Mario Ohoven
Mittelstands-Präsident gegen schärfere Russland-Sanktionen

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Sanktionen kennen nur Verlierer

Die Europäische Union hatte am Vortag nach Angaben von Diplomaten Sanktionen gegen 15 weitere Personen und 18 Firmen und andere Einrichtungen verhängt. Banken seien nicht darunter. Ost-Ausschuss-Chef Cordes sagte dazu: „Derartige Sanktionen sind die wohl schmerzhaftesten, und sie wirken schnell.“ Dagegen würden Einschnitte bei Exporten von Rüstungs- und energietechnischen Gütern wohl erst nach einiger Zeit wirken.

Ohoven gab zudem zu bedenken, dass ein Wirtschaftsboykott gegen Moskau zwei Verlierer hätte: den deutschen Mittelstand und die russische Bevölkerung. Die Mehrzahl der 6.300 deutschen Unternehmen auf dem russischen Markt seien Klein- und Mittelbetriebe. „Ein Teil von ihnen hat schon jetzt seine Investitionen reduziert und fordert aus Angst vor Enteignung weniger Material aus Deutschland an“, sagte der Mittelstandspräsident. Ein Embargo würde in Deutschland vor allem auf Klein- und Mittelbetriebe in den Branchen Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektronische Erzeugnisse, Pharma und Nahrungsmittel zurückschlagen, die im bilateralen Handel dominieren.

„Wir reden hier über Ausfuhren mit einem Volumen von 36,1 Milliarden Euro in 2013“, betonte Ohoven. „Die Menschen in Russland wiederum würden unter Handelsbeschränkungen leiden, weil dies die Versorgung mit Medikamenten und Lebensmitteln gefährden würde.“

Offenbar hat der mutmaßliche Abschuss eines malaysischen Passagierflugzeugs über der Ostukraine und das Verhalten der Separatisten die deutsche Wirtschaft zu einer härteren Linie veranlasst. „Der Umgang mit der Katastrophe stellt einen Akt der Inhumanität dar“, kritisierte Cordes. Er sprach von „verstörenden Verhaltensweisen“ der prorussischen Kräfte in der Ostukraine und „abenteuerlichen Theorien“, die aus Russland kämen.

Er stelle sich ausdrücklich hinter die deutsche Regierung, die zuletzt für härtere Sanktionen gegen Russland eintrat. „Die Bundesregierung managt die Krise hervorragend“, sagte er. Wenn die EU nun ihre Sanktionen verstärke, „dann tragen wir die 100 Prozent mit“. Und wenn dafür ein Preis zu zahlen ist, „werden wir ihn bezahlen“.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Mario Ohoven: Mittelstands-Präsident gegen schärfere Russland-Sanktionen "

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  • Selbstverständlich verbreitet sich Cordes entsprechend - sinnstiftend läßt sich dergleichen nicht übersetzten - weil es nicht dem Interesse und schon gar nicht der Meinung der Wirtschaft entspricht! Es geht um Geld und zwar nur um Geld!

    Russland ist ein wichtiger Handelspartner und weil Merkel dem schwarzen Mann aus dem weißen Haus in gewohnter unterwürfiger Art nachplappern muss/will - darf man nicht vergessen, Russland hat Alternativen - z.B. China und/oder Indien. Diese Länder haben den Bedarf und die Mittel, den Bedarf zu bezahlen. Sich gegen Russland zu stellen ist mindestens dumm, weil Deutschland sich massiv Schaden zufügt. (wir können dann Amigas beziehen selbstverständlich zu viel höheren Preisen...

    Das Geschwätz der Amis ist inhaltlich wie immer dümmliches Geschwätz - siehe neuerliche Ausführungen zu "Beweisen" der Verwiklung Russlands in den Flugzeugabsturz... Vollmundig haben die Amis von Beweisen gesprochen - und was legten sie vor - Nichts - von diesem Nichts allerdings , sehr sehr viel.

    Warum hört man denn überhaupt auf diese entsetzlichen Kretins - gar nicht mit den reden!

  • Herr Cordes muß tun was Frau Merkel will. Frau Merkel muß tun was Herr Obama will. Herr Obama muß tun was die Leute wollen die ihn finanzieren. Bezahlen muß die russische und die deutsche Bevölkerung. Vorerst nur mit Geld!

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