Mangelnde Zusammenarbeit
Schleswig-Holstein warnt vor Scheitern der Energiewende

Schleswig-Holsteines Wirtschaftsminister Jost de Jager fordert eine bessere Zusammenarbeit der Bundesländer bei der Energiewende. Andernfalls drohe der Umbau der Energieversorgung zu scheitern.
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BerlinDie Energiewende droht an mangelnder Zusammenarbeit der Bundesländer zu scheitern. „Wir haben zu viele Kosten und zu wenig Koordination“, sagte der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) dem Handelsblatt. Das Bundesland spielt als Standort für die Windkraft und beim Ausbau der Netze eine Schlüsselrolle.

De Jager befürchtet, dass Industriestandorte und Ballungszentren irgendwann nicht mehr die benötigten Energiemengen abrufen können. Die Länder seien daher gefordert, ihre Arbeit besser aufeinander abzustimmen, sagte de Jager. Der CDU-Politiker ist derzeit Vorsitzender der Wirtschaftsministerkonferenz der Länder.

Die Länder richteten ihre Strategien auf unterschiedliche Zeithorizonte und auf unterschiedliche Ziele aus, kritisierte de Jager. „Wir laufen Gefahr, uns zu verzetteln.“ Der Wildwuchs müsse ein Ende haben.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) setzt zwar mit der Höhe der Einspeisevergütung einen bundeseinheitlichen Rahmen für die Förderung der Stromgewinnung aus Wind, Sonne, Wasser, Biomasse und Geothermie. Tatsächlich haben aber viele Länder zusätzliche Förderprogramme aufgelegt oder sie locken durch großzügige Ausweisung von Flächen Investoren an.

Sie verfolgen damit Ziele, die weit über denen der Bundesregierung liegen. So will etwa das Land Brandenburg bis 2020 einen Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von 90 Prozent erreichen. Ziel der Bundesregierung ist ein Anteil der Erneuerbaren von 35 Prozent im Jahr 2020.

Der Ausbau der Erneuerbaren müsse sich an objektiven energiewirtschaftlichen Parametern orientieren und nicht an regionalem Kirchturmdenken, forderte de Jager. Er empfiehlt, den weiteren Vollzug der Energiewende auf Basis des Netzentwicklungsplanes zu steuern, den die Übertragungsnetzbetreiber Anfang Juni vorlegen werden.

Nach Auffassung de Jagers muss sich der Ausbau der Erneuerbaren an den natürlichen Potenzialen ausrichten, damit die Kosten des Umbaus begrenzt werden können. Dieses Ziel werde gefährdet, „wenn etwa Baden-Württemberg den Bau von Windanlagen an ungeeigneten Standorten forciert oder Bayern in großem Stil Photovoltaik-Anlagen hochzieht, die im Vergleich zu norddeutschen Windparks weniger Effizienz bieten und mehr Subventionen verschlingen“.  

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • @SteuerklasseEins

    Und, wie fühlt sich das an?

    Ich weiss es, so haben wir uns 30 Jahre lang gefühlt - die Macht hatten andere, die über unsere Köpfe weg entschieden haben.

    Ich hätte da aber ein _funktionierende_ Idee: Fangen Sie an mit kleinen Buttons auf denen "Atomkraft, ja bitte!" steht, bringen Sie Menschen auf die Strasse, gründen Sie eine Partei, bringen Sie die deutsche Bevölkerung auf Ihre Seite ...

    Das dauert zwar 30 Jahre, funktioniert aber _erwiesenermaßen_.

  • "Mangelnde Zusammenarbeit" scheint der neue politisch korrekte Begriff dafür zu sein, daß man sämtliche Sachverständige der bestehenden Stromwirtschaft als "Lobby der bösen Stromkonzerne" verteufelt und systematisch von der Teilnahme an der Zukunftsplanung ausschliesst - sie dürfen nur zahlen, nicht mitreden. Es gilt praktisch wieder die Regel "trau keinem über 30" - das hatten wir schonmal.

  • "Keiner in Deutschland spart Energie , im gegenteil !!!"

    Oh, da kennen Sie mein mir anvertrautes Weib aber schlecht, die hier im Haus eine kleine Stromspardikatur eingerichtet hat ;-)

    Wenn Ihnen die Ausrufezeichen ausgehen, ich habe hier ein paar, die ich zur Not spenden könnte.

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