Lohn-Debatte AfD-Chef Lucke greift Bundesbank an

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„Die kalte Progression muss weg und zwar umgehend“

Der Finanzexperte der FDP, Volker Wissing, ging ebenfalls auf Distanz zur Bundesbank. „Was ein gerechter Lohn ist, entscheiden die Tarifparteien“, sagte das Mitglied im Präsidium der Bundes-Liberalen Handelsblatt Online. Weidmann habe zwar unter geldpolitischen Aspekten sicher Recht, wenn er höhere Löhne fordere. „Trotzdem müssen diese auch der wirtschaftlichen Realität in den Betrieben entsprechen“, betonte Wissing. „Wichtiger, als sich darauf zu beschränken, von den Arbeitgebern die Zahlung höherer Löhne zu fordern, wäre es, dass auch die Politik sich um die Entlastung der Beschäftigten bemüht.“

CDU/CSU und SPD hätten jedoch das genaue Gegenteil getan, sagte Wissing weiter. Die Absenkung der Rentenbeiträge sei verhindert und die kalte Progression nicht abgebaut worden. „Höhere Löhne lassen aufgrund der kalten Progression die Steuern weiter steigen“, gab der FDP-Politiker zu bedenken. Die Ungerechtigkeit der kalten Progression nehme damit weiter zu. „Deshalb reicht es nicht, höhere Löhne zu fordern, die kalte Progression muss weg und zwar umgehend.“

Aus Luckes Sicht ist eine Lohnsteigerung angemessen, wenn sie den Zuwachs der Arbeitsproduktivität und die zukünftige Geldentwertung ausgleiche. Wichtig sei, dass es um die zukünftige Inflationsrate geht, also die Inflation im Zeitraum, für den der Tarifvertrag geschlossen wird. Weidmann habe aber „die Inflationsrate in seiner Interviewäußerung wohl vor dem Hintergrund historischer Werte viel zu hoch angesetzt, denn derzeit sind wir weit von 2 Prozent Inflation entfernt“. Für 2014 betrage die Inflationsrate aktuell 1,1 Prozent und dies mit fallender Tendenz. Der Juli-Wert liege nur noch bei 0,8 Prozent. „Damit muss auch in Deutschland eher eine Deflation als eine Inflation von 2 Prozent befürchtet werden.“

Arbeitgeberpräsident Kramer dämpfte angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten in Deutschland die Erwartungen an hohe Lohnabschlüsse. „Die konjunkturellen Aussichten trüben sich zurzeit ein bisschen ein“, sagte er. Die Wolken am Horizont könnten zu größeren Unsicherheiten in den Unternehmen führen. Die bisherigen Tarifabschlüsse dieses Jahres von zumeist zwei bis drei Prozent hätten angesichts der niedrigen Teuerung für alle Arbeitnehmer zu realen Einkommenszuwächsen geführt: „Das wird wohl auch in Zukunft so bleiben.“

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10 Kommentare zu "Lohn-Debatte: AfD-Chef Lucke greift Bundesbank an"

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  • Es hat mit beidem nichts zu tun.

    Die Bundesbank bringt lediglich zum Ausdruck, dass die Null-Zins-Politik der EZB überhaupt kein Mittel zur Bekämpfung des Ungleichgewichts zwischen Deutschland und dem "Rest-Europa" ist.

    Die großen Verwerfungen resultieren aus den großen Unterschieden in den Lohnstückkosten, die sich früher über die Wechselkurse ausgeglichen haben.

    Da die Gewerkschaften sich immer noch nicht von dem Niederschlag durch die SPD erholt haben, hat die Bundesbank den Stein ins Wasser geworfen und auf die Problematik hingewiesen. Das darf sie, wenn andererseits auch der Einwand berechtigt ist, dass es nicht Sache einer Bundesbank ist, in die Lohnpolitik einzugreifen.

    Erstens hat sie das nicht und zweitens, was soll die denn noch für Aufgaben haben nach dem Willen der Politiker?

    Waren es nicht unsere Politiker, die das Erfolgsmodell Deutsche Bundesbank zur Vergrößerung der eigenen Machtbasis initiiert haben,zerstörten?

    Sind es nicht die gleichen, die die Judikative in Deutschland entmachten wollen?
    Sind es nicht die gleichen, die im Parlament Volkskammermethoden eingeführt haben?
    Sind es nicht die gleichen, die die politischen Privilegien hemmungslos ausbauen? (10 % Diätenerhöhung für sich und gegen 3% für die Bürger wettern!)

    Zugegeben, die Judikative gibt ein schlechtes Bild ab. Aber das System ist grundsätzlich in Ordnung. Wenn es diese Kritik dennoch gibt, muss man sich mit den Besetzungen der Amtsstellen befassen. Und hier könnte auch der Grund zu finden sein, der wiederum auf die Politiker und deren Filz zeigt.

    Herr Lucke, bei aller Sympathie, diesen Vorstoß von Ihnen sollten sie nochmals überdenken, wenn man Ihnen die Worte nicht in den Mund geschoben hat. Es ist schon bedauerlich, wenn eine Bundesbank Gewerkschaften schon zum Jagen tragen muss. Viele Ansichten teile ich mit Ihnen, aber sie sollten sich und Ihre Partei in der sozialen Marktwirtschaft erden. Das Nachreden von Parolen könnte Ihre Partei wieder ganz schnell verschwinden lassen!

  • Verbreitete Armut ist eine Chance für Umwelt-, Energie- und Reesourcenschonung, und dies hat oberste Priorität.

    Allerdings bin ich dafür, dass alle in Deutschland ein Dach über dem Kopf, etwas zum Anziehen und genug zu Essen haben.

  • 'Aus Luckes Sicht ist eine Lohnsteigerung angemessen, wenn sie den Zuwachs der Arbeitsproduktivität und die zukünftige Geldentwertung ausgleiche."

    luckes Geschwurbel bedeutet, dass die AfD fuer eine Lohnerhoehung von ca. 0 % ist - passt ja zum Verfasser des "Hamburger Apell" in dem Lucke die Ausweitung des Niedriglohn-Sektors, Sozialabbau, weniger Urlaub etc. fordert. Die AfD ist ja auch gegen den Mindestlohn. Wer die waehlt, waehlt die Armut fuer Deutschland!

  • Ja, das ist für mich sehr wichtig. Wer sich mit den wirklichen Ursachen der Geldkrise beschäftigt hat und die steigende Umverteilung zugunsten des oberen Promilles beobachtet muss zu dem Schluss kommen, dass das Geldsystem mindestens 99% der Bevölkerung schadet. Ich hatte mir erhofft, dass die AfD erst den EU-Moloch auflöst und dann die Herrschaft der Zinsnutzniesser angeht. Aber wenn Herr Lucke jetzt das Lied der ach so schützenswerten Exportindustrie mitträllert behalte ich meine Stimme lieber.

  • Wenn man weiß wie das geldsystem funktioniert, kann man zumindest schonmal 90% aller meldungen darüber in die tonne kloppen und sich seine eigenen gedanken machen:
    --> Warum reiche immer reicher und arme immer armer werden mit wenigen worten einfach erklärt: Leute die wenig geld haben müssen für alles im täglichen leben, angefangen bei nahrung, beim auto bis zur miete oder hauseigentum schlichtweg immer zinsen bezahlen. Meist ist dann am ende des monats das geld schlichtweg alle. Nun müssen die armen jeden tag arbeiten gehen um diese zinszahlungen stemmen zu können.
    Die reichen zahlen genauso zinsen für die dinge wie nahrung und so. Allerdings haben die reichen am monatsende noch geld über. Und dieses geld legen sie so lange an, vermieten es, oder sammeln es, bis es eine ausreichende menge ist. Sagen wir z.B. die sammeln 5 mio an. Nun sind die an einem punkt, wo sie für die 5 Mio bei z.b. 5% zinsen, ganze 250.000,- zinsen pro jahr bekommen. Nun müssen die reichen weder arbeiten und haben nach den zinszahlungen für z.B. Nahrung und miete immer noch geld übrig, was sich dann durch zins und zinseszins vermehrt, währen der Arme immer nur zahlt. Klingt fürchterlich einfach und das ist es auch! Da kann man erklärungen suchen und tricksen bis zum geht nicht mehr, aber es bleibt einfach mathematisch so wie es ist.
    Und da die zinsen ja anfänglich nie auf der welt waren im zinsgeldsystem, müssen sie besorgt werden, indem man anderen menschen geld wegnimmt. Damit das ohne ende und immer weiter funktioniert, werden schulden gemacht. Umgangssprachlich nennt sich diese gelderhöhung wirtschaftswachstum.
    Es ist tatsächlich ein wirtschaftswachstum, aber schlussendlich wandern die gelder zwangsläufig immer zu denen, die genug haben.
    Und dieses zinsgeldsystem wird mit allen mitteln von den mächtigen verteidigt. Politiker die versucht haben dagegen anzugehen, waren schneller weg als ihnen lieb wahr. Der letzte deutsche der da zu weit den mund aufgemacht hat, war cristian wullf.

  • @ Arno Nym

    Ist EIN Thema für Sie wirklich so entscheidend ob Pro oder Contra für eine Partei?

    Ich stimme der AfD auch nicht überall zu aber alles in allem ist sie in meinen Augen trotzdem eine Alternative zu den etablierten Parteien.

  • Lucke:

    "Man sieht hier sehr klar, dass eine Europäische Wirtschaftsregierung faktisch schon Wirkung entfaltet und dass diese Wirkung nicht zum Vorteil der deutschen Exportindustrie ist."

    OK, wenn Lucke das so gesagt hat ist auch die AfD für mich erledigt. Wenn Lucke nicht begreift, dass es ein Irrweg ist, immer und ständig der heiligen Kuh Exportindustrie in den Hintern zu kriechen, ist er nicht besser als die anderen Marionetten.

  • Bundesbank für kräftige Lohnerhöhung
    -----------------
    Ist die Bundesbank jetzt eine Außenstelle des DGB?
    Oder ist das nur eine Reaktion auf die Niedrigzinspolitik der EZB und der Forderung von Draghi von einer Inflationsrate von mindestens 2%?
    Lohnabschlüsse auszuhandeln ist die Aufgabe der Tarifparteien und nicht der Bundesbank oder der Regierung.

  • Europäischen Union, dass Deutschland nach dem Fiskalpakt verpflichtet sei, seine Wettbewerbsfähigkeit zu vermindern.

    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Völlig richtig! Lucke und die AfD sind die einzigen, die noch die Wahrheit sagen!!!

    Tarife machen Arbeitgeber und Gewerkschaften unter sich aus. Das ist nicht Sache der Bundesbank.

    Die Bundesbank ist durch die EZB schlicht überflüssig geworden und jetzt suchen sich die hochbezahlten und verbeamteten Taugenichtse gerade neue Betätigungsfelder ...

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