Literatur zur Krisenbewältigung
Polemik gegen Banker

Krisenbewältigungsbücher haben weiter Konjunktur, doch nun wird die Kritik an Bankern und Politikern polemisch: Edzard Reuter und Gertrud Höhler machen es vor. Was ihre neuen Bücher zu bieten haben.
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DÜSSELDORF. Ethische oder moralische Bedenken gehörten längst in den Mülleimer einer vergangenen Zeit“, schreibt Edzard Reuter mit Blick auf die Stimmung vor der Finanzkrise. Und Gertrud Höhler urteilt: „Stärkstes Merkmal der Krise ist die Massenflucht aus der Verantwortung.“

Beide, der langjährige Daimler-Chef und die Unternehmensberaterin und Publizistin, haben sich in die Reihe der Autoren eingereiht, die die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen auf Deutschland zu analysieren versuchen. Ein Prozess der Aufarbeitung und Bewältigung, der noch lange nicht abgeschlossen ist, während viele mit Blick auf die Gewinne der Banken rufen, dass das Kasino schon wieder eröffnet sei.

Doch diese beiden Neuerscheinungen fallen aus dem Rahmen. Beide Bücher sind in unerhört scharfem Ton verfasst, dreschen auf die Verantwortlichen ein und fordern ein Umdenken in der Gesellschaft. Edzard Reuter hat bei seiner „Stunde der Heuchler – Wie Manager und Politiker uns zum Narren halten“ sogar noch „Eine Polemik“ auf das Cover drucken lassen.

Und Gertrud Höhler bleibt in „Götzendämmerung – Die Geldreligion frisst ihre Kinder“ dem Duktus des Titels treu und spart nicht mit deutlichen Worten. Eine Kostprobe: „Alle Fesselungsideen für die Finanzwirtschaft, die von den demaskierten Eliten nun vorgebracht werden, tragen auch den Stempel der Rache, die politische Mitläufer in den Aufsichtsgremien und hochstapelnde verhinderte Bankgenies nun üben wollen.“

Polemik teilt gegen Banker aus

Auf der Anklagebank sitzen vor allem die Banker. Edzard Reuter prangert „die Heuchelei“ an, „der geneigten Kundschaft erfolgreich vorzuspiegeln, dass man in einer unverändert seriösen Branche Verantwortung für das Wohlergehen derjenigen trage, die einem ihr Geld anvertrauen“. Auch das Ziel von Josef Ackermann, dem Chef der Deutschen Bank, 25 Prozent Eigenkapitalrendite zu erzielen, ist ihm bissige Bemerkungen wert.

Auf diese Weise solle der Aktionär schon in vier Jahren seinen Einsatz zurückbekommen, rechnet er vor, ohne freilich zu berücksichtigen, dass Ackermann die Vorsteuerrendite meint. Prominenten Vorgängern von Ackermann wie Hermann Josef Abs oder Alfred Herrhausen wäre es nach Reuters Meinung „im Traum nicht eingefallen“, derartige Ziele als „sozusagen naturgesetzlich vorgegebene Marktzwänge hinzunehmen“.

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