Luftfahrt
Brüderle will Ticketsteuer prüfen

Der FDP-Fraktionschef will auf negative Auswirkungen der umstrittenen Steuer auf die Volkswirtschaft reagieren. Laut einem Gutachten wären ohne die Luftverkehrsteuer rund zwei Millionen Passagiere mehr geflogen.
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BerlinFDP-Fraktionschef Rainer Brüderle will die Ticketsteuer auf den Prüfstand stellen. „Sollten die Auswirkungen der Luftverkehrsabgabe volkswirtschaftlich negativ sein, müssen wir über den Fortbestand der Steuer nochmals reden“, sagte Brüderle dem Handelsblatt (Montagausgabe). Das Gesetz sieht ausdrücklich die Vorlage eines Berichtes vor.

Der FDP-Politiker will deshalb noch warten, bis die offiziellen Zahlen aus dem Bundesfinanzministerium vorliegen. Doch wie bereits jetzt bekannt wurde, hat die 2011 eingeführte Steuer auf Flugtickets der deutschen Luftverkehrsbranche massive Einbußen eingebracht. Laut einem Gutachten für das Bundesfinanzministerium wären ohne Einführung der Luftverkehrsteuer 2011 „rund zwei Millionen Passagiere mehr ab und nach Deutschland geflogen“.

Klaus-Peter Siegloch, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) sieht in der Steuer auch eine Wachstumsbremse für Schuldenländer wie Griechenland, Portugal oder Spanien: „Während sich die Bundesregierung den Kopf darüber zerbricht, wie sie das Wachstum in anderen europäischen Ländern ankurbeln kann, legt sie der Luftverkehrs- und Tourismuswirtschaft hierzulande noch zusätzliche Steine in den Weg“, sagte Siegloch dem Handelsblatt. Europa brauche konsumfreudige Touristen, um die Wirtschaft auch in den konjunkturschwachen Ländern anzukurbeln – mit der Luftverkehrsteuer fielen diese Touristen aber weg.

„Damit ist weder den deutschen Luftfahrtunternehmen geholfen, noch den europäischen Ländern, die vom Tourismus leben“, sagte Siegloch. Laut dem Gutachten haben aufgrund der Luftverkehrsteuer 2011 insgesamt 229.000 Reisen, darunter viele Urlaubsflüge von Deutschland nach Europa nicht stattgefunden.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " Luftfahrt: Brüderle will Ticketsteuer prüfen"

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  • Wenn, wie angenommen 2 Mio. mehr von und nach Deutschland geflogen wären, wie hätte sich das auf der Einnahmeseite ausgewirkt? Un wie hoch waren dagegen die Einnahmen aus der Ticketsteuer?

  • Lieber Vorkommentierer, ich bin Arbeitnehmer und für Steuersenkungen!

    Dass es immer noch Leute gibt, die dem Staat mehr Macht & Geld zukommen lassen wollen - die Bürger entmachen sich selbst.

    Für Mindestlöhne sind doch sowieso die restlichen Parteien - die Klientelparteien SPD, Linke und Grüne!

  • Dümmer geht`s nümmer!

    Wenn die Zahl der prekären Arbeitsverhältnisse stetig zunimmt, kann sich ohnehin niemand mehr einen Flug leisten. Anstatt für ihre Lobbyisten schon wieder Steuern zu senken bzw. rückgängig zu machen, sollte sich die FDP für Mindestlöhne bzw. Lohnuntergrenzen einsetzen.

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