Manfred Wennemer
Der sture Westfale

Er gilt als sturer Kopf. Schon als Continental-Chef war Manfred Wennemer kein Diplomat und stritt vehement für seine Meinung. Als Vertreter der Bundesregierung im Beirat des Opel-Treuhändergremiums soll der Westfale sein Verhandlungsgeschick für das öffentliche Interesse einsetzen.

HANNOVER. Diplomatie hat ihm noch keiner vorgeworfen, im Gegenteil. In seinen sieben Jahren als Chef des Hannoveraner Autozulieferers und Reifenproduzenten Continental eckte Manfred Wennemer lautstark an. Vor allem mit Betriebsräten und Gewerkschaftern der IG BCE zoffte sich der gelernte Mathematiker. Der Streit eskalierte in der Auseinandersetzung um die Pkw-Reifenproduktion im Stammwerk Hannover-Stöcken, die Wennemer kompromisslos nach Osten verlagern wollte. Das wirkte unmenschlich, obwohl er in der Sache recht hatte, räumen Vertraute ein.

Das Problem: Hat sich der sture Westfale eine Meinung gebildet, lässt er sich von niemandem davon abbringen. Seine neue Aufgabe als Vertreter der Bundesregierung im Beirat des Opel-Treuhändergremiums, zu dem er gestern auf der konstituierenden Sitzung ernannt wurde, wird zwangsläufig politisches Geschick erfordern. Mit Wennemer kehrt ein 61-Jähriger auf die Bühne zurück, dessen automobile Sachkenntnis und scharfer Verstand im Vorruhestand schlecht aufgehoben waren. Conti verließ er im August 2008 im Zorn und mit einer Abfindung von sieben Mio. Euro. Der knorrige Manager mit der klobigen Brille nahm seinen Hut, nachdem er die Abwehrschlacht gegen das Familienunternehmen Schaeffler verloren hatte.

Wennemer verletzte besonders, dass ihn sein langjähriger Chefaufseher Hubertus von Grünberg im Stich ließ. Der sonst so kühle Wennemer fuhr im Kampf gegen Schaeffler auch verbal aus der Haut, geißelte das „Anschleichen“ der Familie. Als Schaeffler sich später – Wennemer dürfte nicht böse drum gewesen sein – mit dem einstigen Verbündeten von Grünberg überwarf, war sich Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger nicht zu schade, Wennemer einen Beraterposten zur Ausgründung der Reifensparte anzubieten. Doch der lehnte postwendend ab. Zur Zwangsehe zwischen Conti und Schaeffler hat er sich öffentlich seit seinem Abgang nicht geäußert. Seine Erfolge als Conti-Chef wollte er 2007 mit der Übernahme des Automobilzulieferers VDO krönen. Doch an dem elf Mrd. Euro schweren Deal verhoben sich die Niedersachsen, der Aktienkurs sank in der Folge dramatisch und bot Schaeffler ein Einfallstor.

Bei der traditionellen Schaffermahlzeit Anfang Februar in Bremen trat Wennemer als bestens informierter und verdrahteter Privatmann im Frack auf. Die Zeit ist vorbei. Nicht nur die Augen der automobilen Öffentlichkeit werden sich nun wieder auf Manfred Wennemer richten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hätte kaum einen unbeugsameren Verfechter der öffentlichen Interessen finden können.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%