Lohnforderung festgelegt
Baden-Württemberg in Metall-Tarifrunde nicht sicher Pilotbezirk

Wie zuvor bereits andere Bezirke hat auch die IG Metall Baden-Württemberg für die Tarifrunde 2006 Einkommensverbesserungen um fünf Prozent gefordert. Der Südwesten dürfte jedoch erstmals seit längerem nicht die Rolle des Vorreiters für einen bundesweiten Abschluss zukommen.

LEINFELDEN. Die Lohnforderung bei einer Laufzeit von zwölf Monaten beschloss die große Tarifkommission in Leinfelden-Echterdingen einstimmig. „Es ist mehr Einkommen notwendig, damit die Binnennachfrage in Schwung kommt und Arbeitsplätze entstehen“, sagte der baden-württembergische IG-Metall-Bezirksvorsitzende Jörg Hofmann. Die IG Metall halte nach der Kündigung durch die Arbeitgeber zum 31. Dezember 2005 an dem Lohnrahmentarifvertrag II fest. Ohne die Beibehaltung der darin geregelten Steinkühler-Pause gebe es keinen Abschluss, sagte Hofmann. Die Friedenspflicht läuft Ende Februar aus.

Am Donnerstag wollten noch die großen Tarifkommissionen in den Bezirken Bayern und Küste ebenfalls die Lohnforderung festlegen. Lohnforderungen von fünf Prozent haben bereits die Bezirke Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gefordert. Der Bundesvorstand der IG Metall wird am Freitag die Forderung beschließen. Die Arbeitgeberorganisation Südwestmetall nannte die Forderung zu hoch und lehnte sie als „völlig wirklichkeitsfremd und illusorisch“ ab.

Dem Tarifbezirk Baden-Württemberg dürfte in der bevorstehenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie erstmals seit längerem nicht die Rolle des Vorreiters für einen bundesweiten Abschluss zukommen. „Baden-Württemberg ist nicht automatisch der Bezirk, in dem verhandelt wird“, sagte IG-Metall-Chef Jürgen Peters. Jeder Bezirk müsse in der Lage sein, eine Einigung durchzusetzen. Peters begründete die mögliche Abkehr von der bisherigen Praxis mit der von den Arbeitgebern im Südwesten gekündigten „Steinkühler-Pause.“ Er erklärte die Pausenregelung zur Schlüsselfrage für die diesjährigen Verhandlungen. Das Thema sei hoch emotionalisiert.

Der Lohnrahmentarifvertrag II regelt im Tarifgebiet Nordwürttemberg/Nordbaden unter anderem die Erholungspausen für die Fließbandarbeiter. Die IG Metall hatte die nach ihrem damaligen Bezirksleiter Franz Steinkühler benannte Regelung 1973 mit einem dreiwöchigen Streik durchgesetzt.

Als Alternative zu Baden-Württemberg könnten Nordrhein-Westfalen und Hessen eine größere Bedeutung bekommen. Die Arbeitgeber in Nordrein-Westfalen haben bereits erklärt, dass sie einen Pilotabschluss mit der IG Metall in ihrer Region für möglich halten. Bislang wurden Tarifeinigungen zumeist mit den Arbeitgebern im Südwesten erzielt, bevor sie bundesweit von den anderen Bezirken übernommen wurden.

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