Massenentlassungen
Manager gestehen Kommunikationsfehler

Die hitzig geführte öffentliche Debatte über die soziale Verantwortung von Unternehmen bereitet führenden Managern und Ökonomen zunehmend Sorgen - und veranlasst sie zu Selbstkritik. Ihr größtes Problem ist die schlechte Kommunikationspolitik.

BERLIN. Vorstandsmitglieder großer Konzerne geben zu, dass es ihnen bisher nicht gelungen ist, der Bevölkerung komplexe ökonomische Zusammenhänge zu erklären. "Die größte Herausforderung besteht in der Kommunikation", sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, auf einer Podiumsdiskussion seines Hauses.

Derzeit stehen Unternehmen einmal mehr unter öffentlichem Druck - neben der durch den Fall Zumwinkel ausgelösten Steueraffäre sorgt nun auch noch der geplante Arbeitsplatzabbau florierender Großunternehmen für eine emotionale Debatte. Politiker und Gewerkschafter reagierten gestern mit Empörung auf die Ankündigungen.

Wirtschaftsvertreter geben zu, dass sie in der Vergangenheit den Fehler gemacht haben, sich aus der Politik heraushalten zu wollen. "Wir waren stolz, unpolitisch zu sein", sagte BMW-Vorstandsmitglied Michael Ganal bei der Veranstaltung mit dem Titel "Die Zukunft der internationalen Arbeitsteilung". Der öffentlichen Diskussion könnten sich Unternehmen aber nicht entziehen. "Wir haben das Problem erkannt, und wir laufen los", sagte Ganal.

Der Münchener Konzern hatte am Mittwoch Pläne konkretisiert, wonach trotz Rekordgewinnen 8 100 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen - davon 7 500 in Deutschland. Die Rendite sei wegen der Dollar-Schwäche gesunken und müsse wieder besser werden, hatte BMW-Personalvorstand Ernst Baumann argumentiert. Zugleich hatte der Düsseldorfer Waschmittel- und Klebstoffhersteller Henkel angekündigt, weltweit rund 3 000 Stellen streichen zu wollen - auch Deutschland werde betroffen sein.

In der Öffentlichkeit ist daraufhin ein Sturm der Entrüstung losgebrochen. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) forderte die Unternehmen auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Statt Beschäftigung trotz guter Geschäftslage abzubauen, sollten sie Menschen einstellen und qualifizieren, erklärte Scholz. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach nannte es einen "Skandal, dass ausgerechnet die Konzerne, die fette Gewinne einstreichen, auf Kosten der Beschäftigten nach Extraprofiten streben". Hier sei offenbar Maßlosigkeit Linie ökonomischen Handelns.

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