteiprogramme ohnehin weitgehend überschneiden. Man sei auch zu einem rot-roten Bündnis im Saarland bereit, wenn die SPD bei der Landtagswahl stärker abschneide als die Linken. Aber wenn man die SPD überhole, gelte der Satz "Wer stärker ist, stellt den Ministerpräsidenten".

Derzeit liegen die Sozialdemokraten nach einer Emnid-Umfrage im Saarland mit 23 Prozent einen Prozentpunkt vor den Linken. Doch nur zusammen mit den Grünen, die mit fünf Prozent um den Einzug in den Landtag bangen müssen, ist man derzeit stärker als CDU und FDP. "Ich wünsche mir für uns zwei Prozent mehr als die SPD", hofft Saarbahner Emrich. "Und Oskar als Ministerpräsidenten". Der solle dann dafür sorgen, dass die Pläne für die Privatisierung öffentlicher Betriebe wie der Saarbahn vom Tisch kommen und alle ihre Arbeitsplätze behalten.

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