Marion Eckertz-Höfer
Erstmals Frau an Spitze des Bundesverwaltungsgerichts

Das Bundesverwaltungsgericht wird erstmals in seiner 54-jährigen Geschichte von einer Frau geführt. Marion Eckertz-Höfer hat am Donnerstag in Leipzig die Nachfolge von Präsident Eckart Hien angetreten.

HB LEIPZIG. „Eine Frau in diesem Spitzenamt ist leider immer noch die Ausnahme“, sagt die 58-Jährige. Die Entwicklung gehe jedoch endlich in die richtige Richtung: Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt hat eine Präsidentin, der Bundesfinanzhof in München wurde bereits von einer Frau geführt - und seitdem die als Männerdomäne geltende Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe von Monika Harms geleitet wird, scheint nahezu alles möglich.

„Ausschlaggebend muss aber die Leistungsfähigkeit sein“, betont Eckertz-Höfer, die viele Jahre Gleichstellungsbeauftragte des Bundesgerichts war. Die Chancengleichheit für Frauen liegt der früheren Verwaltungschefin im Frauenministerium Schleswig-Holsteins am Herzen. „Frauen, die gut sind und es können, gibt es genug“, sagt sie. „Frauen die Ja sagen, wenn sie gefragt werden auch.“

Bleibt die Frage: Warum gibt es so wenig weibliche Führungskräfte - insbesondere auch in der Justiz? Richterinnen gibt es genug, Staatsanwältinnen auch. „Die Entscheidungsträger sind immer noch Männer“, sagt die Sozialdemokratin ohne Bitterkeit, aber mit viel Optimismus. „Bei dem jüngsten Richterwahlausschuss sind fünf freie Stellen an unserem Gericht mit drei Frauen besetzt worden. Das gab's noch nie.“

Mit dem Wechsel in das Präsidentenamt ist Eckertz-Höfer von der bisherigen zweiten Reihe an die Spitze aufgerückt. „Damit werde ich etwas mehr als öffentliche Frau wahr genommen“, sagt sie. Ein praller Terminkalender ist ihr damit sicher - zumal sie das Werk ihres Vorgängers und die Kontakte zu europäischen Kollegen fortsetzen will. „Ich hoffe, dass ich trotzdem möglichst viel richterliche Tätigkeit 'rüber retten kann“, sagt die gebürtige Oldenburgerin. Als Vorsitzende des 1. Senats ist das Ausländer- und Asylrecht ihr Schwerpunkt. Ein kompliziertes Rechtsgebiet. Doch die 58-Jährige macht es gern.

Ihre juristische Laufbahn hat sie 1977 in Baden-Württemberg als Strafrichterin begonnen. Es folgten Tätigkeiten als Staatsanwältin und Zivilrichterin. Im Herbst 1983 wechselte Eckertz-Höfer als wissenschaftliche Mitarbeiterin zum Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe. Fünf Jahre später ging sie nach Schleswig-Holstein ins Ministerium, 1993 erfolgte der Wechsel zum Bundesverwaltungsgericht nach Berlin. Als dieses im Jahr 2002 seinen Amtssitz nach Leipzig verlegte, zog die getrennt lebende Juristin komplett nach Sachsen um.

Vielleicht fiel ihr das auch besonders leicht, weil ihre Familie aus Dresden stammt. Als Tochter eines Kunsterziehers, der eigentlich Maler und Grafiker war, liebt Eckertz-Höfer zudem die Muse. Kein Wunder also, dass sie zu den Initiatoren des Vereins „Kunst und Justiz im Bundesverwaltungsgericht“ gehört und die Leipziger Baumwollspinnerei mit ihren Galerien liebt.

Entspannung bringt ihr auch das Spiel am Klavier. Die Nachbarn bekommen davon aber wenig mit: Eckertz-Höfer hat sich ein elektrisches Instrument gekauft. „Ich war nie jemand, der vorspielen muss“, sagt sie. Eine weitere Leidenschaft ist das Reisen. Beruflich geht es in diesem Jahr nach Bangkok, wo die Vertreter von obersten Verwaltungsgerichten der Welt zusammen kommen. Für private Reisen bleibt eher wenig Platz. Dabei hat die 58-Jährige einen Traum: „Die gesamte Ostseeküste würde ich gerne noch erkunden.“

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