Lösegeld angeblich zehn Millionen Dollar
US-Militär wollte deutsche Geiseln befreien

Das US-Militär hat angeblich der Bundesregierung die militärische Befreiung der beiden deutschen Ingenieure angeboten, die im Irak entführt worden waren. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes habe eine Kommandoaktion jedoch wegen des zu großen Risikos für die beiden Männer abgelehnt.

HB LEIPZIG/BERLIN. Das berichtete der „Fokus“ am Samstag laut Vorabbericht unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise. Die Ablehnung habe zu Verstimmungen auf US-Seite geführt. Die beiden Leipziger René Bräunlich (32) und Thomas Nitzschke (28) befinden sich seit Dienstag nach mehr als dreimonatiger Geiselhaft wieder in Freiheit. Die Entführer hätten sich keine 24 Stunden nach der Verschleppung der Deutschen am 24. Januar über Mittelsmänner bei deutschen Stellen gemeldet, berichtete das Magazin weiter. Der Krisenstab habe den Kontakt aber nicht halten können. Daraufhin sei die Verbindung abgerissen. Das Auswärtige Amt (AA) wollte diese Meldungen am Samstag unter Hinweis auf die Vertraulichkeit der Arbeit des Krisenstabes nicht kommentieren.

Bräunlich und Nitzschke sind seit Freitagabend wieder zu Hause bei ihren Familien. Das sagte Bräunlichs Lebensgefährtin Sindy Brost der Nachrichtenagentur dpa am Samstag und bestätigte damit einen Bericht der „Bild“-Zeitung. „Ich bin so froh, dass jetzt alles vorbei ist“, sagte Brost. „Wir wollen jetzt einfach nur unsere Ruhe.“ Die beiden Techniker wurden vom Bundeskriminalamt (BKA) wieder in ihre Heimatstadt gebracht. Unterdessen gingen die Spekulationen über eine Lösegeldzahlung weiter.

Die Prokuristin des Arbeitgebers der beiden Ex-Geiseln, Karin Berndt, sagte nach einem weiteren Gespräch mit Bräunlich, die Befragungen der beiden Männer durch das BKA würden erst in der kommenden Woche abgeschlossen. „Danach wollen sie erstmal in den Urlaub fahren, um sich richtig zu erholen“, sagte Berndt. Nitzschke sagte der „Leipziger Volkszeitung“ (Samstag): „Wir wollen so rasch wie möglich wieder in unser ganz normales Leben zurückkehren, ohne mit dem Druck einer andauernden Beobachtung durch die Öffentlichkeit zu leben.“ Die Erlebnisse während der Geiselnahme würden er und Bräunlich „unseren engsten Mitmenschen erzählen, aber nicht in einer Fernseh-Talkshow“.

Beim am Montag in der Leipziger Nikolaikirche geplanten Dankgottesdienst wollen die beiden nicht dabei sein. „Ich kann mir nicht vorstellen, jetzt gegen eine Wand von Fotografen, Kameraleuten anzurennen“, sagte Bräunlich der Zeitung. Die Mütter würden aber eine Erklärung verlesen. Von den Solidaritätsbekundungen insbesondere in Leipzig seien sie „fast umgehauen“ worden, sagte Nitzschke. „Als wir in Gefangenschaft waren, hatte ich die Befürchtung, dass wir sehr stark kritisiert werden in der Öffentlichkeit. Vor allen Dingen nach dem Fall Susanne Osthoff.“ Bräunlich ergänzte: „Wir haben angenommen, die Öffentlichkeit würde uns zerreißen, unsere Familien ständig kritisieren, dass wegen uns jetzt schon wieder so ein Entführungsfall da ist.“

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