Made in Germany immer noch gefragt
Was Ausländer an Deutschland schätzen

Eine Boston-Consulting-Studie kritisiert der Deutschen Lust am Untergang. Das Land sei besser als es glaubt, sagen ausländische Topmanager. Das Gütesiegel made in Germany wird im Ausland immer noch als Stärke wahrgenommen. Was ausländische Experten an Deutschland schätzen.
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Mitarbeiterin im Reinraum der POG Präsizionsoptik Die schlechten Nachrichten wollen einfach nicht aufhören. Vergangene Woche veröffentlichte die Bertelsmann-Stiftung ein internationales Standortranking. Trauriges Ergebnis: Deutschland liegt im Vergleich mit 20 Industrienationen abgeschlagen auf dem letzten Platz. „Der seit 1991 anhaltende Abwärtstrend setzt sich fort“, schreiben die Autoren der Studie und prophezeien düster: „Ein Ende der Talfahrt ist nicht abzusehen.“

Hoffnung vermag auch das World Economic Forum nicht zu wecken, das Mitte Oktober sein internationales Wettbewerbsranking veröffentlichte und für Deutschland einen 13. Platz meldet. Zwar sind wir gegenüber 2003 nicht weiter abgestürzt. Bedenklich stimmt aber: In der Kategorie „wirtschaftliche Rahmenbedingungen“ landet Deutschland nur auf Rang 26. Selbst Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Malaysia, Thailand oder China schneiden hier besser ab.

„Einseitig und rückwärts gewandt“ findet Antonella Mei-Pochtler von der Boston Consulting Group (BCG) solche Rankings. „Der Blick allein auf die Vergangenheit bringt nichts“, sagt die BCG-Geschäftsführerin. Die weltweit aktive Unternehmensberatung hat soeben eine Studie verfasst („Deutschland – ein Perspektivenwechsel“), die ein ganz anderes Bild von Deutschland zeichnet. Der verzagten Binnensicht eines im Abstieg befindlichen Landes, dem die Globalisierung die Arbeitsplätze raubt, hält BCG eine weit positivere Außensicht entgegen. Die Unternehmensberatung hat 286 ausländische MBA-Studenten an führenden Business Schools befragt und Topmanager und renommierte Wirtschaftsprofessoren interviewt. Tenor: Trotz struktureller Probleme, trotz Wachstumsschwäche, hoher Lohnkosten und eines rigiden Arbeitsmarkts kann Deutschland noch immer mit seinen traditionellen Tugenden wie Qualität, Fleiß, Effizienz und Präzision punkten. Das Gütesiegel made in Germany werde „noch immer als klare Stärke wahrgenommen“, die sich positiv auf Kaufentscheidungen auswirkt, heißt es in der Studie.

TopManager wie Russ Smyth (McDonald’s), Hong Xing (Brilliance China Automotive) oder Louis Schweitzer (Renault) haben den deutschen Standort keineswegs abgeschrieben. Sie sehen Deutschland nach wie vor als Land, das genügend Substanz hat, um auch künftig im Wettbewerb der Nationen eine führende Rolle zu spielen, wenn es seine Probleme löst. Der Rat der Experten: Der Exportweltmeister müsse seine fundamentalen Stärken zukunftsorientiert weiterentwickeln.

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