Deutschland
LKW-Maut in Österreich klappt reibungslos

Das System in Österreich hat auf am zweiten Tag nach seiner Einführung funktioniert. Das sorgt umgehend wieder für Diskussion über das Mautfiasko in Deutschland.

dpa WIEN/BERLIN. Das elektronische Lkw-Maut-System auf Österreichs Autobahnen war heute am zweiten Tag allerdings nur gering belastet. Zugleich entbrannte die Debatte über die Probleme bei der deutschen Mauttechnik neu. Während das Verkehrsministerium in Berlin den Umstieg auf das österreichische System bezweifelte, erwartet der Mautbetreiber in Österreich, dass die Satellitentechnik in Deutschland „nie und nimmer“ funktionieren werde.

„Zum Jubeln gibt es noch keinen Grund, weil der Härtetest erst ab 7. Januar bevorsteht“, sagte der Sprecher der österreichischen Autobahngesellschaft Asfinag, Marc Zimmermann, in Wien. Denn wegen der zahlreichen Feiertage und des bevorstehenden Wochenendes mit weitgehendem Lkw-Fahrverbot habe es bisher außer Reisebussen nur wenige Lastwagen auf den Autobahnen gegeben. Der Heilige-Drei-Könige- Tag (6. Januar) ist der letzte Feiertag. „Dann erwarten wir pro Tag rund zwei Mill. Maut-Transaktionen“, berichtete Zimmermann weiter.

Der Sprecher des deutschen Verkehrsministeriums sagte, ein Umstieg auf das in Österreich angewandte Mikrowellen-System sei in Deutschland nicht ohne weiteres möglich. In diesem Fall müsse es eine neue Ausschreibung geben, was mindestens 15 Monate dauere. Die in Österreich verwendete Technologie müsse nicht unbedingt in einem größeren Autobahnnetz erfolgreich sein. Bei der Ausschreibung für die deutsche Autobahn-Maut sei ein Anbieter mit dieser Technik nicht zum Zuge gekommen, weil sich sein Angebot als nicht leistungsfähig erwiesen habe.

„Das Lkw-Mautsystem in Deutschland wird nie und nimmer funktionieren, weil sich Lieferanten zusammengetan haben, die keine Erfahrung und daher keine Ahnung von der Maut haben“, formulierte der Geschäftsführer des österreichischen Maut-Betreibers „Europpass“, Peter Newole, am Freitag in Wien grundsätzliche Bedenken. Daher bewerbe sich sein Unternehmen auch weiter um den Zuschlag im Nachbarland. Dabei könnten Teile der Vorarbeiten des deutschen Konsortiums Toll Collect übernommen werden.

Das Verkehrsministerium in Berlin wies am Freitag einen Bericht der „Bild“-Zeitung zurück, in dem von Vorwürfen der Vetternwirtschaft gegen Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) die Rede ist. Die Zeitung berichtete, Stolpe habe einen der Ministeriumsberater für die Maut-Einführung zum Geschäftsführer der Gesellschaft zur Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur gemacht. Der Ministeriumssprecher nannte diese Darstellung aber falsch. Der Geschäftsführer Torsten Böger habe niemals zu dem Maut-Beratungsteam gehört.

Der Sprecher verteidigte zugleich die Beschäftigung von externen Fachleuten. Dies sei angesichts des völlig neuen und mit 17 000 Seiten überaus komplexen Maut-Vertrages unter juristischen ebenso wie unter technischen und kaufmännischen Aspekten notwendig gewesen. Wie das Ministerium schon am Mittwoch bestätigt hatte, war 1999 ein Beratervertrag mit Honoraren von insgesamt rund 15 Mill. € über fünf Jahre ausgeschrieben und an eine Gruppe von Experten vergeben worden.

Stolpe gerät wegen der Maut unterdessen weiter in die Kritik. FDP-Chef Guido Westerwelle sagte am Freitag in Berlin: „Jeder Privatmann hätte seinen Arbeitsplatz längst verloren.“ Deutschland werde zum Gespött in Europa.

Auf den 2000 Kilometer langen österreichischen Autobahnen wird die Maut an 422 Abbuchungs- und Kontrollstellen auf den Autobahnen erfasst. Mit Antennen treten sie über Mikrowellen in Kontakt mit den vorüberfahrenden Lkw, die an ihrer Windschutzscheibe eine so genannte GO-Box in der Größe einer Zigarettenschachtel montiert haben müssen. An 100 Kontrollstellen bestimmt ein Laserscanner Geschwindigkeit, Länge und Bauart des Fahrzeuges. Von vorn und von hinten wird der Lkw fotografiert.

Die Maut beträgt im Schnitt 22 Cent pro Kilometer. Jährlich sollen die 100 000 österreichischen und 300 000 ausländischen Lkw und Busse dem Staat 600 Mill. € einbringen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%