Lobbyisten-Serie (Teil 1)
Die Nebelmaschine

Die Spenden der BMW-Aktionärsfamilie Quandt an die CDU waren nur der Anfang. Nach der Wahl flüstern auch andere Lobbys wieder lauter: Der Deutsche Zigarettenverband etwa hätte gerne die neue EU-Tabakrichtlinie vom Hals.
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BerlinDer Mann gibt sich alle Mühe. „Ich bin Genuss-Raucher“, behauptet Henning Finck. Doch irgendwie fällt es schwer ihm das zu glauben, wenn man ihn schon mal mit einem Glimmstängel in der Hand gesehen hat.

Finck vertritt die Interessen von Zigarettenkonzernen wie Reemtsma („West“), British American Tobacco („Lucky Strike“) oder Japan Tobacco („Camel“). Läuft alles nach Plan, steigt der 38-Jährige bald zum Hauptgeschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbands (DZV) auf. Damit spricht er für eine Industrie, die mehr als 23,5 Milliarden Euro umsetzt. Und die nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums jedes Jahr etwa 110.000 Deutschen den Tod bringt.

Lobbyist Finck durchlebt gerade eine turbulente Zeit. Während in Berlin gut vier Wochen nach der Bundestagswahl noch immer kein Koalitionsvertrag in Sicht ist, geht in Brüssel seine wichtigste Schlacht in die entscheidende Phase: Die EU will die Tabakindustrie demnächst so streng regulieren wie noch nie. Anfang Oktober hat das Europäische Parlament über die neue Tabakproduktrichtlinie abgestimmt. Die Details des neuen Gesetzes dürften aber erst Ende des Jahres feststehen.

Klar ist schon jetzt: Die Richtlinie bringt der Zigarettenindustrie neue Einschnitte. Geht es nach der Europäischen Kommission, sind Zigarettenpackungen bald mit Warnhinweisen und Schockbildern wie schwarzen Raucherlungen oder verfaulten Zähnen übersäht.

Zusatzstoffe wie Menthol will die Kommission verbieten. Das Gesetz könnte für die Hersteller verheerende Folgen haben: In Australien etwa, wo seit 2006 Schockfotos auf Zigarettenschachteln prangen, ist der Raucheranteil von 26 auf 20 Prozent der Bevölkerung zurückgegangen.

Die Richtlinie zu bekämpfen ist daher die wichtigste Aufgabe von Tabak-Lobbyisten wie Henning Finck. Er muss Politiker davon überzeugen, sich gegen eine an sich populäre Sache zu stellen: Suchtprävention. Dafür bringt Finck, der früher für die CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft saß, eine wichtige Eigenschaft mit. Er versteht es, seinen Gegenüber zu zermürben. Selbst hartnäckige Zwischenfragen halten ihn nicht davon ab, ununterbrochen zu reden. „Lassen Sie mich diesen Punkt noch machen“, sagt er gerne.

Kommentare zu " Lobbyisten-Serie (Teil 1): Die Nebelmaschine"

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  • Wie funktioniet das? In allen Medien steht das Gleiche (ausgenommen der WDR). Die Raucherquote ist in Schweden noch deutlich niedriger als in Australien, aber schwedische Verhältnisse im Rest der EU verhindert die Tabakkontrolle, nicht die Tabakindustrie. Die Tabakindustrie verfasst immerhin keine Gesetze, Die Tabakkontrolle aber schon.

    Keiner sieht den dicken rosa Elefentanten.

  • Also, ich habe ja schon so einige voreingenommene Artikel zum Thema "Rauchen" gesehen, aber das hier ist des "Handelsblatts" nicht würdig ! Letztendlich geht es der WHO schon lange nicht mehr um "Gesundheit", sondern Entmündigung, und ein Leben nach Gesundheitsschema "F". Gleichzeitig wird die DEMOKRATIE immer weiter abgebaut. Für mich besteht die Aufgabe eines demokratischen Staates darin, dem Bürger eine FREIE Wahl zu ermöglichen. Dies ist aber stark im Abbau begriffen, und bei Fortsetzung dieses Kurses werden Menschen in 50 Jahren nur noch von dem Begriff Demokratie träumen können. Die EU-Wahl am 24.05.14 wird den Politikern in Brüssel hoffentlich die Augen öffnen, daß wir einen solchen Kurs nicht dulden ! Tabak ist und bleibt ein LEGALES Produkt, und die Maßnahmen dagegen sind ein Eingriff in die Wahlfreiheit und die freie Marktwirtschaft. Wehret den Anfängen !

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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