Mängelliste: Verteidigungsministerium rügt unzuverlässige Rüstungsindustrie

Mängelliste
Verteidigungsministerium rügt unzuverlässige Rüstungsindustrie

Das Bundesverteidigungsministerium geht hart mit der deutschen Rüstungsindustrie ins Gericht. Vertrauliche Prüfberichte, die dem Handelsblatt vorliegen, listen zahlreiche Versäumnisse der Hersteller bei der Produktion und Lieferung von Waffensystemen auf. Die Berichte stützen die Klagen von Ressortchef Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) über die Unzuverlässigkeit der Rüstungsbranche.
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BERLIN. Über das Kampfhubschrauber-Projekt „Tiger“, das den deutschen Steuerzahler mehr als drei Mrd. Euro kostet, schreiben die Prüfer: „Die Auslieferung der bestellten 80 Tiger erfolgt weiterhin verzögert. Von den bis Ende 2009 vertraglich vereinbarten 67 Hubschraubern sind elf Hubschrauber zugelaufen, die nicht der endgültigen, für die operationelle Ausbildung vorgesehenen Version entsprechen.“

Die von der EADS-Tochter Eurocopter produzierten „Tiger“ fehlen beim Einsatz in Afghanistan. Im Frühjahr hatte das fatale Folgen: Ein Unterstützungskonvoi der Bundeswehr kam erst am Gefechtsort bei Kundus an, als die Kämpfe längst beendet waren und deutsche Soldaten ihr Leben verloren hatten. Angesichts von Fehlern bei der Konstruktion und Mängeln bei der Verkabelung müsse die Bundeswehr wohl noch länger auf den Kampfhubschrauber verzichten, schreiben die Prüfer: „Die Einsatzbereitschaft des UH Tiger ist frühestens Anfang 2013 erreichbar.“

Kaum besser sieht es beim Transporthubschrauber NH 90 von EADS aus. „Auf Basis des bestehenden Vertrages sollten zum Ende 2009 43 Helikopter zugelaufen sein. Tatsächlich wurden bis heute lediglich 15 in Vorserienkonfigurationen geliefert“, rügen die Prüfer. Kein einziger Transporthubschrauber aus dem 4,6 Mrd. Euro schweren Projekt ist in Afghanistan einsatzbereit.

Gravierende Probleme machen die Prüfer auch bei den fünf neuen Korvetten 130 aus, die mit 1,1 Mrd. Euro zu Buche stehen. „Die Industrie wollte ihre Kompetenz unter Beweis stellen“, schreiben sie am Anfang ihres Mängelberichts. Stattdessen gebe es katastrophale „handwerkliche und konstruktive schiffstechnische Mängel“ bei den von Thyssen-Krupp Marine Systems und der Fr. Lürssen Werft hergestellten Schiffen. „Zur Vorbeugung weiterer Schäden wurde der Weiterbetrieb aller Korvetten untersagt.“

FDP-Haushälter Jürgen Koppelin kritisiert, dass sich beim für die Prüfung zuständigen Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung niemand für die Pleiten mit dem NH90, dem „Tiger“, dem Militärairbus A400M oder dem IT-System „Herkules“ verantwortlich zeige. Zudem vermisst der Politiker echte Ausschreibungen von Rüstungsprojekten.

Kommentare zu " Mängelliste: Verteidigungsministerium rügt unzuverlässige Rüstungsindustrie"

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  • hier mal wieder ein beispiel wie sich die politik in unserem land veralbern lässt...weitere beispiele: autobahnbauten, elbphilharmonie hamburg , hauptbahnhof berlin usw usw...aber wir zahlen ja...wir haben ja auch keine andere möglichkeit...

    nun ja...wieder ein fall für: nicht aufregen,können wir nicht ändern und wird sich nie ändern...

  • Wen wundert das denn wirklich.
    Unter Amigos drückt man doch schon mal ein Auge zu, zumal es doch nicht den eigenen Geldbeutel betrifft.
    Oder ist wirklich jemand so NAiV anzunehmen die schönen regelmäßigen Parteispenden der industrie hätten einen anderen Zweck.
    So dumm kann doch eigentlich niemand sein.
    Also mit einem frölichen
    WEiTER SO

  • Es ist schon erstaunlich, dass nach so vielen Pannen, der bundeswehrführung erst jetzt auffällt, dass ihre Rüstungsindustrie zu nichts fähig ist, außer ihre Güter zu weit überteuerten Preisen, sich an Verträge nicht hält, und dann ihren Schrott an die bundeswehr ausliefert. Warum rollen keine Köpfe im bundesamt für Wehrtechnik und beschaffung? Traut sich da der Minister nicht ran? Also wann werden die Zahlungen an EADS und seine Tochter Eurocopter eingestellt??? Drauf möchte ich eine Antwort vom Minister, es handelt sich um unser Steuergeld.
    Danke

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