"Mann für heikle Fälle"
Schröder würdigt Wischnewski als „großen Staatsmann“

Kanzler Gerhard Schröder hat den verstorbenen SPD-Politiker Hans-Jürgen Wischnewski als „großen Staatsmann“ gewürdigt. „Ben Wisch“ habe schon früh die strategische Bedeutung der deutsch-arabischen Beziehungen erkannt, sagte Schröder am Freitag in Berlin.

HB BERLIN. Er habe sich in „zupackender Weise“ als „Brückenbauer“ hervorgetan und den Dialog zwischen den Kulturen vorangetrieben und sich damit, „hohes Ansehen auch in der arabischen Welt erworben“. Schröder: „Dass ich einen persönlichen Freund verliere, will ich nicht verschweigen.“

Der 82-jährige Hans-Jürgen Wischnewski war am Donnerstag in Köln gestorben. SPD-Chef Franz Müntefering würdigte den wegen seiner exzellenten Kontakte in die arabische Welt als „Ben Wisch“ bekannten Wischnewski als außergewöhnlichen Politiker.

„Seine menschliche Art und seine politischen Fähigkeiten haben ihn über Parteigrenzen und über Landesgrenzen hinaus zu einem der beliebtesten und anerkanntesten Politiker der vergangenen Jahrzehnte gemacht“, erklärte Müntefering. Der am 24. Juli 1922 im ostpreußischen Allenstein geborene Wischnewski galt vor allem dank seines diplomatischen Geschicks lange als Mann für heikle Fälle. Den meisten Menschen ist er als „Held von Mogadischu“ in Erinnerung, ein Titel, den er selbst von sich wies: Im Oktober 1977 schaffte er durch sein Verhandlungsgeschick die Grundlage dafür, dass die Grenzschutzeinheit GSG 9 in der somalischen Hauptstadt die entführte Lufthansa-Maschine „Landshut“ erstürmen und 90 Geiseln befreien konnte.

Im Laufe seiner Karriere war der 1946 in die SPD eingetretene gelernte Metallarbeiter unter anderem Entwicklungshilfeminister, Staatsminister im Auswärtigen sowie im Kanzleramt, SPD-Schatzmeister und stellvertretender Parteivorsitzender. In den 80er Jahren tat sich Wischnewski auf internationaler Ebene vor allem als Friedensvermittler in Mittelamerika hervor und trug so 1988 maßgeblich zur Beendigung des Bürgerkriegs in Nicaragua bei. Immer wieder trat er auch als Unterhändler bei Entführungen auf. So fädelte er 1985 die Freilassung der entführten Tochter des damaligen salvadorianischen Präsidenten Jose Napoleon Duarte ebenso ein wie die von acht verschleppten Deutschen in Nicaragua ein Jahr später.

Die SPD-Bundestagsfraktion will Wischnewskis am Freitagmorgen in einer Sondersitzung gedenken. Wischnewski war erst am Montag aus einem zehntägigen Koma erwacht. „Er war guter Dinge und fragte nach dem algerischen Parteitag“, sagte Joosten. Dann sei Wischnewski am Nachmittag plötzlich gestorben. Parteifreunden galt der leidenschaftliche Briefmarkensammler als „klassisches Urgestein“. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte in Köln, wo er seine Karriere gestartet hatte: Im Rollstuhl sitzend nahm er am politischen Aschermittwoch der SPD teil. Die Genossen jubelten ihm lautstark zu. „Es ging ihm richtig gut“, erinnerte sich Joosten.

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