Machtkampf um Lucke: Wenn die AfD ihr Gesicht verliert

Machtkampf um Lucke
Wenn die AfD ihr Gesicht verliert

Bernd Lucke ist das Gesicht der AfD und will die Macht für sich. Die anderen Vorstände protestieren. Aber was, wenn der Chef hinschmeißt? Manch einer sieht in der Partei bereits einen Fall für den Verfassungsschutz.
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Berlin/DresdenDas Schreiben, das kurz nach den Feiertagen bei AfD-Chef Bernd Lucke eingeht, ist zwar im Ton höflich, aber in der Sache knallhart. Die Absender des Briefes, darunter mehrere Mitglieder des Bundesvorstandes, beschweren sich darin über seinen Führungsstil „nach Gutsherrenart“. Und über Luckes angeblichen Versuch, Funktionsträger der Partei „auf Linie zu bringen“. Er, Lucke, solle sich künftig bitte nur zur Euro-Rettungspolitik äußern und andere Themen wie Zuwanderung, den Ukraine-Konflikt oder die Angst vor der „Islamisierung“ Deutschlands gefälligst anderen Parteimitgliedern überlassen, die dafür besser geeignet seien.

Wer Lucke kennt, weiß, dass er sich diese Maßregelung wohl nicht gefallen lassen wird. Damit ist der Machtkampf noch vor dem mit Spannung erwarteten Parteitag Ende Januar in Bremen eskaliert.

Hintergrund des Protestbriefs: Lucke will auf dem Parteitag eine neue Satzung durchsetzen, die seine Führungsrolle zementieren würde. Wer nach dem Mitgliederparteitag als Sieger vom Platz gehen wird, ist noch offen. Fest steht aber: In Bremen entscheidet sich, ob sich die AfD als feste Größe in der deutschen Parteienlandschaft etablieren kann oder ihr eine Austrittswelle droht, von der sie sich womöglich nie mehr erholen wird.

Der Bundesschatzmeister der AfD, Piet Leidreiter, reagierte mit Befremden auf das Vorgehen der Vorstände gegen Lucke. „Liebe Parteifreunde“, schreibt Leidreiter auf seiner Facebook-Pinnwand, „der Bundesvorstand besteht aus 11 Mitgliedern. Davon wünschen sich drei Mitglieder ein Gespräch mit Bernd Lucke außerhalb der Vorstandssitzungen. Was soll ich davon halten?“ Er sei „ziemlich ratlos“, zumal er seit einem halben Jahr versuche, den Beteiligten beizubringen, interne Probleme intern zu lösen.

Sollten die Mitglieder beim Parteitag die von Lucke favorisierte neue Führungsstruktur mit nur einem Vorsitzenden ablehnen, ist zu erwarten, dass Lucke bei der Wahl des neuen Bundesvorstandes Anfang April nicht mehr kandidieren wird. Dann hätte die AfD ein Problem. Denn Lucke ist das Aushängeschild der jungen Partei. „Wenn das passieren sollte, dann werde ich die AfD verlassen“, ist ein Satz, den man im Unterbau der Partei jetzt oft hört.

Das wissen auch die „Rebellen“, die Lucke nun vor einem von ihm geplanten Treffen mit den Kreisvorsitzenden am 18. Januar in Frankfurt am Main um ein klärenden Gespräch gebeten haben. Ihre Botschaft an Lucke ist deshalb: „Wir stehen nach wie vor zu Ihnen als einem von drei Sprechern.“ Eine Hierarchie nach dem Vorbild der etablierten Parteien lehnen sie ab. „Wir sind alle gemeinsam angetreten, manches anders und vieles besser zu machen. Eine CDU/FDP 2.0 gehört nicht dazu“, heißt es in dem Schreiben an Lucke.

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