Lohnabschlüsse
„Die Drei vor dem Komma muss es schon sein“

Die Zeit der mageren Lohnabschlüsse ist vorbei. Nach der Wende auf dem Arbeitsmarkt wollen die Gewerkschaften nun die Wende in der Tarifpolitik einleiten. Den Anfang macht die IG BCE. Den Arbeitnehmervertretern geht es aber nicht nur um mehr Geld für Stammbelegschaften.
  • 2

BERLIN. Mehr als ein Jahrzehnt war Schmalhans Küchenmeister in der deutschen Tarifpolitik. Mit Lohnabschlüssen unter der Produktivitätsrate stärkten IG Metall und Co. die Wettbewerbskraft der Exportindustrie - und schufen damit nach Meinung aller Experten eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass es nach der Krise so schnell wieder aufwärtsging. Noch sind die Tarifabschlüsse im Sinkflug. Im Juli lagen sie mit 1,3 Prozent knapp über der Inflationsrate. Doch nun fordern die Gewerkschaften die Rendite der moderaten Tarifpolitik für die Beschäftigten ein.

"Der Aufschwung hat nahezu alle Branchen erfasst und steht auf breitem Fundament. Die Zeit der Krisentarifverträge ist deshalb vorbei, jetzt geht es um einen Aufschwungtarifvertrag", kündigte am Wochenende IG-BCE-Vorstandsmitglied Peter Hausmann an. Da die Tarifverträge in der Metallindustrie noch bis Ende März 2012 laufen, wird die Chemieindustrie den Tarifgeleitzug im nächsten Jahr anführen. Im Dezember will der IG-BCE-Hauptvorstand seine Forderungsempfehlung beschließen, danach sind die regionalen Tarifkommissionen dran. Die erste Verhandlungsrunde ist für Februar geplant.

Auch in der Chemie ist der Aufschwung längst angekommen. Gerade korrigierte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) seine Prognose nach oben. Er rechnet jetzt für 2010 mit einem Umsatzplus von 18 Prozent. "Man kann dem VCI nur zustimmen. Das ist ein rasantes Comeback, auch wenn die Margen des Boomjahres 2008 noch nicht überall erreicht sind", sagte der Tarifexperte der IG BCE. Der Schwerpunkt liege dieses Mal eindeutig "auf dem Geld".

Über eine konkrete Lohnzahl schweigt Hausmann sich aber noch aus. "Nur so viel: Wir haben die Abkommen bei Kali und Stahl im Hinterkopf, werden aber natürlich einen chemiespezifischen Abschluss machen." In der Kali- und Steinsalzindustrie steigen die Löhne und Gehälter zum 1. November um 3,6 Prozent plus einmalig 300 Euro. Zuvor gab es in der Stahlindustrie ebenfalls einen Abschluss von 3,6 Prozent mehr plus einer satten Einmalzahlung.

"Die Drei vor dem Komma muss es schon sein", sagte auch der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg. Die kleine, aber schlagkräftige Gewerkschaft liegt aktuell mit der Zigarettenindustrie im Klinsch. "Die Branche hat sich auch in der Krise dumm und dämlich verdient und führt Jahr für Jahr gigantische Gewinne an ihre Mutterunternehmen im Ausland ab", klagt der dienstälteste Gewerkschaftsboss. Trotzdem bietet sie bisher nur ein mageres Plus von 1,5 Prozent an. Ähnlich schwierig läuft es für die NGG in der bayerischen Milchwirtschaft. Dort hat nach mehreren vergeblichen Verhandlungsrunden und Warnstreiks die Schlichtung begonnen.

Seite 1:

„Die Drei vor dem Komma muss es schon sein“

Seite 2:

Kommentare zu " Lohnabschlüsse: „Die Drei vor dem Komma muss es schon sein“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es wird damit eine Lohn/Preisspirale in bewegung gesetzt!Das ganze führt zu höherer inflation und zu einer Geld- bzw. Staasschuldenentwertung. Den
    Arbeitnehmern bleibt unterm Strich nichts,da alles teurer wird und von den 3% Lohneröhung der Staat 2% kassiert (kalte Progression).Es wundert mich nicht, das selbst Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und FDP-Wirtschaftsminister Rainer brüderle dies so wünschen.brüderle rief den 3,6-Prozent-Abschluss in der Stahlbranche jüngst sogar sehr zum Verdruss der Wirtschaft zum Vorbild für die nächste Tarifrunden aus. Dies ist die beste Lösung durch Geldentwertung und inflation um die 5-10% die Staatsschulden zu korrigieren und den Wähler andererseits mit diesen Forderungen nach mehr bruttolohn zu zeigen "wir tun ja was nur für euch", also freut euch doch und wählt uns bei der nächsten Wahl.
    Die Politiker sollten die steuerlichen Rahmenbedingungen schaffen d.h. Abschaffung der kalten Progression, Abschaffung des Soli, kein Erhöhung der MWST schon gar nicht die auf Lebensmittel uws. Die Tarierhöhungen den Tarifpartner überlassen.

  • Höhere % Lohnabschlüsse ja bitte aber auf 12 Monate begrenzen. Nur die annualisierten Prozentzahlen sind relevant. 4% bei 24Monaten Laufzeit sind halt doch in Wahrheit nur 2% annualisiert (incl. Rundungsfehler)und somit Augenwischerei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%