Lörrach: „Kommunen müssen Waffenbesitzer häufiger kontrollieren“

Lörrach
„Kommunen müssen Waffenbesitzer häufiger kontrollieren“

Der Amoklauf von Lörrach hat eine erneute Debatte um das hiesige Waffenrecht ausgelöst. Deutsche Schützenbund gegen den Vorwurf, zu leichtfertig mit Waffen unzugehen - und bekam dabei teilweise Rückendeckung aus der Politik und von der Polizei.
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DÜSSELDORF. "Ein Verbot tödlicher Sportwaffen würde keinesfalls helfen, zumal die Grenzen verwischen, denn auch Küchenmesser sind immerhin tödliche Waffen, wenn sie in falsche Hände geraten", sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, Handelsblatt Online. Die Verbots-Diskussion führe nicht weiter, man solle es den Politikern da auch nicht zu leicht machen. "Viele glauben nämlich, wenn sie Papier vollgeschrieben, also ein Gesetz gemacht haben, wären die Probleme gelöst", sagte der Gewerkschafter "Auch ein Verbot privater Aufbewahrung von Schusswaffen hilft nicht weiter, weil die Vereine sonst riesige Waffenlager einrichten müssten, damit würden die Gefahren eher vergrößert."

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU). Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Bosbach: "Ein Verbot des privaten Schusswaffenbesitzes würde die innere Sicherheit nicht erhöhen, sondern völlig neue Gefahrenquellen schaffen." Wenn rund zehn Mio. legale Waffen in Deutschland in privaten Waffenarsenalen lagerten, müssten diese mit riesigem Aufwand bewacht werden. "Dazu wären Sportschützen und Jägerschaft personell und finanziell sicher nicht in der Lage." Sofern ein Überfall auf ein solches Lager gelänge, "können sie mit den erbeuteten Waffen eine Privatarmee ausrüsten", warnte der CDU-Innenexperte.

Wendt hält eine erneute Verschärfung des Waffengesetzes auch deshalb für überflüssig, weil Deutschland bereits eines der schärfsten Waffengesetze der Welt habe. Kein Gesetz könne zudem einen 100-prozentigen Schutz bieten. "Wir können nur die Bedingungen beeinflussen, unter denen sich diese Gewalt entwickeln und entladen kann", sagte der Gewerkschaftschef. Gesetze müssten daher auch angewendet und vollstreckt werden. "In Bezug auf das Waffengesetz bedeutet dies, dass Besitzer legaler Waffen häufiger als bisher durch qualifizierte Kontrolleure der zuständigen Behörden aufgesucht und sowohl ihre persönliche Zuverlässigkeit als auch die korrekte Aufbewahrung der Waffen überprüft werden", forderte Wendt. Doch das scheitere regelmäßig an der personellen Ausstattung der Kontrollbehörden, in der Regel der Kommunen.

Gleichwohl könne niemand sagen, ob es in Lörrach gelungen wäre, auf diesem Wege den Amoklauf zu verhindern, fügte Wendt hinzu. Die Frage sei daher, "ob beispielsweise die Signale psychischer Beeinträchtigung so stark gewesen sind, dass sie die Kontrollbehörde veranlasst hätten, die Persönlichkeit der Frau untersuchen zu lassen und gegebenenfalls ihren Waffenbesitz beendet hätten".

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  • Es ist immer wieder erstaunlich, dass man versucht über die eigentlichen Ursachen hinwegzugehen.
    Die letzten Amokäufe / jüngsten Familiendramen in unserer Region (Lorch, Aalen vor wenigen Tagen) gehen immer von Personen aus, die psychisch labil waren bzw. familiäre / finanzielle Probleme hatten und teilweise in behandlung waren.
    beim Amoklauf in Winnenden wurde danach ständig auf "Killerspielen" als Ursache herumgehackt und die Tatsache dass eine Waffe verfügbar ist, beim jetztigen Amoklauf wird wieder auf der Verfügbarkeit der Waffe herumgehackt, ist doch totaler Quatsch!
    Wenn jemand eine Tat geplant hat ist zwar die Verfügbarkeit einer Waffe ein leichter Schlüssel zu der Tat, jedoch gäbe es tausend andere Möglichkeiten, die Tat auszuführen. (siehe Lorch)
    Sind wir doch mal ehrlich, wir haben aktuell ein gesellschaftliches Problem: Der Druck im ländlichen bereich durch erhöhten Stellenabbau=> Arbeitslosigkeit, zudem ein fehlender Rückhalt in der Familie, nicht in der Gesellschaft anerkannt zu werden / ausgegrenzt zu werden - DAS SiND UNSERE PRObLEME ! Aber über die sieht man hinweg!
    Ein trauriges Land.

  • Mal wieder scheint Psychopharmaka die Menschen ausrasten zu lassen! Politiker, verbietet der Pharmamafia endlich die Herstellung von diesen Drogen, die bereits millionenfach an Kinder in Deutschland verschrieben werden! RiTALiN! GiFT!
    Nicht der Waffenbesitz ist schuld. Ursache sind die Psychodrogen der Pharmamafia! Aber die Politiker haben Angst vor dem Volk, aufgrund ihrer restriktiven Gesetze und bankenskandale und wollen das Volk entwaffnen, um es mit ihren baldigen Profikillern = berufsarme, einfacher in Schach zu halten!

  • Und wenn noch ein Stunde vorher der behördenblockwart zur Kontrolle bei der Amokanwältin gewesen wäre, hätte die dann trotzdem in aller Ruhe ihre Knarre aus dem blechschrank holen und aufmunitionieren können.

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