Machtpoker
Schily hält Teilzeitkanzler für beste Lösung

Heute Abend wollen Union und SPD über die K-Frage entscheiden. Nach den jüngsten Spekulationen soll CDU-Chefin Merkel Kanzlerin werden und die Sozialdemokraten zum Ausgleich mehr Ministerien als CDU und CSU erhalten. Innenminister Schily brachte dagegen wieder eine Variante ins Gespräch, die eigentlich als ungeeignet gilt.

HB BERLIN. Um 20 Uhr treffen sich Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel und CSU-Chef Edmund Stoiber mit dem SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering und Kanzler Gerhard Schröder (SPD), um Streitfragen einer großen Koalition aus dem Weg zu räumen. Dabei geht es vor allem um die Frage der Kanzlerschaft. In Berlin verdichteten sich zuletzt die Hinweise, dass sich beide Lager auf eine Kanzlerin Merkel einigen werden.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) brachte dagegen kurz vor dem Treffen erneut die "israelische Lösung" ins Spiel. Das Modell, wonach Schröder zwei weitere Jahre Bundeskanzler bleiben und dann von Merkel abgelöst werden sollte, sei zum Nutzen Deutschlands, sagte Schily der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Ein solches Vorgehen stärke das nötige Vertrauen beider Partner zueinander und werde eine große Koalition stabilisieren, sagte Schily. "Angela Merkel könnte sich in dieser Zeit als Außenministerin Meriten erwerben. Sie könnte internationale Kontakte aufbauen, die ihr bisher fehlen und die sie als Bundeskanzlerin dringend bräuchte", erläuterte der Minister.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) lehnte Schilys Vorstoß strikt ab. "Es gibt nur ein Kanzleramt. Man kann diesen entscheidenden Posten nicht aufteilen", sagte der Ministerpräsident. "Deshalb erwarten wir von der SPD, dass sie die Kanzlerschaft der Union und konkret Frau Dr. Merkel akzeptiert."

Andere CDU-Ministerpräsidenten warnten die Union vor zu großen inhaltlichen Zugeständnisse an die SPD. Thüringens Regierungschef Dieter Althaus sagte der "Bild am Sonntag", der Reformbedarf sei so groß, dass Trippelschritte nicht mehr reichten. "Es darf keine grundsätzlichen Tabus geben, wenn wir in Deutschland wieder zu mehr Wachstum und mehr Arbeit kommen wollen", mahnte der CDU-Politiker.

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