Managergehälter à la Winkelmann
Grüne nehmen Topmanager ins Visier

Zündstoff für die Jamaika-Gespräche: Die Grünen wollen die Begrenzung von Managergehältern auf die Agenda setzen – wegen der Gehaltsgarantie für Air-Berlin-Chef Winkelmann. Union und FDP sehen keinen Handlungsbedarf.
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BerlinDie umstrittene Gehaltsgarantie für den Chef der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin, Thomas Winkelmann, hat eine neue Debatte über die Vergütung von Managern ausgelöst. Grüne und SPD wollen das Thema in der neuen Legislaturperiode auf die Tagesordnung setzen. „Der Fall Winkelmann zeigt, dass unser Vergütungssystem für Führungskräfte dringend reformiert werden muss“, sagte die Grünen-Wirtschaftspolitikerin Kerstin Andreae dem Handelsblatt.

Nötig seien „bessere Regeln für mehr Transparenz und Fairness in den Unternehmen“. Managerbezüge, so die Bundestagsabgeordnete, „müssen angemessen und am langfristigen Erfolg des eigenen Unternehmens ausgerichtet werden“. Das funktioniere nur mit „verbindlichen“ Regeln.

Auch die SPD sieht gesetzgeberischen Handlungsbedarf. Mit Blick auf die spezielle Gehaltsreglung des Air-Berlin-Chefs sagte der neue Parlamentarische Geschäftsführer der Sozialdemokraten, Carsten Schneider, dem Handelsblatt: „Dieser Vorgang unterstreicht die Notwendigkeit unserer Gesetzesinitiative zur Begrenzung der Managergehälter aus dem Frühjahr, die CDU und CSU blockiert haben. Wir werden auch die neue Koalition wieder damit konfrontieren.“

Managergehälter sind seit Jahren ein Reizthema, weil der Abstand zu den Bezügen einfacher Angestellter zunimmt. Damit wachsen auch die Abfindungen, die immer wieder für Empörung sorgen. VW versüßte im Januar seinem Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt den Abschied nach nur etwas mehr als einem Jahr mit über zwölf Millionen Euro. Winkelmanns Vorgänger bei Air Berlin, Stefan Pichler, ging mit einer Abfindung von 1,5 Millionen Euro. Auch Berlins Flughafenchef Rainer Schwarz erstritt nach dem BER-Debakel noch eine Million.

Im Fall Winkelmann ließ sich schon vor der Insolvenz der Airline im Geschäftsbericht nachlesen, wie sich sein Gehalt zusammensetzt. Der frühere Lufthansa-Manager erhält ein Grundgehalt von 950.000 Euro, mit Boni kann es das Doppelte werden. Bei einer Kündigung wird das Grundgehalt weitergezahlt – bis zum Vertragsende nach vier Jahren. Ein branchenüblicher Vertrag, wie Air Berlin betont und jede Kritik zurückweist. Bis zu 4,5 Millionen Euro stehen Winkelmann zu, abgesichert sogar durch eine Bankgarantie.

Kritik entzündete sich vor allem auch deshalb, weil die Bundesregierung der Fluggesellschaft einen Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro gegeben hat, damit der Flugbetrieb noch bis Ende Oktober aufrechterhalten werden kann. Den Zusammenhang sieht Air Berlin jedoch unkritisch und verweist auf seinen Großaktionäre Etihad. „Die von Etihad gestellte Bankgarantie geht nicht zu Lasten der Masse der insolventen Air Berlin und damit nicht zu Lasten der Mitarbeiter und der Kunden. Sie geht auch nicht zu Lasten der Steuerzahler.“ Außerdem betont das Unternehmen, Winkelmann arbeitet daran, möglichst vielen Mitarbeitern Jobperspektiven zu verschaffen.

Die Grünen haben konkrete Vorstellungen über gesetzliche Vorgaben für Managervergütungen – nachzulesen in ihrem Wahlprogramm zur Bundestagswahl. Darin fordern sie etwa, die „Mitfinanzierung von überhöhten Gehältern, Abfindungen und Versorgungszusagen“ durch die Bürger zu begrenzen. Konkret soll die steuerliche Abzugsfähigkeit von Abfindungen bei einer Million Euro pro Kopf gedeckelt werden, jene von Gehältern bei 500.000 Euro pro Jahr und Kopf. Das sei etwa das 30-fache des gesetzlichen Mindestlohns, heißt im Programm der Grünen. Erfolgsbeteiligungen sollen demnach „grundsätzlich an den langfristigen Erfolg des Unternehmens anknüpfen“.

Wie die Grünen hatte sich auch die SPD in ihrem Wahlprogramm gegen hohe Managergehälter positioniert. Mit der Begründung, dass Vorstandsvergütungen in den Unternehmen sich in einer sozialen Marktwirtschaft in einem „angemessenen Verhältnis zu den durchschnittlichen Löhnen“ der Beschäftigten befinden sollten. Da viele Manager aber das 50- oder gar 100-fache ihrer Beschäftigten verdienten, werde man „die steuerliche Absetzbarkeit von Managergehältern auf 500.000 Euro begrenzen“, heißt es in dem Programm.

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