Marion-Dönhoff-Preis
Ehrung für Hildegard Hamm-Brücher

Sie wollte kein „Heimchen am Herd“ sein, sondern sich für die Republik einsetzen: Dafür hat Hildegard Hamm-Brücher nun den Marion-Dönhoff-Preis erhalten. Auch die Stiftung von Steffi Graf wurde ausgezeichnet.
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Die ehemalige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher und Steffi Grafs Stiftung „Children For Tomorrow“ sind am Sonntag in Hamburg mit dem Marion-Dönhoff-Preis für internationale Verständigung und Versöhnung ausgezeichnet worden. Der CDU-Politiker Heiner Geißler würdigte in einer launigen Laudatio im Deutschen Schauspielhaus seine einstige politische Widersacherin Hamm-Brücher. Sie erhielt den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk, an Grafs Stiftung ging der mit 20.000 Euro dotierte Förderpreis.

In ihrer Dankesrede erinnerte Hamm-Brücher an die Gemeinsamkeiten in ihrem und dem Leben der Publizistin Dönhoff. „Wir wollten nicht abermals zu Heimchen am Herd verbannt werden und die res publica – die öffentlichen Dinge – allein den Männern überlassen.“ Ihr und Gräfin Dönhoff hätten stets die Bildungsgerechtigkeit und das Gedeihen der Demokratie am Herzen gelegen.

Heiner Geißler sagte, mit Blick auf das Jahr 1982, als FDP und CDU in einem konstruktiven Misstrauensvotum die sozialliberale Regierung von Helmut Schmidt stürzten: „Bitte verstehen Sie diese Laudatio auch als Akt der tätigen Reue“ .

Geißler würdigte die 90-Jährige vor allem als eine Frau, die ihr ganzes Leben lang unmissverständlich das Nazi-Regime verurteilt und als stetige Mahnerin zur Wachsamkeit gegen neo-nationalistische Tendenzen agiert habe. Hamm-Brücher habe sich nie an die Leine von Fraktionszwang und Parteiräson legen lassen, sondern habe freiheitlich, tolerant, unbestechlich und mit viel Mut für ihre Überzeugungen gekämpft, sagte Geißler vor zahlreichen Gästen aus Politik, Medien und Gesellschaft, darunter auch Altbundespräsident Richard von Weizsäcker.

Zuvor hatte TV-Moderator Reinhold Beckmann Steffi Graf für ihren unermüdlichen Einsatz für verwahrloste, misshandelte und traumatisierte Kinder in Krisenregionen gewürdigt. Die ehemalige Tennisspielerin, die zur Preisverleihung nicht persönlich erschien, hatte die Stiftung 1998 in Kooperation mit der Flüchtlingsambulanz der Hamburger Universitätsklinik Eppendorf gegründet, wo bereits 700 Kinder aus Krisenregionen behandelt wurden.

Zum neunten Mal hatte die Wochenzeitung „Die Zeit“ ihre Leser aufgefordert, Personen und Organisationen vorzuschlagen, die sich im Sinne der 2002 gestorbenen Marion Gräfin Dönhoff engagieren. Stifter sind „Die Zeit“, die Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius sowie die Marion Dönhoff Stiftung.

Kommentare zu " Marion-Dönhoff-Preis: Ehrung für Hildegard Hamm-Brücher"

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  • Einfach toll. Und man stelle sich vor, diese beiden großen Damen Hamm-Brücher wie auch Gräfin Dönhoff schafften das ohne Quote.
    Gute Frauen kommen immer nach oben und schaffen alles.
    Unsere Quotenkreiscgh-Weiber sollten darüber mal nachdenken

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