Manuela Schwesig: Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit ist „nicht wirkungslos“

Manuela Schwesig
Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit ist „nicht wirkungslos“

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sieht durch ihr Gesetz zur Lohngerechtigkeit ein Tabu in Deutschland fallen. „Das ist ein echter Durchbruch“, verteidigte die Ministerin ihr Gesetz gegenüber Kritikern.
  • 3

BerlinDas neue Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit gibt Frauen nach Darstellung von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig konkrete Mittel zur Durchsetzung ihrer Ansprüche an die Hand. Das reiche bis hin zur Klage vor Gericht, sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch im ARD-„Morgenmagazin“. „Das ist ja der Grund für die Widerstände, weil dieses Gesetz nicht wirkungslos ist.“

Das Gesetz soll an diesem Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossen werden. Kern ist nach Ministeriumsangaben die Einführung eines individuellen Auskunftsanspruches: Arbeitgeber mit mehr als 200 Beschäftigten müssen künftig ihren Beschäftigten auf Anfrage erläutern, nach welchen Kriterien sie bezahlt werden. Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten müssen zudem regelmäßig über den Stand der Gleichstellung und der Entgeltgleichheit berichten.

Schwesig sagte in der ARD: „Gegen dieses Gesetz gibt es massive Widerstände, weil es geht um einen Tabubruch. Es geht darum durchzusetzen, dass Frauen wirklich den gleichen Lohn bekommen, wenn sie die gleiche oder gleichwertige Arbeit machen, und dass auch die Lohnfindung nicht mehr eine „black box“ ist.“ Es gehe darum zu wissen, ob man genauso gerecht bezahlt werde wie andere. „Und das wollen natürlich viele nicht.“

„Das ist ein ganz wichtiges Gesetz für die Schließung der Lohnlücke“, sagte die SPD-Politikerin. „Es geht nicht darum, den Lohnzettel des Kollegen einzusehen“, sagte Schwesig. „Es geht darum, mit einem Tabu zu brechen: Über Geld redet man nicht.“ Sie verwies darauf, dass Frauen im Jahr 2015 nach Angaben der Statistiker im Schnitt 21 Prozent weniger verdienten als Männer. Wenn man berücksichtigt, dass sie öfter Teilzeit arbeiten, seltener in Führungspositionen aufsteigen und stärker in sozialen Berufen mit geringeren Verdiensten arbeiten, beträgt die Lücke noch sieben Prozent.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Manuela Schwesig: Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit ist „nicht wirkungslos“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Um was sich die SPD alles kümmert ?

    Lohngerechtigkeit mit einem Gesetz zu regeln, wie kann man sich nur so einer Illusion hinzugeben.

    Allein ein individuell gestalteter Arbeitsvertrag verhindert Vergleichs-Optionen !
    Im übrigen kenne ich genügend Unternehmer und Angestellte, die bei der aktuellen Wirtschaftsentwicklung keine Zeit für Lohndebatten haben.

    Die Lohnstückkosten sind in diesem Land so weit heruntergefahren, durch die Entwicklung des € ist kein drandenken, dass die Löhne in absehbarer Zeit steigen werden. Egal ob männlich oder weiblich, da viele froh sind wenn ihr Arbeitsplatz nicht durch einen Roboter oder ein Programm wegrationalisiert wird.

    Ausgerechnet die SPD, verantwortlich für Lohndumping, Leiharbeit und moderner Sklavenhaltung schwingt sich zu einem neuen Olymp empor !

    Wie blond muss man eigentlich sein ?

  • Arbeiten die Frauen für die gleiche Arbeit für weniger Gehalt als die Männer, wären alle Unternehmer gut beraten, nur noch "billige" Frauen einzustellen und keine "teuren" Männer zu beschäftigen. Diese einfache betriebswirtschaftliche Regel sollten alle Unternehmer kennen. Zudem müßte dann die Arbeitslosenquote bei den Männern deutlich höher liegen als bei den Frauen.

    ... Wann wird eigentlich das Renteneintrittsalter der Frauen auf das Nieveau der Männer angehoben? Eigentlich müßten die Frauen sogar länger arbeiten, da sie auch länger leben...

  • Frau Schwesig scheint noch nichts von Betriesräten gehört zu haben. Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten haben sowas normalerweise. Die Betriebsräte haben jederzeit ein Auskunftsrecht bezüglich der Bezahlung der Mitarbeiter. Jeder Mitarbeiter, der sich ungerecht behandelt fühlt, kann sich an den Betriebsrat wenden. Der "echte Durchbruch" besteht in wieder mehr Bürokratie. Die Personalabteilung wird ja wohl für die Gruppe, zu der die Mitarbeiterin zählt, Durchschnittswerte ermitteln müssen. Ein direkter Vergleich mit einem andern Mitarbeiter dürfte sich ja wohl aus Datenschutzgründern verbieten? Das kann aber ein Betriebsrat leisten. Falls nicht, hätte man einfach dessen Befugnisse erweitern können. Das wäre effektiv gewesen, aber nicht so publikumswirksam.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%