HAMBURG. Das Städtchen schien Peter Müller* perfekt gewählt, als er hier 1992 seinen Laden eröffnete. Kirche, Marktplatz und Boutiquen dominieren das 20000-Einwohner-Städtchen in Schleswig-Holstein. Beim Wochenmarkt trifft man einander. Und mitten im Ort liegt ein Ärztehaus, in das Hörgeräteakustiker Müller einziehen konnte.
Sein Laden ist der einzige seiner Art im Städtchen. Und Nachbar im Ärztehaus ist ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Hier, dachte der Unternehmer Müller, müsste sich seine Firma mit ihren drei Mitarbeitern auskömmlich führen lassen.
Heute weiß er: Er hat sich geirrt. Er fühlt sich erpresst - vom Arzt, seinem Nachbarn. Müller kommt sich hilflos vor. Einst wähnte er die Bundesregierung an seiner Seite. Aber der Arzt, Müllers ehemaliger Partner, scheint cleverer zu sein.
Nun steht der Hörgeräteakustiker vor der Pleite. "Mein Geschäft steht praktisch vor dem Aus, und meine Angestellten stehen schon mit einem Bein auf der Straße", sagt Müller. Er überlegt, vor Gericht zu ziehen. Doch seine Chancen dort stünden wohl nicht gut.
Dabei geht es um Schmiergelder und Nötigung, um Gesetze und Gesetzeslücken. Vor allem aber ist Müllers Geschichte exemplarisch für ein Gesundheitssystem, in dem die Kosten auch deswegen immer weiter steigen, weil eine Selbstbedienungsmentalität um sich greift - zum Schaden von Patienten, Krankenkassen und Beitragszahlern.
Mit Philipp Rösler (FDP) ist kürzlich wieder ein Gesundheitsminister angetreten, der das Gesundheitssystem endlich zukunftsfest machen will. Heute trifft Rösler Vertreter der Krankenkassen, um über niedrigere Steuern auf Arzneimitteln zu verhandeln.
Die Geschichte von Akustiker Peter Müller belegt, wie flugs selbst gut gemeinte Initiativen im Milliardenmoloch, zu dem die Gesundheitsbranche geworden ist, von gierigen Akteuren unterlaufen werden. - Manchmal dauert es gar nur ein paar Tage, und ein neues Gesetz, das Geld sparen soll, ist schon wieder Makulatur.
Peter Müllers Geschichte beginnt, als er 1992 sein Hörgerätegeschäft im Ärztehaus der kleinen Stadt eröffnet. Umgehend macht ihm der neue Nachbar seine Aufwartung. Der HNO-Arzt aus dem zweiten Stock hat Sekt und Blumen mitgebracht. Man stößt an auf gute Zusammenarbeit.
Und die läuft auch gut an. "15 bis 20 Patienten kamen im ersten Monat mit einer Verschreibung für ein Hörgerät zu mir", erzählt Müller.
Doch bald kommt der Nachbar erneut zu Besuch. Ohne Sekt. "Der Arzt wollte mitverdienen: Er verlangte 50 bis 70 Euro pro Hörgerät", sagt Akustikermeister Müller. Sonst, so die unverhohlene Drohung, würde der Arzt eben die Hörgeräte für seine Patienten über den Versandhandel bestellen und sie selbst anpassen. Das war erlaubt.
Müller zahlte, um seine Existenz zu schützen.
Zuzahlung minimieren oder weglassen, dann kommt der Markt, siehe Optikerketten. Vor der Existenz von Fielmann und Co waren brillen ein Luxusgut. Die AKustiker leben, wenn ich deren Läden ansehe, sicher nicht schlecht. Keiner hat eine Garantie auf ein lukratives Geschäft.
ich bin selbst gelernter Hörgeräteakustiker und jetzt praktizierender HNO-Arzt. ich kenne also beide branchen aus dem FF.
Was das Handelsblatt hier schreibt, sind zum Teil alte Kamellen und zum anderen schlampig recherchiert. Kein gutes beispiel für einen seriösen Journalismus. ich würde gerne mal diesen "Journalisten" echte Tatsachen schildern, z. bsp. daß mir in meiner Heimatstadt von jedem Akustiker ungefragt bestechungsangebote gemacht wurden vom ersten Tag meiner Tätigkeit an, nur um sich Marktanteile zu sichern....aber nein....das passt nicht in die schöne Stimmung von korrupten Ärzten.
Richtig ist : Es geht um einen Milliardenmarkt, den die Hörgeräteakustiker für sich alleine haben möchten. Geschützt durch ein antiquiertes Deutsches Handwerksrecht und geschützt durch eine clevere Lobbyarbeit der bundesinnung für Hörgeräteakustiker, die Ärzte grundsätzlich stigmatisiert und diffamiert. Die Krankenkasse haben keine Ahnung, springen aber darauf an.
Die Zukunft : Hörgeräte werden Patienten auf privater basis angeboten. Die Preise konkurrieren in einem freien Wettbewerb mit den Akustikern und die Kassen zahlen für Hörgeräte überhaupt nichts mehr.
Aber so wollen die Akustiker es nicht haben....
Liebes Handelsblatt : so nicht, das ist bild-Niveau!
Der Autorin Frau Steinbuch ist es wohl entgangen, dass seit dem Jahr 2004 selbst für schwer sehbehinderte Mitglieder der AOK über 18 Jahren überhaupt kein Zuschuss zu Sehhilfen wie brillen oder Kontaktlinsen mehr gewährt wird. Es gibt schon lange keine Kassenmodelle mehr, bei denen die Kasse auch nur einen Cent zuzahlt. Selbst Härtefallregelungen sind in diesem bereich abgeschafft. Wie mir eine Angestellte der AOK erklärt hat: Man muss schon fast blind sein, um einen Anspruch auf einen Zuschuss zu haben.
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