Manager gehen ohne überzogene Erwartungen in ein heute geplantes Treffen mit der Unions-Kanzlerkandidatin
Merkel bemüht sich um die Wirtschaft

CDU-Chefin Angela Merkel wirbt bei den Führungskräften der deutschen Wirtschaft verstärkt um den reformpolitischen Kurs der Union. Wie eine Sprecherin Merkels am Sonntag bestätigte, trifft die Kanzlerkandidatin heute Abend hochkarätige Wirtschaftsvertreter zu einem vertraulichen Gespräch. Gleichzeitig verdichteten sich die Hinweise, der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer werde dem Kompetenzteam Merkels angehören.

sig/zel/pot BERLIN. Die Manager gehen allerdings ohne allzu große Erwartungen in das Treffen. "Frau Merkel will wohl lediglich das Unions-Programm vorstellen - das steht aber ohnehin schon fest", hieß es nach Informationen des Handelsblatts. Wie weiter zu erfahren war, nimmt Daimler-Chrysler-Vorstand Rüdiger Grube teil, der für die Konzernstrategie zuständig ist. WestLB-Chef Thomas Fischer kommt auch - in seiner Funktion als Chef des Bundesverbandes der öffentlichen Banken Deutschlands (VÖB). Ob Allianz-Chef Michael Diekmann dabei ist, war wegen des engen Terminkalenders noch unklar. Für die Deutsche Bank wird wohl Hermann-Josef Lamberti teilnehmen.

Spätestens seit der Vorlage des Union-Wahlprogramms reift bei vielen Unternehmern die Erkenntnis, dass Merkel nicht als "deutsche Maggie Thatcher" an die Macht strebt und dass der deutsche Sozialstaat nach einem Regierungswechsel kaum so radikal umgestaltet werden dürfte, wie es der CDU-Wirtschaftsrat fordert. Dabei ist vielen noch der wirtschaftspolitisch "weich gespülte" Hoffnungsträger und Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber bei der letzten Bundestagswahl in Erinnerung. Der Gesundheitskompromiss zwischen CDU und CSU, sowie der Rücktritt von Friedrich Merz hatte für zusätzliche Enttäuschung auf der Seite der Wirtschaftsvertreter gesorgt.

In Erwartung des Regierungswechsels äußerten sich die Chefs der Unternehmensverbände nach der Präsentation des Wahlprogramms am vergangenen Montag ausgewogen. Noch relativ moderat las sich die Kritik der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt begrüßte zwar die von der Union geplante Lockerung des Kündigungsschutzes und die Erleichterung von betrieblichen Bündnissen für Arbeit. Allerdings verlangte auch Hundt, dass vor einer Mehrwertsteuererhöhung erst einmal Strukturreformen die Ausgaben der Sozialversicherungen senken müssten. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, vermisst eine klare Linie. Ein hochrangiger Verbandsvertreter äußerte zudem die Befürchtung, unter Merkel werde man nur ein "Player unter vielen" sein. "Die Zeiten des Interventionisten Gerhard Schröder, der die Verbände immer gebraucht hat, sind dann Vergangenheit."

Wie die Sprecherin Merkels betonte, setzt das Treffen mit Merkel bereits regelmäßig stattfindende Gespräche fort. Als Teilnehmer werden dabei immer wieder Jürgen Kluge, der Deutschland-Chef von McKinsey genannt. Zudem werden Alexander Dibelius, Deutschland-Chef von Goldman Sachs, Hubertus Erlen (Schering), Leonhard Fischer (Winterthur) und BASF-Chef Jürgen Hambrecht gute Beziehungen zur CDU-Chefin nachgesagt.

Die seit Jahren bestehenden Kontakte zum Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer haben am Wochenende erneut Spekulationen aufleben lassen, Merkel könnte den CSU-Mann als mögliches Kabinettsmitglied im Auge haben. Zum wiederholten Mal hätten sich Merkel und der Siemens-Aufsichtsratsvorsitzende in Berlin getroffen, berichtet "Der Spiegel". Festgelegt habe sich Pierer, der sich derzeit im Auftrag von Bundeskanzler Gerhard Schröder auch um ausländische Investitionen in Deutschland kümmert, bisher nicht. Für bundespolitische Spitzenjobs war der erfolgreiche Unternehmer immer wieder im Gespräch. Selbst in der Diskussion um einen Unionskandidaten für die Wahl zum Bundespräsidenten fiel im Frühjahr 2004 Pierers Name, damals allerdings ohne Merkels Zutun.

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