Mahnwache in Berlin
„Euer Hass ist unser Ansporn“

Bundespräsident Gauck verurteilt mit deutlichen Worten Terroristen und Fanatiker. Die Mahnwache in Berlin ist nicht riesig groß. Doch groß ist die Einigkeit der Menschen, die ihr Entsetzen über den Terror ausdrücken.
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BerlinSo viel Einigkeit war nie. Muslime, Juden, Christen, betroffene Bürger und Politiker, sie alle haben sich unter dem Eindruck des islamistischen Terrors in Paris zusammengefunden, um auch in Berlin ein Zeichen zu setzen gegen Hass und religiösen Fanatismus. Es sind keine Massen, die vor dem Brandenburger Tor versammelt sind, dafür war diese Mahnwache wohl auch zu kurzfristig anberaumt worden. Aber am Ende ist der Pariser Platz mit 10.000 Menschen gut gefüllt.

Bundespräsident Joachim Gauck, dessen Herzensthema die Freiheit ist, ist froh, dass der Zentralrat der Muslime diese Veranstaltung organisiert hat. Er sagt: „Das ist ein patriotisches „Ja“ zu dem Land, in dem wir gemeinsam leben.“

Doch Gauck will sich nicht dem Vorwurf aussetzen, er kehre die real existierenden Probleme unter den Tisch. Der Bundespräsident sagt, ja, es gibt Fremdenfeindlichkeit in Deutschland. Auch radikale Islamisten und Menschen, die auf der Straße antisemitische Parolen rufen, seien bedauerlicherweise Teil der gesellschaftlichen Realität. Und ja, die Distanz zwischen Einwanderern und Einheimischen sei immer noch zu groß. „Wir alle sind Deutschland“, sagt Gauck. Den Terroristen ruft er entgegen: „Euer Hass ist unser Ansporn.“

Eigentlich wollte man die Bühne in Richtung Straße des 17. Juni aufbauen. Da ist mehr Platz. Doch dort wird gerade ein Zelt für die Modemesse „Fashion Week“ aufgebaut. Das Bild des Brandenburger Tors ist beeindruckend. Säulen und Quadriga leuchten in den Farben der Trikolore. In Sichtweite die französische Botschaft, an der Glasfront im Eingangsbereich ein schwarzes Plakat, in weißer Schrift sind dort die 17 Toten aufgelistet: Mitarbeiter der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, Polizisten und vier jüdische Bürger, die in einem Supermarkt erschossen worden sind.

Viele Teilnehmer der Mahnwache haben sich „Je suis Charlie“-Aufkleber auf die Jacken geklebt. Im Blumenmeer vor der Botschaft liegt ein Schild mit der Aufschrift „Berlin ist Charlie“, auf anderen steht „Liberté“, „Warum?“ und „Meinungsfreiheit ist nicht verhandelbar“. Die geballte politische Prominenz, die auf der Bühne steht, ist auch das Signal, die friedlichen und gemäßigten Muslime zu stärken.

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Klare Kante gegen Pegida

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  • Mahnwache!? ......... Fast mehr Minister als Muslime!

  • Sorry, Schreibfehler:

    „Welcher Islam ist gemeint? Gilt das auch für seine islamistischen und salafistischen Strömungen?“, fragt der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach in der „Saarbrücker Zeitung“.

    Die "dummerhafte" Naivität des Herrn Bossbach muss eine Gegenfrage implizieren:

    Wenn von unser christlich-jüdischen Tradition die Rede ist, sind dann damit auch die fundamentalistischen Christen wie beispielsweise die:
    - Hutaree
    (http://www.stern.de/politik/ausland/terror-im-namen-christi-krieg-gegen-die-vereinigten-staaten-1554798.html)
    - Army of God (AOG)
    oder der Ku Klux Klan gemeint?

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es viele der bei uns lebenden Moslems ziemlich stört, immer wieder mit radikalen Verbrechern in einen Topf geschmissen zu werden und nach ihrer Einstellung zu diesen gefragt zu werden.

  • „Welcher Islam ist gemeint? Gilt das auch für seine islamistischen und salafistischen Strömungen?“, fragt der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach in der „Saarbrücker Zeitung“.

    Die "dummerhafte" Naivität des Herrn Bossbach muss eine Gegenfrage implizieren:

    Wenn von unser christlich-jüdischen Tradition die Rede ist, sind dann damit auch die fundamentalistischen Christen wie beispielsweise die:
    - Hutaree
    (http://www.stern.de/politik/ausland/terror-im-namen-christi-krieg-gegen-die-vereinigten-staaten-1554798.html)
    - Army of God (AOG)
    oder der Ku Klux Klan gemeint?

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es viele der bei uns lebenden Moslems ziemlich stört, immer wieder mit radikalen Verbrechern in einen Topf geschmissen zu werden und nach ihrer Einstellung zu diesen gefragt zu werden.

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