Managergehälter sprengen alle Vorstellungen
Evangelische Kirche kritisiert Großkonzerne

Die Evangelische Kirche hat Teilen der deutschen Wirtschaft mangelndes gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein und Maßlosigkeit bei der Bezahlung von Managern vorgeworfen.

HB BERLIN. Besonders in Großkonzernen drehe sich das Denken scheinbar oft nur um den Aktienkurs, sagte Huber der „Berliner Zeitung“ (Samstag). Zufriedenheit von Mitarbeitern oder Kunden stünden dahinter zurück. Diese Mentalität müsse dringend beendet werden, forderte der Bischof von Berlin-Brandenburg. „Wer allein am Aktienkurs die Leistung von Managern misst, verliert an Glaubwürdigkeit.“

Huber kritisierte zugleich eine Maßlosigkeit bei der Bezahlung von Spitzenmanagern. „Es gibt Großkonzerne, in denen das Management Gehälter bezieht, deren Höhe jedes normale Maß übersteigt.“ Das Durchschnittseinkommen in Deutschland liege bei rund 40 000 Euro im Jahr. „Wenn ein Manager 20 Millionen Euro im Jahr verdient, sprengt das jede Vorstellung von Gerechtigkeit“, sagte Huber. Zu Recht werde beim Abbau von Arbeitsplätzen die Frage gestellt, wie viele Jobs sich von einem solchen Gehalt sichern ließen. Es sei aber nicht fair, die Wirtschaft im Großen und Ganzen mit solchen Entwicklungen gleich zu setzen, sagte der EKD- Ratsvorsitzende. Es gebe viele Unternehmen, die sich stark für den Erhalt der Arbeitsplätze einsetzten.

In der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Samstag) rief der Bischof Staat und Wirtschaft zu einer aktiveren Arbeitsmarktpolitik auf. Der derzeitige Aufschwung müsse wesentlich stärker dafür genutzt werden, Arbeitsplätze zu schaffen. Huber appellierte auch hier an die Wirtschaft: „Die verbesserte Rendite sollte in Arbeitsplätze investiert und nicht nur abgeschöpft werden.“ Die Hoffnung, dass der normale erste Arbeitsmarkt alles regeln könne, trüge jedoch vor allem für Menschen über 50. „Deshalb sollte es neben dem ersten Arbeitsmarkt und neben dem zweiten Arbeitsmarkt mit seinen zeitlich befristeten, besonderen Arbeitsverhältnissen noch einen dritten Arbeitsmarkt geben, der insbesondere älteren Arbeitslosen einen Neubeginn ermöglicht“, sagte Huber.

Nach einem Bericht der in Hannover erscheinenden „Neuen Presse“ (Samstag) gibt es in der SPD Überlegungen für einen öffentlich geförderten Beschäftigungssektor für Langzeitarbeitslose. SPD- Generalsekretär Hubertus Heil sagte der Zeitung, es werde immer Menschen geben, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben. „Für diese Menschen wollen wir sinnvolle Tätigkeiten auf einem sozialen Arbeitsmarkt schaffen anstatt ihre Arbeitslosigkeit zu finanzieren.“ Im Frühjahr werde es dazu konkrete Vorschläge für Projekte auf kommunaler Ebene gegen, für die der Bund auch die finanziellen Voraussetzungen schaffen müsse.

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