Lobbyismus in Berlin
„Hier trifft sich die Crème de la Crème des Top-Lobbyismus“

Für eine SWR-Reportage begab sich Reporter Thomas Leif auf die Spur der Lobbyisten im Berliner Regierungsviertel – mit einigen überraschenden Ergebnissen. Mittwochabend wird der Film ausgestrahlt.
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Dirk Niebel und Rheinmetall, Daniel Bahr und die Allianz, Eckart von Klaeden und Daimler, Ronald Pofalla und die Bahn: An Beispielen prominenter Politiker, die auf gut bezahlte Lobbyisten-Posten wechseln und damit an Steilvorlagen für Kritiker herrscht kein Mangel. Um zu zeigen, wie solche Lobbyisten arbeiten, ist Thomas Leif, der kritische und auch selbst umstrittene Reporter des Südwestrundfunks, mit einem kleinen Kamerateam durch Berlin gezogen.

Sein Film, den das Dritte Programm des SWR am Mittwoch um 20.15 Uhr ausstrahlt, geht investigativ zu Werke. Zum Beispiel passt Leifs kleines Team, bestehend aus ihm selbst, Kamera- und Tonmann, im Regierungsviertel den CDU-Bundestagsabgeordneten Karl Schiewerling ab.

Der sei als Referent bei einer 1.700 Euro teuren zweitägigen Schulungsveranstaltung für Lobbyisten angekündigt gewesen, hätte aber kurzfristig abgesagt. „Wir sind als Abgeordnete ja auf Beratung angewiesen“, sagt Schiewerling erst mal jovial in die Kamera.

Unnötig und problematisch, nennt es anschließend Bundestagspräsident Norbert Lammert, wenn Parlamentarier als Nebentätigkeit Lobbyisten bei Lehrgängen schulen. Leif hat ihm eine lange Liste mit solchen Referenten vorgelegt, auf der auch die Bundestags-Vizepräsidentin Edelgard Bulmahn auftaucht.

Bulmahn habe nicht für ein Interview zur Verfügung gestanden, sagt Leif im Offkommentar. Aber Veranstaltungsausrichter Hubert Koch stand zur Verfügung – und bejaht vor der Kamera mehr oder weniger die Suggestionsfrage, derzufolge Politiker bei solchen Veranstaltungen Knowhow weitergeben. „Auf einer Metaebene kommunizieren“, nennt es Koch. „Außerordentlich bedenklich“ findet wiederum der Verfassungs- und Verwaltungsrechtler Ulrich Battis Leifs Erkenntnisse.

Leif versteht es also, sein Material zu montieren. Wenn er mit der Kamera unterwegs ist, stellt er geschickt affirmative Fragen, nickt fortwährend verständnisvoll mit dem Kopf und streut manchmal ein „genau!“ ein. Hinterher ordnet er Ausschnitte aus den erhaltenen Antworten in seine per Offkommentar gesprochene, erheblich kritischere Sicht der Dinge ein. Die Methode mag zweifelhaft erscheinen, obwohl gerade Lobbyisten genau wissen müssten, was sie in Kameras sprechen. Doch es wird immer aufschlussreicher.

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Kommentare zu " Lobbyismus in Berlin: „Hier trifft sich die Crème de la Crème des Top-Lobbyismus“"

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  • @ Margrit Steer "Deutschland bräucht dringend eine Revolution"

    Geht nicht, das Betreten des Rasens ist in Deutschland verboten. ;-))

  • Wie sagte unser großer alter Politikwissenschaftler Wilhelm Hennis im Sgtern 2004
    "Diese ganze Generation ist eine Fehlbesetzzung"
    Und weiter "......mit Helmut Schmidt ging der Letzte mit Anstand"
    Er meitne damals die Rot-Grüne Koaliton, aber ich denke, das ist eben bis heute gebleiben, nur seit Merkel noch um einiges schlimmer
    Deutschland bräucht dringend eine Revolution

  • Ich würde mir wünschen, dass man öfter ein Statement von der AfD hört, was sie ANDERS gemacht hätten als die Block-Parteien in den täglichen Entscheidungen. Man muss immer einen Vergleich haben zur Orientierung. Lucke ist mir momentan zu still. Wir brauchen keine Merkel.2.0.

    Der "freie ideologisch verbotete Bereich in der Politik" muss von der AfD belegt werden - ausser Extremismus natürlich. Wofür steht sie im Gegensatz zu den Blockparteien ???

    Die AfD darf sich nicht an die "EU-Fraktion-Cameron-Leine" legen lassen und stumm sein. Gauland und Petry sollten sich auf Aussagen mit Lucke einigen und dann tagesgenau veröffentlichen in der Presse für die Bürger zu den jeweiligen Themen als Alternativen zu den Blockparteien.

    Sowas lese ich natürlich garnicht gerne:

    "...Lucke tritt, zum Ärger des ostdeutschen Trios und großer Teile der Basis, FÜR die Sanktionen gegen Russland und FÜR das Freihandelsabkommen TTIP ein. ..."

    http://www.ovb-online.de/politik/kampf-4489418.html

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