Masern-Erkrankungen Gröhe droht mit Impfzwang

Ungeachtet der Appelle von Ärzten und Politikern breiten sich die Masern weiter aus. Nun droht Gesundheitsminister Gröhe mit einer möglichen Impfpflicht. Australien plant drastische Schritte.
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„Wer ohne medizinische Notwendigkeit seinem Kind den Impfschutz verweigert, schadet nicht nur diesem Kind.“ Quelle: dpa
Hermann Gröhe (CDU)

„Wer ohne medizinische Notwendigkeit seinem Kind den Impfschutz verweigert, schadet nicht nur diesem Kind.“

(Foto: dpa)

Berlin/SydneyAngesichts der nach wie vor hohen Zahl an Masern-Erkrankungen hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) Impfverweigerern mit einem Impfzwang gedroht. Nicht impfen sei verantwortungslos, sagte Gröhe der Deutschen Presse-Agentur und dem NDR und fügte hinzu: „Wir müssen auch der Panikmache einiger Impfgegner entgegentreten“.

Er erläuterte: „Wer ohne medizinische Notwendigkeit seinem Kind den Impfschutz verweigert, schadet nicht nur diesem Kind, sondern auch Kindern, die zum Beispiel zu klein sind, um geimpft zu werden, oder Kindern, die tatsächlich aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.“

Auch weitergehende Schritte wie das Thema Impflicht dürften kein Tabu sein, bekräftigte der Gesundheitsminister. „Wir werden diese Fragen sorgfältig, aber konsequent im Rahmen der jetzt anstehenden parlamentarischen Beratungen zum Präventionsgesetz debattieren und dann entscheiden.“

Impfen oder nicht?
Masernimpfung
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Große Masern-Ausbrüche in Berlin und Bayern haben 2013 die Diskussion um die Impfung gegen die Infektionskrankheit neu angefacht. Die Politik erwog sogar eine Impfpflicht. Manche Eltern sehen Impfungen dagegen generell kritisch. Fakten und Argumente im Streit um den kleinen Pieks gegen die Masern:

Krankenhaus
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Gefahren einer Masern-Infektion

Masern sind hochansteckend. Sie schwächen auch das Immunsystem. „Dadurch können zusätzlich bakterielle Super-Infektionen auftreten“, erläutert Dorothea Matysiak-Klose vom Berliner Robert Koch-Institut (RKI). So kommt es bei einigen Erkrankten zu Mittelohrentzündungen (7-9 Prozent) oder einer Lungenentzündung (1-6 Prozent).

In einem von 1000 Fällen folgt sogar eine Gehirnentzündung. Sie kann tödlich enden oder schwere Schäden wie geistige Behinderungen verursachen. Sehr selten tritt Jahre nach der überstandenen Infektion eine Entzündung des Gehirns und des Nervensystems auf - an diesen Spätfolgen starb im Juni ein 14-Jähriger in Nordrhein-Westfalen.

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Masern-Impfung

Die Impfung bietet nach Angaben des RKI einen sehr hohen Schutz. Ein Rechenbeispiel des Instituts: Falls in einer Grundschule, in der die Hälfte der Kinder geimpft ist, die Masern auftreten, sei damit zu rechnen, dass nur zwei bis drei Prozent der Geimpften erkrankten - aber fast alle nicht Geimpften. Das Ziel ist es, 95 Prozent der Bevölkerung zu immunisieren. Denn dann könnten die Masern sich nicht mehr weiter verbreiten. Weil der Schutz beim ersten Mal nicht immer anschlägt, werden zwei Dosen empfohlen.

Deutsches Thermometermuseum Geraberg
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Nebenwirkungen

„Auch für Impfstoffe gilt, dass Sie keine Wirkung ohne Nebenwirkungen haben“, sagt Michael Pfleiderer, Leiter des Fachgebiets Virusimpfstoffe am Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das für die Zulassung der Stoffe zuständig ist. Unerwünschte Nebenwirkungen seien jedoch rare Einzelfälle. Die Impfstoffe seien seit Jahrzehnten auf dem Markt und sehr gut verträglich.

Zu den häufigeren Reaktionen auf die Impfung gehören Fieber und leichter Hautausschlag. „Die Masernimpfung ist eine Lebendimpfung. Sie erzeugt somit eine milde Masern-Infektion mit sehr abgeschwächten Masernviren und damit den Schutz gegen die Infektion“, sagt Matysiak-Koch. Bei allen Impfungen kann es zudem zu Rötungen und Schwellungen kommen. „Die Gefahr, die von Masern ausgeht, ist deutlich größer als das Risiko der Impfung“, betont die RKI-Expertin.

Massenimpfung gegen Schweinegrippe gestartet
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Kritiker der gängigen Impfpraxis bemängeln dagegen, es fehle an Kenntnissen zu den Risiken von Impfungen. „Wir wissen wenig über die Langzeitfolgen von Impfstoffen, wir wissen wenig über die Häufigkeit schwerer Nebenwirkungen“, sagt der Münchner Kinderarzt und Homöopath Martin Hirte. Das PEI verweist dagegen auf anspruchsvolle Zulassungsverfahren mit zahlreichen Studien.

Masern
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Masern ausrotten

Die Weltgesundheitsorganisation will die Masern ausrotten, in Europa bis Ende 2015. Denn weltweit sterben schätzungsweise 140.000 Kinder pro Jahr an der Krankheit. Die deutsche Debatte ist auch in diesem Zusammenhang zu sehen: Deutschland sorge mit seinen Masernfällen immer wieder für Ausbrüche in anderen Ländern, sagt Matysiak-Koch. „So trat in Bulgarien ein sehr großer Ausbruch mit 24 000 Fällen auf, der durch einen Deutschen verursacht wurde.“

Daniel Bahr
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Impflicht

Falls die Impfquote nicht steigt, will Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eine Pflicht zur Masernimpfung erwägen. „Ich finde es verantwortungslos, seine Kinder nicht impfen zu lassen“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Eine Pflicht ist allerdings umstritten, da sie in das Recht auf körperliche Unversehrtheit eingreift.

Gröhe bekräftigte, diese Krankheit sei unnötig, weil es einen wirksamen Impfschutz gebe. Um die Impfquote zu steigern, sei im Präventionsgesetz vorgesehen, die Beratung vor dem Besuch einer Kindertagesstätte (Kita) verpflichtend festzulegen.

Auch solle bei jeder Jugend- oder Erwachsenenuntersuchung der Impfstatus abgefragt werden. Welche Konsequenzen bei einer Impfverweigerung zu ziehen seien, müsse auch mit den Ländern erörtert werden, damit diese dort auch Regelungen in ihren Kindergartengesetzen umsetzen könnten.

´Rund ein halbes Jahr nach dem Masern-Ausbruch in Berlin ist noch kein Ende absehbar. Seit Oktober wurden dort mehr als 1000 Fälle gemeldet. Mindestens 80 Fälle wurden in Thüringen, hier insbesondere in Erfurt, registriert, 75 in Bayern. In Berlin wurden den Behörden zufolge mindestens 330 Kinder zeitweilig von Kitas und Schulen ausgeschlossen.

Australien plant einem Medienbericht zufolge, jenen Eltern, die Ihre Kinder nicht impfen lassen, Sozialleistungen zu entziehen. Laut „Sydney Morning Herald“ will Sozialminister Scott Morrison die Regeln etwa für Steuervergünstigungen und Hilfen zur Kindesbetreuung verschärfen. Wer solche Hilfen suche, dürfe nicht länger Einwände gegen Impfungen aus Gewissensgründen vorbringen.

Dem Bericht zufolge reichten Eltern Zehntausender Kindern solche Einwände ein, aus persönlichen, philosophischen, religiösen oder medizinischen Gründen. Auch in Australien haben Ausbrüche von Masern, Keuchhusten und anderer vermeidbarer Erkrankungen eine Impfdebatte entfacht.

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  • dpa
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