Machtkampf in der AfD

Luckes Weckruf

Der liberal-bürgerliche Flügel drängt auf eine Entscheidung im AfD-Richtungsstreit. Parteichef Lucke lotet aus, wie stark die Rechten bereits sind. Misslingt der Befreiungsschlag, denkt Lucke über eine neue Partei nach.
Update: 18.05.2015 - 19:28 Uhr 12 Kommentare

AfD, eine Partei im freien Fall

BerlinNach wochenlangen Querelen bereitet AfD-Gründer Bernd Lucke jetzt einen Befreiungsschlag vor. Wie am Montag aus Parteikreisen bekannt wurde, will der Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland diese Woche mit einem „Weckruf“ an die Mitglieder versuchen, den rechten Flügel der Partei zu isolieren. Sollte ihm dies nicht gelingen und die Rechten in der Partei bereits die Oberhand haben, will Lucke nach dem Bundesparteitag Mitte Juni in Kassel gemeinsam mit anderen Vertretern des liberal-bürgerlichen Flügels aus der AfD austreten.

Eine ursprünglich für diesen Dienstag in Straßburg geplante Pressekonferenz hat Lucke abgesagt. Stattdessen luden er und seine Mitstreiter Journalisten für Dienstag dort zu einem Hintergrundgespräch ein. Nach FAZ-Informationen wird Lucke dann berichten, dass er mit Gleichgesinnten wie beispielsweise Hans-Olaf Henkel beschlossen hat, einen Verein mit dem Namen „Weckruf 2015“ zu gründen. Ziel des Vereins ist es, gemeinsam für eine Erneuerung der AfD ohne „Karrieristen, Intriganten und Vertreter der Neuen Rechten“ zu kämpfen.

Eintreten wollen neben Lucke etliche Europaabgeordnete, Landesvorsitzende und andere Spitzenfunktionäre aus dem gemäßigten Lager der AfD. Die Interessengemeinschaft könnte die Basis für eine neue Partei sein, die dann bei kommenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gegen die AfD antreten könnte – sollten Luckes Truppen im Juni unterliegen.

„Wir sehen für uns keine Zukunft in der AfD, wenn die Partei nicht entschieden denjenigen Einhalt gebietet, die pöbelnd Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen oder an den politischen Rändern unserer Gesellschaft hausieren gehen“, heißt es in einer Botschaft, die Lucke und vier weitere Europaabgeordnete der AfD am Montag an alle Parteimitglieder verschickten. Der liberal-konservative Lucke-Flügel rief die AfD-Mitglieder auf, dem Verein „Weckruf 2015“ beizutreten.

´Luckes wichtigste Gegenspielerin ist zur Zeit die Co-Vorsitzende Frauke Petry. Die Chefin des sächsischen Landesverbandes zeigt mehr Verständnis als er für „Wutbürger“ und rechtsnationale Kräfte in der Partei. Lucke soll Petry für diesen Montag zu einer Aussprache in Frankfurt am Main eingeladen haben. Das Treffen kam aber dem Vernehmen nach nicht zustande, weil Petry den Vorsitzenden des AfD-Landesverbandes in Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell, dabei haben wollte. Pretzell zählt zu Luckes größten Kritikern.

Stattdessen stellt die Co-Vorsitzende nun ein Ultimatum. Berichte über eine mögliche Parteineugründung durch den Vorsitzenden Bernd Lucke seien schädlich und bedrohten die Einheit der Partei, sagte Petry am Montag. „Ich bitte ihn daher, umgehend und heute noch auszuschließen, dass die Neugründung einer Partei oder Vereinigung geplant ist.“ Für sie sei es unvorstellbar, dass Lucke die AfD beschädigen wolle. Die Mitglieder der AfD sehnten eine Einigung seitens der Bundesspitze herbei. Dafür wollten sie und die große Mehrheit der Partei weiter kämpfen, sagte Petry.

Die AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch sagte, Lucke müsse sofort die Gründung einer neuen Partei ausschließen oder aber die AfD verlassen.

Dem Lager der Lucke-Anhänger gehören unter anderem der Vorsitzende des AfD-Landesverbandes in Baden-Württemberg, Bernd Kölmel, und der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, an. Petry kann ihrerseits auf die Unterstützung des Brandenburger AfD-Chefs Alexander Gauland und des nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Marcus Pretzell zählen.

  • dpa
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12 Kommentare zu "Machtkampf in der AfD: Luckes Weckruf"

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  • Tja, wenn Her Lucke die AfD von "Elementen" "säubern" will, wie sich sein Vertauter Herr Henkel auszudrücken beliebt, dann benutzten diese Herren wahrscheinlich ohne es zu wissen Begriffe aus der finstersten Zeit des Stalinismus der dreißiger Jahre als Stalin ebenfalls die KPDSU "säuberte".

    Übrigens die "Elemente" heißen Adam, Gauland, Petry , sind Gründungsmitglieder dieser Partei, während Herr Henkel als Seiteneinsteiger angeblich intensiv geprüft hat, ob für ihn eine Mitgliedschaft infrage käme.

    Als "Prüfingenieur" beim TÜV wäre Herr Henkel mit Sicherheit ein Reinfall. lol

  • das - war - mal so. Deutschlands Politgilde hat in den letzten 20 Jahren diesen sogenannten Nationalstaat auf links gedreht. Und das mit der Regierungsverantwortung Rot/Grün, will heißen Schröder/Fischer.

    Deutschland hat schon lange fertig.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Lucke lotet erst mal aus.
    Wenn er meint, richtig gelotet zu haben trifft er seine Entscheidung.
    Mit einer neuen Partei, ohne die Deutschnationalen und Konservativen, will er sich dann der CDU andienen - sein schon lange gehegter Wunsch.

    Solch eine Partei wird allerdings nicht benötigt und mit 3,9 %, die er dann vielleicht auf die Waage bekommt, wird das auch nicht klappen, da zu leicht befunden.

    Das kommt davon, wenn man wie ein kleines ängstliches Mäuschen auf die Altparteien starrt und meint dem Mainstream folgen zu müssen.
    Schade um die AfD.

  • Weckruf ... oder "Wegruf"
    Die "Grünen" haben sich politisch etabliert, indem sie konsequent Umwelt- und Verbraucherschutz als politische Hauptziele definiert und verfolgt haben.
    Warum soll die AfD sich nicht mit Alternativen in der Finanz-, Währungs-, Europapolitik profilieren, die ihre Basis in klar ausgesprochenen Interessen der deutschen Bürger haben? Unanständig wird es dann, wenn die Grundprinzipien unseres Rechtsstaates mit den Flüchtlingen "über Bord geworfen werden".

  • Wenn Lucke und seine Freunde weg sind, dann macht AfD wieder richtig Spaß und wir können kreativ weiterarbeiten und uns entfalten! Ciao Bernd und bitte bitte, nimm die unangenehmen Trittbrettfahrer mit, die können wir nicht gebrauchen, man sieht sich! Wir sind ehrliche Leute, die keine Schlammschlachten führen, Ehrgefühl und Unrechtsbewußtsein haben. Ein Autokrat kennt nur eine Richtung.

  • Herrn Prof. Lucke drücke ich die Daumen, dass er in seinem Sinn reinen Tisch macht. Prof. Henkel wäre dann wieder im Boot. Und ihnen traue viel zu. Über seine Ansichten waren in diversen namhaften deutschen Tageszeitung diverse interessante Berichte bereits erschienen. Leider kommen täglich neue besorgniserregende Berichte wie z. B. über Asylsuchende, Flüchtlinge, usw. dazu, wo ich mehr erwarte, als von den bereits im Bundestag etablierten Parteien. Auch hinsichtlich der Euro-Retter-Problematik besonders in Sachen Griechenland war mir die Vorgehensweise suspekt. Hoffe, dass die AfD hier noch was dazu beitragen kann, wenn es nicht schon zu spät ist. Ganz einfach gesagt: es wird eine weitere Partei wie die AfD im Bundestag gebraucht.

  • NPD-Verbotsverfahren - Unterwanderung der AfD?
    Es ist richtig, dass die Auseinandersetzung um den Kurs der AfD sich zuspitzt. und eine klare Abgrenzung zur NPD und an den europäischen "Nationalfronten" angestrebt wird. Damit wird die AfD noch lange nicht ein FDP-Ersatz, weil sie nicht ein bestimmtes Klientel bedient sondern mit den Forderungen wie klare Regeln für die Zuwanderung oder Wahrung der deutschen Interessen im Rahmen der Finanzierung europäischer Vorhaben sowie einer kinderfreundlicheren Familienpolitik quer durch die Bevölkerung einen gewissen Zuspruch findet.
    .

  • @ Peter Schwarz
    Deutschland ist ein Nationalstaat ansonsten würden die Politiker und Medien und alle die meinen was sagen bzw. bestimmen zu wollen, in Deutschland überflüssig. Wer der Deutschland den Nationenstatus absprechen will, der schafft sich gleichzeitig selber ab.
    Kein Franzose, kein Britte, kein Italiener, kein Grieche...eigentlich kein Land/Volk auf dieser Welt, nicht mal Israel würde seinen Nationalstatus in frage stellen.
    Im Gegenteil....jedes Land auf dieser Welt ist auf seinen Nationalstatus = Kultur stolz.

  • Lucke soll sich endlich mal erklären und sagen, was er als "Rechts" in der AfD empfindet. Ist schon der Rechts, der das Deutschland Lied singt oder mit der deutschen Fahne schwenkt? Ist der "Rechts", der deutsche Werte wie "Pünktlichkeit" und "Fleiß" oder Erfindergeist hoch hält. Der die deutsche Kultur-Landschaft schützen will? Lucke soll aufpassen, dass er sich seiner Wurzeln und Werte nicht berauben lässt und auf diesen charakterlosen Grün-Sozialistischen Politik-Medienzug mit ausspringt. Die AfD braucht und hat ein Merkmal...konservativ-liberal = konservativ-weltoffen mit der Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft und zur deutschen Kulturvielfalt/Landschaft. Danke!

  • Nun trennt sich die spreu vom Weizen.
    Denn selbst wenn sich der liberal-konservative Flügel gegen die Rechtspopulisten der Erfurter Resolution beim nächsten Parteitag durchsetzen würde, würden die National-Höckisten keine Ruhe geben, und den Namen und die Marke AfD weiterhin beschädigen. Eine Neugründung ist daher die einzige Möglichkeit, sich von den rechten Trittbrettfahrern zu trennen. Der Mitnahmeeffekt hinsichtlich Mitgliederzahl dürfte bei ca. 60 Prozent liegen. Wenn man dann noch ein bekanntes Zugpferd aus dem Unionslager gewinnt, wäre auch ein Einzug in den Bundestag 2017 machbar. Petry hat am Ast gesägt auf dem sie sitzt, und wird mit ihren neuen rechten Freunden nicht glücklich werden, denn die National-Höckisten sind schon in Wartestellung, um dann auch Petry abzusägen.

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