Maischberger-Talk zu Guttenberg
Messias im Stahlgewitter

Der Abschreiber bittet um Absolution, bei Sandra Maischberger bekommt er sie. Zur Erklärung des Phänomens Guttenberg gehört eben auch die Erkenntnis, dass alle ihn brauchen.
  • 13

Was tun, wenn der Messias am Ende keiner ist? Es ist wohl die Angst vor dem vorzeitigen Aus der Prophezeiung, die Union und Guttenberg-Fans in diesen Tagen erzittern lässt. Da steht sie nun die Lichtgestalt der deutschen Konservativen - ohne Doktortitel und in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise. Peinlich, peinlich ist die Copy-Paste-Affäre für einen Mann, an dem alle bisherige Kritik abgeflossen ist wie von einer Teflon-Beschichtung. Der telegene Adelige und seine schöne Frau, die Deutschland ein bisschen vom Glanz und von der Eleganz der Obamas träumen lassen – und die Union von einer gesicherten weiteren Kanzlerschaft. 

Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Was wird nun aus ihm? Fehler eingestanden, aber Rücktritt ausgeschlossen?

Auf Sandra Maischbergers Ledersofas nimmt sich am späten Dienstagabend eine lustige Runde der Frage an „Der Schummelbaron – Frechheit siegt?“ Es plaudern ein  österreichischer Kabarettist, der wenig Respekt hat vor dem "Akademikerschmarrn", eine Guttenberg-Biographin, die weiter an seine Ehrlichkeit glaubt, eine ehemals grüne Baronin, die heftig über den Adel schimpft und ein Historiker, der den Freiherrn zwar persönlich „sehr mag“, aber als Wissenschaftler für eine „ziemliche Null“ hält. Hinzu kommen eine Journalistin, die wenig Schuldbewusstsein beim Abschreiber ausmacht sowie ein CSU-Abgesandter, der Guttenberg im „Stahlgewitter“ beistehen will.

Die Christsozialen haben Norbert Geis geschickt. Es ist nicht der erste Auftritt des Bundestagsabgeordneten bei „Menschen bei Maischberger“. Das letzte Mal ging es um die Rechte von Schwulen und Lesben, heute eben um Guttenberg. Es scheint, als habe von der CSU sonst keiner Zeit gehabt. Ist auch egal. Alle stehen sowieso hinter dem Minister, versichert Geis. „In diesem Stahlgewitter, das gerade auf Herrn zu Guttenberg einprasselt, hat er unsere volle Unterstützung.“ Guttenbergs Parteifreund hält die Plagiatsvorwürfe vielmehr für eine üble Schmutzkampagne. „Das ist der Versuch, einen beliebten Mann klein zu kriegen.“ In seiner Dissertation stünden schließlich auch ganz wunderbare Stellen drin. „Der Mann kann es.“

Seite 1:

Messias im Stahlgewitter

Seite 2:

Kommentare zu " Maischberger-Talk zu Guttenberg: Messias im Stahlgewitter"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Tokidoki45

    ........ was spricht dagegen! Der Adel bekommt das regieren und reprästieren eben schon in die Wiege gelegt. Wenn ich mir unsere linken Strategen hingegen anschaue, die müssen sich es mühsam aneignen bzw. lernen es nie! Deshalb: Schuster bleib bei deinen Leisten!

    Pro parlamentarische Monarchie!

  • ...es ist richtig, dass die Medien auf dem linken Auge blind sind und hier fast alles durchgehen lassen (für mich war Joseph Fischer schlicht nicht ministrabel). Allerdings hat sich Guttenberg nicht gerade intelligent verhalten und seine eigenen Ansprüche weit verfehlt...

  • @Carlosanton
    ........ dann müsste man die ganzen Alt-68er und Ökostalinisten im Reichstag mit Hausverbot versehen ........ denke der Plenarsaal wäre dann leergefegt!

    Die Hetzkampagne gegen Guttenberg ist difam ....... man schlachtet nicht die Kuh, die am meisten Milch gibt!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%