Machtkampf um CSU -Parteivorsitz
Seehofer treibt offenbar doppeltes Spiel

Bundesagrarminister Horst Seehofer hat im Machtkampf in der CSU erneut öffentlich seinen Anspruch auf den Parteivorsitz bekräftigt. Doch hinter den Kulissen soll er angeblich eine zweite Strategie verfolgen.

HB BERLIN/MÜNCHEN. „Wenn es die Chance gibt, noch in einem zumutbaren Alter - ich bin jetzt noch nicht 60 - diese Partei zu führen, ist das per se reizvoll“, betonte Seehofer in der Aufzeichnung der ARD-Talksendung „Beckmann“, die an diesem Montag ausgestrahlt wird. Seehofer ist 57 Jahre alt - sein Kontrahent, der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber, bereits 60. Edmund Stoiber will das Amt des CSU-Chefs ebenso wie das des bayerischen Ministerpräsidenten im September niederlegen.

Seehofer machte in der Talksendung zugleich deutlich, dass er sich bei seiner Kandidatur um den CSU-Vorsitz nicht durch Spekulationen über sein Privatleben irritieren lassen will. Die Veröffentlichungen darüber nehme er gelassen, sagte Seehofer in der am Donnerstagabend aufgezeichneten Sendung. „Man kann nicht als Minister in den guten Zeiten Wert darauf legen, dass man in der Öffentlichkeit vorkommt, und wenn es dann mal negative Schlagzeilen gibt, plötzlich gebeugt durch das Land laufen.“ Der dreifache Vater Seehofer war nach Medienberichten über ein angebliches Liebesverhältnis mit einer Bundestags-Mitarbeiterin unter Druck geraten.

Nach Informationen der „Bild am Sonntag“ soll Seehofer hinter den Kulissen unterdessen eine zweite Strategie verfolgen. Er dränge Stoiber dazu, auf dem Parteitag im September erneut für zwei Jahre für den Parteivorsitz zu kandidieren. Seehofer habe Stoiber diesen Vorschlag zuletzt mehrfach gemacht, berichtete das Blatt unter Berufung auf Informationen aus der CSU-Spitze. Stoiber sei für CSU und CDU unersetzlich, habe Seehofer, der selbst den Chefposten abstrebt, als Begründung angeführt. Auf diese Weise könne der CSU auch ein Machtkampf um den Parteivorsitz zwischen ihm und Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber erspart werden, habe Seehofer durchblicken lasen. Stoiber lehne eine erneute Kandidatur aber strikt ab.

In der CSU werde Seehofer ein Spiel auf Zeit vorgeworfen, um seine Chancen auf den Parteivorsitz zu verbessern, berichtete die Zeitung. Kommende Woche will sich die CSU-Spitze bei einem weiteren Treffen um eine Lösung im Führungsstreit bemühen.

Ursprünglich wollte sie bis zur nächsten Vorstandssitzung am 12. Februar die Nachfolgefrage klären. Huber und Seehofer beharren aber auf ihrer Kandidatur, was eine Kampfabstimmung auf dem Parteitag Ende September als wahrscheinlich erscheinen lässt.

Nach parteiinterner Kritik hatte Stoiber im Januar angekündigt, seine Ämter als bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender zum 30. September niederzulegen. Für die Nachfolge als Regierungschef gilt Landesinnenminister Günther Beckstein als gesetzt.

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