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Merkel lobt Rettungsplan

Zur Rettung Griechenlands steuern die Euro-Länder auf ein neues Hilfspaket mit erstmaliger Beteiligung von Banken und Versicherungen zu. Die wichtigsten Aussagen und Ergebnisse im Handelsblatt-Liveticker.
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Brüssel+++ 0:53 Uhr, 22. Juli 2011 +++

Banken und Versicherungen sehen ihren freiwilligen Beitrag an dem neuen Hilfspaket für Griechenland als Opfer. „Ja, das trifft uns hart“, sagte Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann am Donnerstagabend am Rande des Euro-Krisengipfels in Brüssel in einem Interview des ZDF. Ackermann hatte als Vorsitzender des internationalen Bankenverbands IIF an dem Treffen teilgenommen. Die Abschreibungen, die die Banken auf griechische Positionen vornehmen, belaufen sich nach seinen Worten auf 21 Prozent.

Der Bankchef sprach von einem guten Kompromiss zwischen den Interessen Griechenlands, des Steuerzahlers und der Investoren. Dies reduziere die Gefahr einer Ausbreitung der Schuldenkrise auf weitere Länder: „Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass wir einen ganz wichtigen Schritt gemacht haben, indem wir eine gute Lösung für Griechenland gefunden haben“, sagte Ackermann. „Damit sollte das griechische Problem gelöst sein.“

+++ 22:25 Uhr +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Hilfspaket als wichtige Entscheidung für die Zukunft ganz Europas gelobt. „Der Tag heute bedeutet für die Menschen in Deutschland ein Mehr an Sicherheit für unsere gemeinsame Währung und damit auch eine Grundlage für unser Wirtschaften, aber auch für den Wohlstand insgesamt“, sagte die Kanzlerin. Der Euro sei mehr als nur eine Währung, er sei ein „Ausdruck großer Verbundenheit“ in Europa. Zu den Chancen und Risiken der für die Griechenland-Rettung aufgewendeten Milliarden sagte sie: „Was wir in diesen Zeiten aufwenden, bekommen wir um ein Vielfaches zurück.“

+++ 22:06 Uhr +++

Die Beteiligung des Privatsektors an dem zweiten Rettungspaket für Griechenland wird nach den Worten von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet eine Ausnahme bleiben. Trichet betonte am Donnerstag nach dem Euro-Gipfel, die Beteiligung privater Gläubiger sei freiwillig. Die Staats und Regierungschefs hätten sich dazu verpflichtet, falls nötig die griechischen Banken zu rekapitalisieren. Experten gingen jedoch nicht davon aus, dass die Gipfel-Einigung zu einem Kreditereignis in Griechenland führt, fügte er hinzu.

+++ 21:20 Uhr +++

Die privaten Gläubiger Griechenlands wollen sich im Laufe der kommenden 30 Jahre mit 135 Milliarden Euro an der Rettung Griechenlands beteiligen. Das sagte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Donnerstag nach dem Euro-Sondergipfel vor Journalisten in Brüssel. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy erklärte über seinen Twitter-Account, die Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder hätten sich auf ein Abkommen zur Rettung Griechenlands geeinigt. Zudem habe sich die Eurozone auf eine Senkung der Zinsen für Griechenland verständigt, wodurch Athen in den kommenden zehn Jahren 30 Milliarden Euro sparen werde. Um weitere 30 Milliarden Euro solle die griechische Schuldenlast durch Zinssenkungen auf Anleihen in der Hand des Privatsektors gesenkt werden, sagte Sarkozy.

+++ 21:15 Uhr +++

Das neue Hilfspaket für Griechenland wird einen Umfang von 109 Milliarden Euro haben. Das geht aus der Abschlusserklärung des Euro-Krisengipfels vom Donnerstag in Brüssel hervor. Der Beitrag der Banken wird mit 37 Milliarden Euro angegeben.

+++ 21:04 Uhr +++

Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone haben sich auf ein neues Hilfspaket für das hoch verschuldete Griechenland geeinigt. Das teilte Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy nach einem Euro-Sondergipfel am
Donnerstag in Brüssel.

+++ 20:32 Uhr +++

Spanien stemmt sich mit aller Macht gegen seine Staatsverschuldung. Das Parlament in Madrid verabschiedete am Tag des EU-Gipfels eine Reform des Sozialversicherungssystems, mit der das gesetzliche Rentenalter ab 2013 auf 67 Jahre angehoben wird. Für den Vorruhestand gilt ein Mindestalter von 63 Jahren und eine Beitragszeit von 33 Jahren. Von den Oppositionsparteien wurde die Reform scharf kritisiert.

+++ 19:29 Uhr +++

Die Weltbank hat die Bemühungen der Euro-Länder zum Schuldenabbau Griechenlands begrüßt, zugleich aber die eigene Abstinenz in dieser Frage bekräftigt. Weltbank-Chef Robert Zoellick sagte, zahlreiche Länder außerhalb der Euro-Zone hofften auf eine Lösung für die Schuldenkrise, die zunehmend mit Risiken behaftet sei. Auch für Griechenlands Wettbewerbsfähigkeit und für das Bankensystem müsse eine Lösung gefunden werden. Es müsse ein Paket geschnürt werden, dass all diesen Fragen Rechnung trage, forderte Zoellick. Zur Begründung für die Zurückhaltung der Weltbank sagte er, diese habe seit 30 Jahren nicht in Griechenland gearbeitet. Sie konzentriere sich auf Entwicklungsländer.

+++ 19:02 Uhr +++

Bulgarien schiebt seinen Eintritt in die Euro-Zone wegen der Schuldenkrise bis auf weiteres auf. „Wir werden nicht im Herbst mit den Vorgesprächen beginnen“, sagte Finanzminister Simon Djankow in London der Nachrichtenagentur Reuters. Bulgarien wolle vor einem Beitritt wissen, „welche Chancen damit verbunden sind und welche Lasten“, sagte Djankow weiter.

+++ 18:59 Uhr +++

Der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler verlangt eine schnelle Befassung des Parlaments mit den Beschlüssen des Euro-Gipfels zur Griechenland-Krise. „Der Bundestag muss auf einer Sondersitzung über die Ergebnisse des EU-Krisengipfels beraten“, sagte Schäffler dem Berliner „Tagesspiegel“ (Freitagausgabe).

+++ 18:32 Uhr +++

Deutsche Wirtschaftswissenschaftler haben unterschiedlich auf mögliche Beschlüsse des Brüsseler Euro-Gipfels reagiert. „Gut ist, dass abzulehnende Vorschläge wie Eurobonds vom Tisch sind und dass die Staaten nicht mehr weiterwursteln oder gar Griechenland fallenlassen oder ausschließen“, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Wolfgang Franz, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitagausgabe). Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger lobte die Senkung des Zinses auf 3,5 Prozent. „Man darf von den Krisenländern nicht nur fordern, sondern man muss sie auch fördern“, sagte er. Scharfe Kritik äußerte dagegen Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. „Die Sozialisierung der Schulden in Europa geht munter weiter“, sagte er dem Blatt.

+++ 18:21 Uhr +++

Der Bund hat für seine Kredite an Griechenland bis Mitte des Jahres knapp 200 Millionen Euro an Zinsen eingenommen. Wie ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums mitteilte, sei der deutsche Kreditanteil an den Hilfen inzwischen auf 13,45 Milliarden Euro gestiegen. Bis zum 15. Juni hätten sich daraus 198 Millionen Euro an Zinsen ergeben. Insgesamt belaufen sich die europäischen Kredite für Griechenland inzwischen auf 65 Milliarden Euro.

+++ 18:04 Uhr +++

An der Wall Street profitierten die Kurse ebenfalls von der Hoffnung auf einen großen Wurf zur Lösung der Euro-Schuldenkrise. Weiterer Auftrieb kam von guten Konjunkturdaten. Der Dow-Jones-Index stand gegen 17.45 (MESZ) bei 12.680 Punkten, was einem Plus von 0,9 Prozent entsprach. Der Nasdaq-Composite verbesserte sich um 0,7 Prozent auf 2.834 Zähler.

+++ 17:54 Uhr +++

Erste Schritte zur Lösung der Euroschuldenkrise haben dem deutschen Aktienmarkt kräftig Auftrieb gegeben. Der Dax, der am Vormittag noch Verluste verbucht hatte, schloss 0,95 Prozent höher bei 7290,14 Punkten. Der MDax stieg um 0,54 Prozent auf 10 828,47 Punkte. Der TecDax gewann 0,66 Prozent auf 845,55 Punkte.

+++ 17:24 Uhr +++

Das auf dem Euro-Gipfel diskutierte Modell zur Rettung Griechenlands läuft Kreisen zufolge auf einen Abschreibungsbedarf von rund 20 Prozent bei den Banken hinaus. In Bankenkreisen und im Umfeld der
Beratungen in Brüssel wurde diese Größenordnung genannt. Je nach Ergebnis des Gipfels könne sich die Zahl aber noch ändern, hieß es.

+++ 16:41 Uhr +++

Erstmals in der dramatischen EU-Schuldenkrise will sich die Finanzbranche von sich aus an der Rettung eines Eurolandes beteiligen. Das geht aus dem Entwurf für die Abschlusserklärung des Brüsseler Eurogipfels hervor. In dem Papier heißt es: „Der Finanzsektor hat seine Bereitschaft erklärt, Griechenland auf einer freiwilligen Basis mit einer Reihe von Optionen zu unterstützen (...)“. Dazu gehört beispielsweise der Umtausch von griechischen Anleihen in neue Bonds mit längeren Laufzeiten.

+++ 16:05 Uhr +++

Die sich abzeichnende Einigung bei den Griechenlandhilfen hat die Euro-Käufer am Devisenmarkt zuversichtlich gestimmt. Der Euro stieg in einem sehr volatilen Handel bis auf ein Tageshoch von 1,4333 Dollar - im Vergleich zum Vortagesschluss legte er um mehr als einen US-Cent zu. „In Sachen Griechenland passiert endlich etwas - das wird am Devisenmarkt positiv aufgenommen“, sagte Rainer Sartoris, Volkswirt bei HSBC Trinkaus.

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