Massenphänomen Hartz IV
14,5 Millionen Menschen leben von Hartz IV

Wie viele Menschen in Deutschland waren jemals von Hartz IV betroffen? Es sind viele Millionen – und millionenfach auch Kinder. Auch die Zahl der Dauerbezieher ist hoch.

BerlinMindestens 14,5 Millionen Menschen in Deutschland haben bereits Hartz-IV-Leistungen bekommen. Jeder Fünfte ist von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Betroffen sind auch viele Kinder: 4,4 Millionen der Hartz-IV-Bezieher waren unter 15 Jahren. Die Quote der von Armut bedrohten Unter-18-Jährigen lag im vergangenen Jahr bei 18,5 Prozent.

Die Gesamtzahl der Menschen, die seit der Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 zumindest einmal diese Leistung bekommen haben, nannte das Bundessozialministerium auf eine Anfrage der Linken. Die Antwort lag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor. Rund 10 Millionen dieser Bezieher von Regelleistungen nach dem zweiten Sozialgesetzbuch zählten als erwerbsfähig.

Im vergangenen Jahr bezogen 785 000 Menschen erstmals neu Hartz-IV-Leistungen. Die Zahl ging in den ersten Jahren des Hartz-Systems zunächst Jahr für Jahr zurück, steigt aber seit 2011 jährlich wieder an.

Insgesamt gibt es derzeit 5,9 Millionen Hartz-IV-Bezieher, darunter 4,3 Millionen Erwerbsfähige und 1,6 Millionen meist minderjährige Nicht-Erwerbsfähige. Trotz verstärkter Vermittlungsbemühungen der Jobcenter sank die Zahl der Hartz-IV-Dauerbezieher bundesweit zwischen Dezember 2014 und Dezember 2015 lediglich um 0,8 Prozent auf 2,6 Millionen.

Die Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann, die die schriftliche Frage gestellt hatte, sagte: „Hartz IV ist kein Randproblem, das nur Langzeiterwerbslose betrifft.“ Linksfraktionschef Dietmar Bartsch sagte, Millionen Menschen würden von Hartz IV systematisch diskriminiert. „Oftmals vererbt sich die Armut selbst und das einhergehende Stigma von einer Generation zur nächsten.“ An diesem Freitag will der Bundesrat eine leichte Erhöhung der Hartz-Sätze für 2017 beschließen, für Alleinstehende von 404 auf 409 Euro pro Monat.

Von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht waren im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamts 16,1 Millionen Menschen. Die Quote lag mit 20,0 Prozent ähnlich hoch wie in den Vorjahren - aber einmal mehr unter dem EU-Durchschnitt von zuletzt 23,7 Prozent.

Sowohl in Deutschland als auch EU-weit waren im vergangenen Jahr mehr Frauen als Männer betroffen. Hierzulande lag der Frauen-Anteil bei 21,1 Prozent und der der Männer bei 18,8 Prozent.

Die Daten stammen aus der Erhebung „Leben in Europa“ (EU-SILC). Danach gelten Menschen als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn ihr Einkommen unter 60 Prozent des Durchschnittseinkommens liegt oder ihr Haushalt von erheblicher Entbehrung betroffen ist oder sie in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung leben.

Nach Meinung des Sozialverbands VdK zeigen die Zahlen einen großen Handlungsbedarf. „Trotz der anhaltend guten wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland gibt es keinen deutlichen Rückgang der Armut“, erklärte Präsidentin Ulrike Mascher. Armut müsse endlich wirksam bekämpft werden, etwa mit einem auf mindestens 11,60 Euro erhöhten Mindestlohn. De facto steigt der 2017 auf 8,84 Euro.

Der Statistik zufolge sind aktuell Menschen unterhalb des klassischen Rentenalters eher von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht als Ältere. Bei den 18- bis 65-Jährigen waren es 21,3 Prozent, bei Menschen ab 65 Jahren 17,2 Prozent.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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