Machtkampf in der AfD
Luckes Weckruf

Der liberal-bürgerliche Flügel drängt auf eine Entscheidung im AfD-Richtungsstreit. Parteichef Lucke lotet aus, wie stark die Rechten bereits sind. Misslingt der Befreiungsschlag, denkt Lucke über eine neue Partei nach.
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BerlinNach wochenlangen Querelen bereitet AfD-Gründer Bernd Lucke jetzt einen Befreiungsschlag vor. Wie am Montag aus Parteikreisen bekannt wurde, will der Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland diese Woche mit einem „Weckruf“ an die Mitglieder versuchen, den rechten Flügel der Partei zu isolieren. Sollte ihm dies nicht gelingen und die Rechten in der Partei bereits die Oberhand haben, will Lucke nach dem Bundesparteitag Mitte Juni in Kassel gemeinsam mit anderen Vertretern des liberal-bürgerlichen Flügels aus der AfD austreten.

Eine ursprünglich für diesen Dienstag in Straßburg geplante Pressekonferenz hat Lucke abgesagt. Stattdessen luden er und seine Mitstreiter Journalisten für Dienstag dort zu einem Hintergrundgespräch ein. Nach FAZ-Informationen wird Lucke dann berichten, dass er mit Gleichgesinnten wie beispielsweise Hans-Olaf Henkel beschlossen hat, einen Verein mit dem Namen „Weckruf 2015“ zu gründen. Ziel des Vereins ist es, gemeinsam für eine Erneuerung der AfD ohne „Karrieristen, Intriganten und Vertreter der Neuen Rechten“ zu kämpfen.

Eintreten wollen neben Lucke etliche Europaabgeordnete, Landesvorsitzende und andere Spitzenfunktionäre aus dem gemäßigten Lager der AfD. Die Interessengemeinschaft könnte die Basis für eine neue Partei sein, die dann bei kommenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gegen die AfD antreten könnte – sollten Luckes Truppen im Juni unterliegen.

„Wir sehen für uns keine Zukunft in der AfD, wenn die Partei nicht entschieden denjenigen Einhalt gebietet, die pöbelnd Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen oder an den politischen Rändern unserer Gesellschaft hausieren gehen“, heißt es in einer Botschaft, die Lucke und vier weitere Europaabgeordnete der AfD am Montag an alle Parteimitglieder verschickten. Der liberal-konservative Lucke-Flügel rief die AfD-Mitglieder auf, dem Verein „Weckruf 2015“ beizutreten.

´Luckes wichtigste Gegenspielerin ist zur Zeit die Co-Vorsitzende Frauke Petry. Die Chefin des sächsischen Landesverbandes zeigt mehr Verständnis als er für „Wutbürger“ und rechtsnationale Kräfte in der Partei. Lucke soll Petry für diesen Montag zu einer Aussprache in Frankfurt am Main eingeladen haben. Das Treffen kam aber dem Vernehmen nach nicht zustande, weil Petry den Vorsitzenden des AfD-Landesverbandes in Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell, dabei haben wollte. Pretzell zählt zu Luckes größten Kritikern.

Stattdessen stellt die Co-Vorsitzende nun ein Ultimatum. Berichte über eine mögliche Parteineugründung durch den Vorsitzenden Bernd Lucke seien schädlich und bedrohten die Einheit der Partei, sagte Petry am Montag. „Ich bitte ihn daher, umgehend und heute noch auszuschließen, dass die Neugründung einer Partei oder Vereinigung geplant ist.“ Für sie sei es unvorstellbar, dass Lucke die AfD beschädigen wolle. Die Mitglieder der AfD sehnten eine Einigung seitens der Bundesspitze herbei. Dafür wollten sie und die große Mehrheit der Partei weiter kämpfen, sagte Petry.

Die AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch sagte, Lucke müsse sofort die Gründung einer neuen Partei ausschließen oder aber die AfD verlassen.

Dem Lager der Lucke-Anhänger gehören unter anderem der Vorsitzende des AfD-Landesverbandes in Baden-Württemberg, Bernd Kölmel, und der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, an. Petry kann ihrerseits auf die Unterstützung des Brandenburger AfD-Chefs Alexander Gauland und des nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Marcus Pretzell zählen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Machtkampf in der AfD: Luckes Weckruf"

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  • Tja, wenn Her Lucke die AfD von "Elementen" "säubern" will, wie sich sein Vertauter Herr Henkel auszudrücken beliebt, dann benutzten diese Herren wahrscheinlich ohne es zu wissen Begriffe aus der finstersten Zeit des Stalinismus der dreißiger Jahre als Stalin ebenfalls die KPDSU "säuberte".

    Übrigens die "Elemente" heißen Adam, Gauland, Petry , sind Gründungsmitglieder dieser Partei, während Herr Henkel als Seiteneinsteiger angeblich intensiv geprüft hat, ob für ihn eine Mitgliedschaft infrage käme.

    Als "Prüfingenieur" beim TÜV wäre Herr Henkel mit Sicherheit ein Reinfall. lol

  • das - war - mal so. Deutschlands Politgilde hat in den letzten 20 Jahren diesen sogenannten Nationalstaat auf links gedreht. Und das mit der Regierungsverantwortung Rot/Grün, will heißen Schröder/Fischer.

    Deutschland hat schon lange fertig.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Lucke lotet erst mal aus.
    Wenn er meint, richtig gelotet zu haben trifft er seine Entscheidung.
    Mit einer neuen Partei, ohne die Deutschnationalen und Konservativen, will er sich dann der CDU andienen - sein schon lange gehegter Wunsch.

    Solch eine Partei wird allerdings nicht benötigt und mit 3,9 %, die er dann vielleicht auf die Waage bekommt, wird das auch nicht klappen, da zu leicht befunden.

    Das kommt davon, wenn man wie ein kleines ängstliches Mäuschen auf die Altparteien starrt und meint dem Mainstream folgen zu müssen.
    Schade um die AfD.

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