Luftangriff von Kundus
Regierung zahlt Angehörigen Entschädigung

Die Bundesregierung wird die Angehörigen der zivilen Opfer des Luftangriffs in Nordafghanistan entschädigen. Das teilte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Christian Dienst, am Montag in Berlin mit. Zuvor hatten die Angehörigen mit einer Klage gegen den Bund gedroht. Die Details der Einigung sind aber noch offen.
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HB BERLIN/BERLIN. Wie die Entschädigung konkret umgesetzt werde, verhandele das Ministerium nun mit einem Anwalt der Angehörigen. Man habe sich am Montagmorgen an den Anwalt Karim Popal in Bremen gewandt, sagte Dienst.

Der deutsch-afghanische Rechtsanwalt Popal hat nach eigenen Angaben 78 Vollmachten von Hinterbliebenen des Luftschlags vom 4. September, bei dem bis zu 142 Menschen getötet und verletzt worden sind - darunter auch viele Zivilisten. Ein deutscher Oberst hatte US- Kampfjets zur Bombardierung zweier von Taliban entführter Tanklastwagen im nordafghanischen Kundus angefordert.

Dienst sagte, es werde geprüft, ob es im Sinne der Angehörigen außergerichtlich eine Lösung geben könne, um einen möglicherweise jahrelangen Rechtsstreit zu vermeiden. Dazu gehöre die Frage, wer anspruchsberechtigt sei. "Fakt ist, es wird eine Lösung geben."

Anwalt: Entschädigung für Luftangriff ist Erfolg

Karim Popal bezeichnete die Zusage als Erfolg. „Die Frage ist aber, wie die Opfer und die Hinterbliebenen entschädigt werden sollen“, sagte der Rechtsanwalt Karim Popal am Montag in Bremen. „Unser Ziel ist, dass sie eine langfristige Entschädigung erhalten.“ Das könne zum Beispiel ein Fonds sein, der zumindest das Existenzminimum der Verletzten und der Familien der Toten sichere. „Es reicht nicht, denen 1000 oder 2000 Euro in die Hand zu drücken.“ Am Mittwoch will Popal erneut nach Afghanistan reisen, um sich mit seinen Mandanten zu treffen.

Popal hatte zuvor erklärt, er hoffe auf eine außergerichtliche Einigung mit der Bundesregierung. Scheitere dies, wolle er auf Schadenersatz wegen fehlerhaften und grob fahrlässigen Verhaltens der Bundeswehr klagen.

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  • Also ich fass es nicht. Die bundeswehr ist in Afghanistan, um die dortige bevölkerung gegen Terroristen zu verteidigen und bei einer militärischen Handlung kommt Zivilbevölkerung um, die Treibstoff aus geklauten deutschen beständen "klauen" wollte. Und Deutschland weiß nichts besseres zu tun, als deutsche Steuergelder an die Angehörigen dieser "Organisatoren" auszuzahlen. Wenn dann wäre doch Afghanistan gefragt. ich würde es noch einsehen, wenn die Deutschen versehentlich eine Schule zerstört oder sonstige Zivilisten getötet hätte. Aber die Getöteten waren unberechtigt in der Nähe eines Gefahrenherdes um sich selbst zu bereichern. ich war immer befürworter des Afghanistaneinsatzes. Aber wenn unsere Regierung sich so verhält, wäre wirklich ein Rückzug besser. Oder zahlt sie nur, um die Stimmung für einen Afghanistanrückzug zu verbessern?

  • bevor man im entferntesten über so einen "Unsinn" positiv entscheidet, sollte man erstmal jeden bundesbürger, der Opfer einer Straftat oder eines Unglücks hierzulande wird, großzügig entschädigen ....! - weiterhin unverständlich , dass sich plötzlich so schnell Klarheit in der Sache ergeben hat, die derartige Ansprüche begründen. Das unsere Minister die Lage falsch einschätzen hat ja mittlerweile Methode. Somit scheint offiziell immer noch nicht klar zu sein unter welchen bedingungen und zu welchem Zweck unsere bW ihr Dasein am Hindukusch begründet.

  • Kann es sein, dass sich die Nachricht, zwei vollbeladene Tankfahrzeuge wären manöverunfähig, wie ein Lauffeuer verbreitet und Zivilisten mit allerlei behältnissen angelockt hat, um zu "fringsen" - gratis beute zu machen? Was waren das für Überreste, die am Platz des Gescehens rund um die ausgebrannten Fahrzeuge zu sehen waren?

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