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Managergehälter: Nur die Familienunternehmer loben Merkels Vorstoß

exklusivDie Kanzlerin will nun doch eine gesetzliche Neuregulierung von Managergehältern. Bei den Familienunternehmer erntet Angela Merkel dafür Zustimmung - aber heftigen Gegenwind im Rest der Wirtschaftswelt.

Lutz Goebel, Präsident der Familienunternehmer, verteidigt den Managergehälter-Vorschlag von Kanzlerin Merkel gegen Kritik vom Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Quelle: PR
Lutz Goebel, Präsident der Familienunternehmer, verteidigt den Managergehälter-Vorschlag von Kanzlerin Merkel gegen Kritik vom Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Quelle: PR

BerlinAuf den Vorstoß von Kanzlerin Angela Merkel, eine Regulierung von Managergehältern noch in diesem Jahr durchzusetzen, hat der Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) mit scharfer Kritik reagiert. „Mit den Plänen zur gesetzlichen Neuregulierung bei der Vorstandsvergütung liefert die Regierung einen echten Wahlkampf-Schnellschuss“, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo „Spiegel Online“. „In Deutschland besteht kein Bedarf für eine gesetzliche Neuregulierung.“

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Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich dafür ausgesprochen, noch in dieser Wahlperiode gesetzlich gegen zu hohe Managergehälter vorzugehen. „Maßlosigkeit darf in einer freien Gesellschaft nicht sein“, sagte sie. Merkel plädiert dafür, die Begrenzung durch eine Stärkung der Hauptversammlungen zu erreichen.

Welche Regeln es in Deutschland für Vorstandsgehälter gibt

  • Vorgaben des Aktienrechts

    In Deutschland macht das Aktienrecht börsennotierten Unternehmen eher vage Vorschriften beim Gehalt der Vorstandsmitglieder. Deren Gesamtbezüge müssten zum Beispiel „in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben und Leistungen des Vorstandsmitglieds“ sowie zur Lage des Unternehmens stehen, heißt es.

  • Der Aufsichtsrat

    Festgelegt werden die Vorstandsgehälter in Deutschland vom Aufsichtsrat. Die Aktionäre können laut einer Gesetzesänderung 2009 über das Vergütungssystem auf der Hauptversammlung abstimmen, der Beschluss begründet aber „weder Rechte noch Pflichten“.

  • Corporate Governance Kodex

    Etwas umfassender sind die Vorschläge der Regierungskommission zur guten Unternehmensführung im sogenannten „Corporate Governance Kodex“. Die Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, öffentlich zu machen, ob sie diesen Empfehlungen gefolgt sind oder nicht.

    Kriterium für die Gehälter sollte demnach auch „die Üblichkeit der Vergütung unter Berücksichtigung des Vergleichsumfelds und der Vergütungsstruktur, die ansonsten in der Gesellschaft gilt“, sein. Falls ein Manager vorzeitig geht, sollen Abfindungszahlungen auf maximal zwei Jahresvergütungen beschränkt werden.



  • Kodex-Verschärfung

    Dieser Kodex soll nun aber verschärft werden, bis hin zur Empfehlung einer Deckelung der Gehälter. Die Höchstgrenzen müsste dann der jeweilige Aufsichtsrat festlegen. Dazu gibt es Änderungsvorschläge, zu denen jeder Bürger per E-Mail an den Vorsitzenden der Regierungskommission, Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, bis zum 15. März Stellung nehmen kann.



  • Transparenz

    Seit einigen Jahren veröffentlichen große börsennotierte Konzerne gemäß den Empfehlungen des Kodex' die Gehälter des Top-Managements im Geschäftsbericht, früher war dies nicht üblich. Seither wird über die Millionengehälter der Dax-Vorstände auch lebhaft diskutiert. Die Hauptversammlung kann mit einer Dreiviertelmehrheit die Veröffentlichung verhindern.

Grillo warf der Bundesregierung vor, die eigene Politik in Frage zu stellen. „Damit konterkariert sie ihre bisherigen Bemühungen“, sagt der BDI-Präsident. „Vor einigen Jahren hat sie die Verpflichtung des Aufsichtsrats auf die Einhaltung der Angemessenheit noch weiter geschärft. Mit Erfolg, denn die Sensibilität bei den Verantwortlichen in Deutschland ist ausgeprägt. Vorstände und Aufsichtsräte agieren verantwortungsbewusst, die Durchschnittsgehälter für Vorstände in deutschen Unternehmen sind erheblich niedriger als bei vergleichbaren Unternehmen in der Schweiz oder den USA.“ Im Übrigen könne schon heute die Vergütung durch die Hauptversammlung diskutiert werden. Dabei würden regelmäßig „hohe Zustimmungsergebnisse“ erzielt, sagt Grillo.

Merkel zu Managergehältern „Maßlosigkeit darf nicht sein“

Die Kanzlerin gibt in der Debatte über Managergehälter ihre Zurückhaltung auf. Noch vor einer Woche wurden Anti-Abzock-Initiativen für unrealistisch gehalten. Jetzt soll bis Sommer eine gesetzliche Regelung her.

Die Familienunternehmer hingegen verteidigen den Vorschlag  von Kanzlerin Merkel: „Der Vorstoß von Frau Merkel ist richtig. Auch international aufgestellte Aktiengesellschaften bewegen sich nicht im luftleeren Raum“, sagte Lutz Goebel, Präsident der Familienunternehmer, dem Handelsblatt. Die Aktionäre seien die Eigentümer der Unternehmen, in ihrer Hand lägen  Risiko und Haftung und nicht bei den Aufsichtsräten.

„Bei Lichte betrachtet, sind Vorstände auch nur Angestellte“, sagte Goebel und geht damit auf Distanz zum BDI. Die  Familienunternehmer erwarteten dagegen von den Gremien der großen Aktiengesellschaften mehr Sensibilität. „Sie müssen die mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz für extreme Gehaltssteigerungen in Krisenzeiten berücksichtigen“, sagte Goebel.

  • 14.03.2013, 15:42 Uhrkuac

    Merkel will die Managergehälter deckeln? Was für ein Wendehals!
    Mir fallen spontan über Merkels Wendehalsigkeit noch folgende Sachen ein. Die Liste ist bestimmt länger.
    Erst Atomenergie Befürworterin und jetzt Gegnerin.
    Erst kein Mindestlohn und jetzt doch Mindestlohn.
    Erst kein EU Beitritt der Türkei, jetzt doch möglich.
    Erst keine Gleichstellung zwischen Hetero-Ehen und Homo-Ehen und jetzt doch.

  • 14.03.2013, 17:04 Uhrhermann.12

    Ich verstehe die Kritik nicht, wenn schon heute hohe Zustimmung in den Hauptversammlungen erzielt wird, dann gibt es doch nichts zu befürchten, also wo ist das Problem Herr Goebel? Oder stimmt die Aussage so doch nicht?

    Der Vorstoss ist richtig und trifft die Richtigen. Dabei war es zu erwarten, dass die Betroffenen anderer Meinung sind. Ob international noch höhere Summen gezahlt werden, spielt im Grunde genommen keine Rolle, unser System unterscheidet sich eben von dem der meisten westlichen Industriestaaten durch eine deutlich erhöhte Kontrolle.
    Auch die Bedenken, das würde dem Standort schaden ist nicht schlüssig. Ich vermute eher das Gegenteil, das mit sinkenden Managergehältern die Wirtschaft eher einen Aufschwung nimmt, weil der Druck zu kurzfristigem Erfolg abnimmt, das Interesse langfristiger den Posten einzunehmen zunimmt.
    Man kann von den Betroffenen aber kaum erwarten, das sie das ähnlich sehen. Da genügen schon die Interviews mit den Betroffenen in den letzten 15 Jahren, um festzustellen, dass diese ihre Bedeutung für die Unternehmen maßlos überschätzen. Wenn Manager glauben das 80- 90% des Unternehmenserfolges Ihnen persönlich zuzurechen ist, dann muss man sich bei soviel Hybris über nichts wundern.
    Sicher kann ein guter Manager ein sehr wichtiges Element darstellen, aber meistens wird heutzutage ihr Mehrwert, durch ihre Inkompetenz bei der Unternehmensorgansitation regelmäßig überkompensiert. Eitelkeit und Zentralisierung verhindert den Einsatz von Kompetenz vor Ort, was regelmäßig zu massiven Minderleistungen und manchmal geradezu irrwitzigen Kosten im Detail führt, die sich entsprechend aufsummieren. Mehr als einen sechstelligen Betrag kann man man deshalb mit dem persönlichen Beitrag gar nicht erwirtschaften, der Rest ist eine Prämie für Macht und Gefälligkeit, nicht für Produktivität.

    Ich bin sonst eher gegen solche Einmischungen, aber hier sind sie einmal extrem sinnvoll.

    H.

  • 14.03.2013, 20:35 UhrNachwuchs

    Managergehalt darf niemals höher sein 500.000,00 im Jahr incl. aller Boni usw.. Höher nur, wenn Sie alle Verluste dann persönlich selber tragen. Ich denke da an VW, BMW, Telekom, Daimler usw.. In den verträgen muss zwingend stehen: zum Wohl der Firma und nicht wie jetzt: der Firma schaden!

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