Marktforscher plädieren für Steuersenkungen
Entlastung: Schnapsideen und Rezessionskiller

Die Rezession infolge der Finanzkrise ist nicht zu verhindern, die Regierung will sie aber abmildern. Im Gespräch sind Steuersenkungen, niedrigere Sozialabgaben oder Konsumgutscheine. Doch Marktforscher kritisieren die Optionen teils massiv.

DÜSSELDORF. Eine Senkung der Einkommensteuer betrachtet Konsumpsychologe Christoph Melchers, Geschäftsführer von Ifm Wirkungen + Strategie in Köln, mit als die beste Möglichkeit. Den daraus resultierenden finanziellen Spielraum könnten die Menschen beim Konsum rational nutzen. „Ich halte es für sehr wichtig, dass sie die Regie über ihre Ausgaben behalten.“ Ähnliche Effekte hätte aus seiner Sicht eine Senkung der Mehrwertsteuer, auch wenn sie weniger direkt wirken würde. „Es ist fraglich, ob und wann das an die Konsumenten weitergegeben wird.“

Marktforscher und Sozialwissenschaftler Stefan Holl, Geschäftsführer der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung in Ludwigsburg, sieht bei beiden Maßnahmen die Gefahr, dass zusätzliche Spielräume nicht genutzt werden und auf Grund der bleibenden Verunsicherung vor allem verstärkt gespart wird. „Wenn man schnell etwas anschieben will, ist eine Mehrwertsteuersenkung das plakativere Signal. Eine niedrigere Einkommensteuer ist langfristig wirksamer.“

Jedenfalls besteht Handlungsbedarf. Denn Melchers sagt, die täglichen Negativnachrichten in Zusammenhang mit der Finanzkrise verunsicherten die Konsumenten enorm. „Es entsteht der Eindruck, dass die Regierung auch nicht weiß, was zu tun ist. Das Worst-Case-Szenario, von dem sie ausgeht, ist sehr schädlich.“ Die Konsumlaune der Deutschen hält er für besser, als in dieser Situation zu erwarten sei. Die relativ gute Stimmung überrascht auch Holl.

Ob das so bleibt ist aber fraglich. Im Moment wirken aus Melchers Sicht zwei Sondereffekte. „Es ist Vorweihnachtszeit.“ Niemand habe so viel Angst, dass er darauf verzichte, seine Freunde und Verwandten zu beschenken. „Außerdem will jeder seinen Lieben zeigen, was er für Ressourcen hat.“ Hinzu komme eine Trotzreaktion: „Nach dem Schimpfen auf die Gier der Manager, gestehen sich jetzt viele ein, dass sie selbst gerne zocken. Dieses Vergnügen wollen sie sich nicht nehmen lassen.“ Marktforscher Holl empfindet die Stimmung als fatalistisch und bringt das derzeit vorherrschende Motto auf den Punkt: „Jetzt lassen wir es uns noch mal gut gehen, so lange das möglich ist.“

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