Managergehälter
Eick-Abfindung empört Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich empört über die erwartete 15-Millionen-Euro-Zahlung an Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick geäußert. Angesichts dieser und anderer teils exorbitanter Zahlungen an Manager brachte sie weitere Gehaltsgrenzen für die Wirtschaftseliten ins Gespräch.

HB BERLIN. „Wenn jemand, der ein insolventes Unternehmen leitet, für sechs Monate Arbeit das gesamte Gehalt für fünf Jahre bekommt, wie der Herr Eick in Höhe von 15 Millionen, dann habe ich dafür absolut kein Verständnis“, sagte die CDU-Chefin am Dienstag in einem Interview des Bayerischen Rundfunks. „Da muss man überlegen, was man da machen kann.“

Eick soll mit den Gesellschaftern der Privatbank Sal. Oppenheim ausgehandelt haben, dass er sein gesamtes Gehalt auch dann ausgezahlt bekommt, wenn sein Vertrag vorzeitig endet. Sal. Oppenheim ist neben Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär von Arcandor.

Sie kritisierte darüber hinaus die Praxis einiger Banker, die neuen gesetzlichen Verdienstregeln zu umgehen und nannte dabei die Commerzbank, an der der Staat beteiligt ist. „Wir haben viel Ärger mit Altverträgen, wo die Leute, kurz bevor wir unsere Regeln verabschiedet haben, noch gute Zahlungen arrangiert haben“, sagte die Kanzlerin. „Das finde ich moralisch nicht in Ordnung.“ Rechtlich sei es allerdings schwer zu unterbinden.

Merkel verteidigte die neuen Bonus-Regeln für Manager, nach denen die Sonderzahlungen für vier Jahre zurückgestellt und vom Erfolg des Unternehmens abhängig gemacht werden. Diese enthielten somit eine Malus-Regelung, denn bei mangelndem Erfolg würden die Boni nicht ausgezahlt. Gleichwohl sagte sie, die in der Schweiz und Frankreich eingeführten Malus-Systeme seien so interessant, dass man sie bei den anstehenden internationalen Beratungen der G-20 noch einmal genauer anschauen solle.

Beim zahlungsunfähigen Reise- und Touristikkonzern Arcandor übernimmt heute der designierte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg das Ruder. Das Amtsgericht Essen eröffnet aller Voraussicht nach die Insolvenzverfahren über die Arcandor-Gesellschaften. Damit fällt das Insolvenzgeld weg, das drei Monate lang von der Bundesagentur für Arbeit gezahlt wurde. Die Gesellschaften rund um die Karstadt-Warenhäuser und den Versender Quelle müssen sich also selbst finanzieren.

Für Konzernchef Eick scheinen zudem ein halbes Jahr nach Amtsantritt die Tage in Essen gezählt. Unternehmenskreisen zufolge wird er sein Amt zeitnah aufgeben. Auch andere Vorstände dürften demnach ihren Posten räumen.

Nachdem die Suche nach einem Ankerinvestor für Arcandor gescheitert war, will Görg nun getrennt für die Warenhaussparte Karstadt und das Versandhandelsgeschäft Primondo rund um die Fürther Quelle Investoren finden. Auch vom Verkauf des an Banken verpfändeten 43-Prozent-Anteil am Reisekonzern Thomas Cook sollen die Gläubiger profitieren. Görg will in der ersten Novemberhälfte den Gläubigerversammlungen seine Sanierungskonzepte vorlegen.

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