Mannesmann-Urteil
Ausland versteht Ackermann-Trubel nicht

Der Druck auf Deutsche-Bank-Chef Ackermann wird stärker: Politik und Wirtschaft fordern nach dem gestrigen Mannesmann-Urteil den Rücktritt des Managers. Bundestagsvizepräsident Thierse mahnt eine Debatte über Verantwortung und Moral an. Kommentatoren im Ausland können die Aufregung dagegen überhaupt nicht verstehen.

HB FRANKFURT. „Die Hütte brennt, und der Image-Schaden ist sehr groß“, sagte die Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel am Donnerstag dem Sender „NDR Info", nachdem zuvor bereits zahlreiche andere Politiker Josef Ackermann scharf kristisiert hatten. „Ich finde, der Aufsichtsrat ist jetzt gefragt", so Scheel. Der SPD-Abgeordnete Klaus Uwe Benneter sagte auf n-tv, er sei froh, dass die Bundesrichter klar gemacht hätten, „dass das was sich an Unmoral und Unkultur in den Chefetagen breit gemacht hat, so keinen Bestand haben kann“.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse verlangte eine neue Debatte über die Verantwortung von Managern. Im Inforadio rbb erklärte er, das BGH-Urteil sei "eine öffentliche Aufforderung, über die Unternehmenskultur und die Unternehmermoral in diesem Lande neu zu diskutieren". Ziel müsse eine Verhaltensänderung der Manager sein.

Der SPD-Politiker betonte, es dürfe nicht sein, dass die Höhe von Abfindungen in keinem Verhältnis zur Leistung stehe. Daher müsse über einen Kodex oder aktienrechtliche Vorschriften geredet werden, in denen dann auch "eine Relation von Einkommen und Abfindungshöhe zu den Leistungen, zum Unternehmenserfolg formuliert" sei. Außerdem müssten die Rechte der Aktionäre bei der Entscheidung über entsprechende Zahlungen gestärkt werden.

Der Bundesgerichtshof hatte am Mittwoch den Freispruch Ackermanns und anderer Angeklagter im Mannesmann-Prozess aufgehoben. Das Verfahren wird nun erneut aufgerollt. Der Aufsichtsrat stellte sich hinter den Vorstandssprecher, obwohl der Chef des Kontrollgremiums, Rolf Breuer, sich zuvor bereits zu einer möglichen Nachfolgersuche geäußert hatte.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, sprach sich im „Südwestrundfunk“ für eine „vernünftige Nachfolgeregelung“ aus. In Bankenkreisen zirkulieren für den Posten die unterschiedlichsten Namen, einen konkreten Kandidaten gibt es bisher nicht.

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