Massaker an Armeniern Auch Lammert spricht von Völkermord

Bundespräsident Gauck hat vorgelegt, Bundestagspräsident Lammert nun nachgezogen: Auch er nannte das Massaker an den Armeniern vor 100 Jahren einen Völkermord. Der Opposition geht die Armenien-Erklärung nicht weit genug.
Update: 24.04.2015 - 11:26 Uhr 13 Kommentare
Zu Beginn der Bundestagsdebatte am Freitag hat sich Norbert Lammert zum Massaker an den Armeniern geäußert. Quelle: dpa

Zu Beginn der Bundestagsdebatte am Freitag hat sich Norbert Lammert zum Massaker an den Armeniern geäußert.

(Foto: dpa)

BerlinAlle Bundestagsparteien haben das Massaker osmanischer Truppen an Armeniern vor 100 Jahren als Genozid verurteilt und riskieren damit die Eintrübung der Beziehungen Deutschlands zur Türkei. „Das, was mitten im Ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich stattgefunden hat unter den Augen der Weltöffentlichkeit war ein Völkermord“, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert am Freitag im Bundestag und traf damit den Tenor der Sprecher aller Fraktionen. Bislang hat die Regierung in Ankara mit scharfen Reaktionen auf die Wertung der Massaker als Völkermord reagiert, die sie als Verunglimpfung der Türkei zurückweist.

Die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD haben einen Antrag eingebracht, mit dem das deutsche Parlament erstmals die Massaker an Armeniern förmlich als Genozid qualifizieren soll. Im April 1915 habe die planmäßige Vertreibung und Vernichtung von über einer Million ethnischer Armenier begonnen, heißt es dort. „Ihr Schicksal steht beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen, ja der Völkermorde, von denen das 20. Jahrhundert auf so schreckliche Weise gekennzeichnet ist.“ Der Antrag wurde zur Beratung in die Ausschüsse überwiesen und soll in einer späteren Bundestagssitzung verabschiedet werden.

Im Ersten Weltkrieg waren Armenier im Osmanischen Reich als vermeintliche Kollaborateure systematisch vertrieben und umgebracht worden. Nach Schätzungen kamen dabei zwischen 200 000 und 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs lehnt die Bezeichnung Völkermord vehement ab. In seiner Rede bekannte sich Lammert auch zur deutschen Mitverantwortung am damaligen Geschehen. Das Deutsche Kaiserreich war seinerzeit enger Verbündeter des Osmanischen Reichs.

Redner aller Fraktionen unterstrichen, es gehe nicht darum, die Türkei auf die Anklagebank zu setzen. Gerade Deutschland mit seiner Nazi-Vergangenheit habe keinen Grund für Überheblichkeit. Die Türkei solle sich aber auch mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. „Ich wünsche mir türkische Schulbücher, in denen an das Leid erinnert wird“, sagte der Grünen-Chef Cem Özdemir.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Norbert Röttgen, warnte vor falscher Rücksichtnahme auf die türkische Regierung: „Bei Völkermord hört die Abwägung auf“, sagte der CDU-Politiker mit Blick auf Bemühungen, aus diplomatischen Gründen die Massaker nicht Genozid zu nennen. Bereits am Donnerstagabend hatte Bundespräsident Joachim Gauck von einem Völkermord gesprochen.

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13 Kommentare zu "Massaker an Armeniern: Auch Lammert spricht von Völkermord"

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  • nicht ganz richtig!

    Wielun war im Frontbereich und wurde von einer polnischen Division verteidigt. Das Zivilisten zu Tode kamen würde man heute als Kolateralschaden bezeichnen. Vor Coventry wurden in München Wohngebiete bombardiert. Auch in Conventry war das Ziel ein Industriekomplex und nicht die Wohnbevölkerung. Die geplante Terrorbombadierung von Wohngebieten wurde von England begonnen und mit den USA in eine Größenordnung gesteigert die einen Vergleich mit Conventry usw. nicht zuläßt . Conventry 500 Tote, Hamburg 50000 Tote.

  • Wer sagt am häufigsten Völkermord?
    -----------------
    ■ Der Papst nannte es Völkermord
    ■ Gauck nannte es Völkermord
    ■ Özdemir (Grüne) nannte es Völkermord
    ■ Österreich nennt es Völkermord
    ■ Lammert nennt es Völkermord
    ■ Steinmeier (SPD) nennt es NICHT Völkermord
    ■ Erdogan nennt es NICHT Völkermord
    ■ Die Regierung eiert noch herum, ob sie verklausuliert von Völkermord sprechen soll


  • @Mario Müller:


    "...mal wieder eine historische Verpflichtung"

    Inwieweit D als Verbündeter des osmanischen Reiches mitverantwortlich war, kann/sollte durch Historiker geklärt werden.

    Nach meinem Kenntnisstand ist D eher nicht mitverantwortlich dafür, aber ich bin kein Historiker.

  • @Peter spirat:

    "Ausbomben und Verbrennen der dt. Zivil-Bevölkerung... "

    Über die Bombardierung dt. Städte können wir uns nicht beklagen, denn erfunden hat diese Art der Kriegsführung die Wehrmacht .

    Beispiele gefällig?

    - Guernica (span. Bürgerkrieg, es gibt ein berühmtes Gemälde von Pablo Picasso dazu)
    - Wielun (Polen, 1. Sept 1939) : Wielun war zu der Zeit militärisch vollkommen unbedeutend
    - Coventry (im Englischen heißt seitdem "to coventise": vollständige Zerstörung)

    Wie heißt es als Sprichwort: "Wer Wind sät, wird Sturm ernten"

  • 99,999% der Deutschen dürften damals noch gar nicht gelebt haben aber trotzdem hat Deutschland, als damaliger Verbündeter der Türken, mal wieder eine historische Verpflichtung. Und Schlafwagenschaffner Gauck muss natürlich wieder seinen Senf dazugeben.

  • Und jetzt wieder die dummen Deutschen, Gauck, Lammert, Oezdemir usw. Wäre
    ja ein Wunder, wenn die Deutschen nicht schon wieder in Greueltaten verstrickt sind.
    Wahrscheinlich kommen demnächst Geldforderungen an die Deutschen. Ich glaube,
    dass keiner beurteilen kann, was vor 100 Jahren tagtäglich im Krieg abgelaufen ist.
    Allerdings sollten die Herren Gauck, Lammert, Oezdemir ihren seelischen Komplex
    von einem Psychologen behandeln lassen. Angeblich soll das helfen, dieses
    Minderwertigkeitssyndrom zu beseitigen.

  • Wer Franz Werfel gelesen hat, weiß auch, dass dieses Buch bereits vor etlchen Jahrzehnten geschrieben wurde.
    Aber von einer "Mitschuld" der Deutschen habe ich nichts gelesen.
    Im vorigen Jahrhundert gab es auf den Jahrmärkten "türkischen Honig" als Süssigkeit
    zum naschen. Möglicherweise wurde da bereits die "Mitschuld" manifestiert.
    Aber unser aller "Bundespastor" aus der damaligen DDR muß es ja wissen.
    So ein Schlauberger, boooor ääähh!!

  • - Norbert Lammert hat sich geäußert - ja, klasse und in Hintertupfingen ist eine Kastanie vom Bau gefallen.


    Natürlich war das, was vor hundert Jahren im osmanischen Reich einer Unzahl von Armeniern widerfahren ist, Völkermord. Und es würde der Türkei gut zu Gesicht stehen, dies auch so in ihren Geschichtsbüchern zu beschreiben. - Ich meine, was solls', das was damals geschehen war, hat ja die Türkei nicht zu verantworten. Aber auch die Türkei sollte bereit sein, aus einmal geschehenem Unrecht zu lernen und es nicht mit faschistoidem Gedankengut zu beschmutzen. Das werden aber Aussagen von einem Norbert Lammert oder auch von einem BP Gauck nicht erreichen.

    Völkermord? Korea, Vietnam, Hiroshima, Nagasaki, 13 Millionen Tote russische Zivilisten während des 2. Weltkriegs, Ausrottung der Indianer in Süd- und Nordamerika........

    Her Lammert täte gut daran, sich mit Geschichte zu beschäftigen, anstatt sich über weise Richter in Karlsruhe zu beschweren, die ab und an weltfremden und rechtsunkundigen Politikern auf die Finger klopfen.



  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • kommt noch, kommt noch.

    Keine Eile.

    Erst einmal kontern wir bei den Griechen. Und wenn du uns wieder mit Wiedergutmachung für dt. Gräultaten kommen, dann sollen die erst einmal dafür bezahlen, was Alexander der großer (Schächter und Völkermörder) derzeit in Persien angerichtet hat.

    Dann erst erinnern wir die Spanier daran, dass sie in Südamerika ganze Kulturen nieder gemacht haben

    Nicht zu vergessen die englische Freunde.
    - Opium Monoplo in Aisen
    - nachhaltiger Völkermord in den Kolonien
    - Ausbomben und Verbrennen der dt. Zivil-Bevölkerung in den Bomben-Nächten.

    Also keine Sorge, so etwas verjährt NIE.

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