Margret Wintermantel
HRK-Chefin allein unter wütenden Studenten

Als Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) kritisierte Margret Wintermantel die Länder für die misslungene Umsetzung des Bologna-Prozesses. Bei der Konferenz selbst aber stand auch sie in der Kritik: 4000 wütende Studenten machten ihrem Unmut über die Bachelor- und Masterreform Luft.
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BERLIN. Margret Wintermantel ist Professorin für Psychologie. Und sie ist eine hochgebildete, höfliche Dame. Doch das nutzte der Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) bei den wütenden Studenten gestern wenig.

Im Gegenteil: Die rund 4 000 Studenten, die zur Hochschulrektorenkonferenz nach Leipzig gereist waren, hielten der HRK-Präsidentin wild gestikulierend vor, sie vertrete nicht die Interessen der Studierenden im Dauerstreit um die Bachelor- und Masterreform. Anfang dieser Woche musste sich Wintermantel auf einer Diskussion gar anschreien lassen - und kritisierte anschließend eher hilflos denn wütend die Umgangsformen der Studenten: Die seien einfach "furchtbar ungeduldig". Die 62-jährige Ex-Präsidentin der Universität des Saarlandes steht bei den Studentenprotesten vor ihrer ersten großen Herausforderung - doch de facto kann sie kaum etwas ausrichten. Die eigentlich Verantwortlichen für die Defizite der Bologna-Reform sind die einzelnen Rektoren - die sich nun hinter ihr verstecken.

Wintermantel kam 2006 als erste Frau überraschend zu ihrem Amt als HRK-Präsidentin. Ihrem Vorgänger kündigten die mächtigen Vizepräsidenten die Gefolgschaft auf, nachdem der sich auch privat mit der vielfach unbeliebten HRK-Generalsekretärin zusammengetan hatte. Doch keiner der männlichen Vize wollte den Job an der Spitze übernehmen. Wintermantel ließ sich überreden.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Frau Wintermantel sollte sich einmal fragen, woher die Ungeduld der Studenten kommt und was die Wut, welche wohl eher der Grund für die "Umgangsformen" ist als schlechte Erziehung - kommt. Die Hochschulrektoren sind verantwortlich für die Misere im bachelor/Master. Die Probleme sind seid langem bekannt: Mehr als leere Worte und 2 Jahre ohne jegliche Veränderung kann sie nicht vorweisen; so wie es sich aktuell darstellt kommt nun ein weiteres hinzu.

  • An dieser Situation ist die HRK (Präsidentin) jedoch auch maßgeblich mitverantwortlich.
    (1) Führte ihr Vorgänger, Prof. Dr. Klaus Landfried, regelmäßig sog. Verbändegespräche mit den Verbänden der Studierenden(schaften) durch, was zu einem regelmäßigen Gespräche und dem Austausch von (durchaus sehr unterschiedlichen) Meinungen beitrug und ein Klima der gegenseitigen Gesprächsbereitschaft schaffte, machte Frau Prof. Dr. Margret Wintermantel trotz mehrfacher Nachfragen keine Versuche, diese Gesprächskultur ihres zu beginn seiner Amtszeit bei den Studierenden auch nicht geliebte, am Ende jedoch sehr geschätzten Vorgängers, fortzusetzen.
    (2) in diversen Publikationen ("bologna with student eyes" u.v.a.) haben die Studierenden wiederholt und geduldig auf die Missstände und Mängel beim Prozess der Umsetzung der von der idee her guten Sache eines europäischen Hochschulraumes und gesteigerter Mobilität hingewiesen. Die HRK Präsidentin hätte bereits seit langer Zeit auf die Studierenden wegen eines gemeinsamen Vorgehens zukommen können, was nicht jedoch geschah.

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