Massentierhaltung

Bund prüft Masseneinsatz von Antibiotika neu

In deutschen Ställen werden tonnenweise Antibiotika an Tiere verabreicht – nach Ansicht vieler eine Gefahr für die Wirksamkeit der Mittel auch beim Menschen. Nun sollen alle Arzneien auf den Prüfstand.
Kommentieren
Die Bundesregierung will die massenhafte Vergabe von Antibiotika in deutschen Ställen neu überprüfen. Quelle: dpa
Risiko für Wirksamkeit bei Menschen

Die Bundesregierung will die massenhafte Vergabe von Antibiotika in deutschen Ställen neu überprüfen.

(Foto: dpa)

Bad HomburgDer Bund überprüft bei allen Antibiotika, ob sie weiterhin in der Landwirtschaft eingesetzt werden sollen. Bereits jetzt wirken einige beim Menschen schlechter oder gar nicht mehr, weil sie bislang übermäßig verwendet wurden.

Eine Liste mit den Mitteln sei in Arbeit, sagte Bundeslandwirtschaft Christian Schmidt (CSU) am Freitag nach der Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern in Bad Homburg. Alle würden intensiv geprüft, „Verbote sind nicht ausgeschlossen.“ Schmidt wies darauf hin, dass ein Großteil der Antibiotika-Resistenzen in der Humanmedizin entstehe.

Die Länderminister hatten eine Beschränkung des Antibiotika-Einsatzes gefordert und den Bund aufgefordert, eine Liste mit Mitteln zusammenzustellen, die Tieren künftig nicht mehr oder nur noch ausnahmsweise verabreicht werden dürfen. Es sei wichtig, dass diese Liste genaue Anwendungsbedingungen enthalte, sagte die hessische Agrarministerin Priska Hinz (Grüne), die in diesem Jahr Vorsitzende der Konferenz ist.

Ferner sollen nach einem Beschluss der Ministerkonferenz beim Entfernen der Hörner von Rindern Beruhigungs- und Schmerzmittel eingesetzt werden müssen, um den Tieren Schmerzen zu ersparen. „Wir brauchen eine Landwirtschaft, die das Tierwohl stärker in den Blick nimmt“, sagte Hinz. Keine Einigung gab es über einen Antrag Hessens, die ganzjährige Anbindehaltung von Rindern abzuschaffen, damit sich die Tiere auch im Stall frei bewegen können.

Die deutschen Milchbauern brauchen nach Überzeugung der Agrarminister mehr Unterstützung für die Zeit nach dem Ende der Milchquote am 31. März. Der Wegfall der Quote werde zwar nicht infrage gestellt - „weil sie Krisen nicht verhindert hat“, sagte Hinz. Dennoch seien zusätzliche, flexible Instrumente zur Stabilisierung des Milchmarktes in Krisenzeiten nötig.

Vor dem Tagungslokal demonstrierten Dutzende Milchbauern mit Treckern für faire Milchpreise. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter verlangt ein Sicherheitsnetz für die Landwirte. Die Bauern befürchten existenzgefährdende Schwankungen des Milchpreises.

  • dpa
Startseite

0 Kommentare zu "Massentierhaltung: Bund prüft Masseneinsatz von Antibiotika neu"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%