Marine
Gorch Fock erhält eine zweite Chance

Verteidigungsminister Thomas de Maizière will das Segelschulschiff Gorch Fock im November wieder in See stechen lassen. Bereits jetzt wurden 190 Kadetten vereidigt, die an Bord zu Offizieren ausgebildet werden sollen.
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FlensburgDas Segelschulschiff "Gorch Fock" soll im November erstmals wieder in See stechen. Mitte Januar erhalten nach den Plänen der Marine im Mittelmeer wieder Offiziersanwärter ihre Segelausbildung an Bord. Am Freitag legten die rund 190 Kadetten der Crew VII/2012 im Beisein von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) an der Marineschule Mürwik in Flensburg ihren Treueeid ab.

Die Offiziersanwärter würden auf einer "innerlich wie äußerlich erneuerten 'Gorch Fock'" ausgebildet, sagte der Minister in seiner Festrede. Neben dem Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Axel Schimpf, und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) nahmen an der Vereidigung mehr als 2.000 Angehörige und weitere Gäste teil.

Nach dem tödlichen Sturz einer Kadettin aus der Takelage am 7. November 2010 wurde die Offiziersausbildung ausgesetzt und das Schiff 2011 an die Ankerkette gelegt. Damals machten auch Vorwürfe über unmenschliche Ausbildungsmethoden und sexuelle Belästigung die Runde. Im Zuge des Skandals wurde der damalige Kommandant Norbert Schatz beurlaubt. Der Wehrbeauftragten des Bundestages, Hellmut Königshaus, stellte "Führungsdefizite und Sicherheitslücken" fest. Anschließend ließen die Verantwortlichen das Ausbildungskonzept komplett überarbeiten.

Der Dreimaster liegt derzeit noch zu Instandsetzungsarbeiten auf einer Werft im niedersächsischen Elsfleth. "Wir wollen das Schiff im September wieder im Heimathafen Kiel haben", sagte Marineinspekteur Schimpf. Von dort aus solle die Bark Mitte oder Ende November in wärmere Gefilde aufbrechen, aller Voraussicht nach mit dem Ziel Las Palmas auf Gran Canaria. "Denn hier ist die Ausbildung in den Wintermonaten natürlich nicht gut durchzuführen."

Die Offiziersanwärter kämen in der zweiten Januarhälfte 2013 an Bord und würden "dann die Segelausbildung dort unten absolvieren", sagte Schimpf. Laut de Maizière ist die Teilnahme der Offiziersanwärter an dieser Ausbildung auf See für die Persönlichkeitsbildung und die Professionalität auch einer modernen Marine wichtig.

Die öffentliche Verhöhnung der ertrunkenen "Gorch Fock"-Kadettin Jenny B. und ihrer Eltern durch einen Kapitänleutnant auf einer Zeitungsseite im Internet bezeichnete de Maizière als einen "unerhörten Einzelfall, den wir verurteilen". Die nötigen Konsequenzen würden gezogen. Die Soldatin war in der Nacht zum 4. September 2008 unter ungeklärten Umständen vor der Insel Norderney von Bord des Segelschulschiffes in die Nordsee gefallen und ertrunken.

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Kommentare zu " Marine: Gorch Fock erhält eine zweite Chance"

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  • @ Raus_aus_dem_geistigen_Dorf,
    dann wäre doch die einfache Schlussfolgerung; ehe man zum "Sesselpupser" gemacht werden kann, wäre eine Fahrt zur Aus- und Weiterbildung sowie zur Förderung der Ehrfurcht die Voraussetzung?!
    Nun denn, das werden wir wohl auch noch verkraften.

  • Was hat das denn bitte mit Deutschen zu tun? Wie ist das bitte mit den Portugiesen, die als Segelschulschiff die "Sagres" betreiben? Bei deren wirtschaftlicher Lage betreiben sie ein Segelschulschiff? Mir kommt das immer wieder so vor, als neigten manche Kommentatoren zum Masochismus, gepaart mit einem fehlenden Blick hinaus aus dem eigenen geistigen Dorf.
    Im Gegensatz zu Ihnen scheint da ein wacher Kopf im Ministerium zu sein. Das Meer nimmt auf Sesselpupser keine Rücksicht. Ein Segelschiff fördert die Ehrfurcht vor den Elementen. Das ist für Führungspersonal wichtig, wenn es um das Leben vieler Menschen geht. Manchem sesselpupsenden Manager täten solche Erfahrungen gut. Mordkahn? Trinken Sie Ihren Latte Macchiato weiter und reden Sie weiter wie ein Weichei.

  • Deutsche können nichts sterben lassen, keine Bank, keinen Euro, keine Geschichte und nicht mal den Mordkahn Gorch Fock.

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